Kategorie
Autor:innen
Jahr

Untertriebenes Jubiläum

Das Schaffhauser Kulturzentrum Kammgarn feiert sein 20-jähriges Bestehen. Seine Glücksmomente und Herausforderungen begannen aber schon um einiges früher. von Anna Rosenwasser
Von  Gastbeitrag
Die «MEUTE» am Kammgarn Hoffest 2017. (Bilder: Kammgarn)

Geburtstage gehören zu den am wildesten gefeierten Jubiläen, nicht nur bei Menschen. «Schon 20 Jahre alt und noch lange nicht müde», heisst es im Titel zur Feier, die sechs Tage lang, Dienstag bis Sonntag, das Bestehen von Kammgarn, Taptab und Vebikus hochleben lässt. Und ja, der Geburtstag wird wild: Von der VIP-Feier über Tattoo-Sessionen bis zu einem 20-stündigen Kulturhappening, von kleinen Rocksteady-Auftritten bis hin zum grossen Züri-West-Konzert.

In der Kammgarn wird Theater vorbereitet werden, während im selben Raum auf der Galerie oben noch die frühmorgendliche Goa-Party tobt. Nein, diese Lokalitäten scheinen wahrlich noch nicht müde zu sein. 20 ist ja auch noch kein Alter, könnte man nun sagen – aber eigentlich sind diese Schaffhauser Spasszentren noch mindestens ein Jahrzehntchen älter.

20 Jahre Kammgarn: 24. bis 29. Oktober. Mit Arrows of Love, Züri West, Edgar Wasser, Bonaparte, Keith & Tex und vielen mehr.
Vollständiges Programm: kammgarn.ch

Im Kammgarnareal ging es schon in den 80ern richtig ab. Erstmals diskutiert wurde schon 1981 ein Kulturzentrum in der leerstehenden Fabrik der ehemaligen Kammgarn-Spinnerei (darum «Kammgarn»!), und ein Jahr später konnte die Stadt das Areal tatsächlich kaufen, notabene noch ohne Nutzungskonzept. Schon wenige Jahre später ging in der Kammgarn wie im heutigen Taptab allerlei Punkiges, Experimentelles, zeitweise Illegales ab, der Verein Vebikus wurde gegründet und stellte Kunst aus; schon 1990 fand das erste Jazzfestival in der Kammgarn statt.

Wir sehen also: Die Kammgarn, das Taptab und den Vebikus gibt es schon länger als bloss 20 Jahre, wenngleich noch in etwas anderen Formen, noch nicht in exakt denselben Räumen wie heute und weitaus weniger institutionalisiert. Erst 1997 folgte ein Umbau, der das Kulturzentrum in seiner heutigen Form zur Folge hatte. Dieses Jubiläum ist es, was in den kommenden Tagen gefeiert wird.

Ein beharrliches Magnet

Diese (natürlich sehr grob zusammengefasste) Geschichte des Kulturzentrums Kammgarn mag auch erklären, warum Menschen wie Hausi Naef schon älter sind als das Jubiläum, das sie dieser Tage mitorganisieren. Seit über 30 Jahren ist Hausi bei der Kammgarn tätig: Als Betriebstechniker, Lichttechniker, Betreuer der Halle, im Booking und Mitveranstalter des renommierten Jazzfestivals kann er auf sehr verschiedene Aspekte des offiziell 20. Geburtstags zurückblicken.

«Vor dem Kulturzentrum war das Areal eine totale Brache», erinnert er sich. «Als wir dann Konzerte in der Kammgarn zu veranstalten begannen, waren auch gänzlich unbekannte Acts oft restlos ausverkauft. Damals schlossen die meisten Beizen schon früher am Abend, und es lief allgemein weniger in der Stadt.» Und doch: Das Kulturzentrum bleibt bis heute ein Publikumsmagnet, das Leute gar aus ganz Europa zu einem Konzert nach Schaffhausen pilgern lässt.

Die «Publikumsmeue» am Kammgarn Hoffest im vergangenen August.

Die Programmation sei heute angesichts der knappen Finanzen – man denke bloss an die städtische Budgetdebatte von vor zwei Jahren zurück! – kein Zuckerschlecken, schildert Hausi. «Es ist fast kein Risiko möglich, also können wir uns weniger kleine Nischenkonzerte erlauben, als wir es uns wünschten. Unser Programm muss den Spagat schaffen zwischen diversen Segmenten sowie den Partys, auf die wir angewiesen sind.» Diese Dehnübung schaffen dann etwa Veranstaltungen wie das Stiller-Has-Konzert, das generationsnübergreifend 500 Menschen in die Kammgarn-Halle zu locken vollbringt.

Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte waren aber nicht bloss finanzieller Art. «Je etablierter die Lokalität ist, desto grösser ist die Schwellenangst, sich einfach mal zu melden, um mitzumachen», erzählt Hausi. «Wir wollen gute Leute am Start haben, die nicht nur bereit sind, bis um fünf Uhr morgens an der Bar zu arbeiten, sondern am Sonntag sogar aufräumen oder am Montag einer guten Band nachrennen.»

Das aktuelle Team der Kammgarn sei wunderbar, findet er, «denen hat man viel zu verdanken. Um hier zu arbeiten, braucht es eine gute Portion Realismus.» Nicht zuletzt sei er auch der Stadt Schaffhausen dankbar, die das Ausprobieren damals befürwortete. «Heute kommen bereits Mütter mit dem Kinderwagen in die Kammgarn, die selbst schon als Kinder an einem Stärnefoifi-Konzert hier waren.»

Schwärmen von Ästhetik

Aber Hausi, was bitteschön unterscheidet die Kammgarn von jedem anderen Konzerthaus, das Taptap von weiteren alternativen Kleinklubs, den Vebikus von diversen Galerien? «Du vergisst die Beiz», korrigiert er die Fragestellung, «die Beiz ist das Zentrum, das Herz. Hier treffen Taptab-Leute auf Kammgarn-Techniker und Bands. Aber sowieso: In allen Räumen des Kulturzentrums gibts diese hohe Ästhetik.» Und dann beginnt Hausi zu schwärmen: von den perfekten Grössendimensionen, der praktischen Stahlkonstruktion, der hundert Jahre alten Statik. «Wir sind mitten in der Stadt und haben doch die Nähe zur Rheinbadi und keine Lämpen mit den Nachbarn.»

Ein Wunsch wäre zudem, dass der grosse Parkplatz vor der Kammgarn autofrei würde – es gibt also Zukunftsziele! «Jaja, in 20 Jahren gibts die Kammgarn noch, da hab ich keine Zweifel», winkt Hausi ab. Zwar ginge die Diskussion um den Sinn von Kultur nicht weg, aber die sommerlichen Hoffester mit der Taptab-Grätruumbar, die Jazzgrössen auf der Kammgarnbühne, die herzliche Vernetzung zu anderen Lokalitäten, die werden bleiben.

Erstmal aber muss das Team unter Beweis stellen, dass es eine sechstägige Jubiläumssause handhaben kann. Hausi ist zuversichtlich. Wer illegale Punkkonzerte, politische Kulturdiskussionen und drei Jahrzehnte Kulturschaffen durchlebt, sorgt sich nicht um seine Geburtstagsfete – erst recht nicht, wenns das unermüdliche Schaffhauser Kulturzentrum ist.

Was umfasst das Kulturzentrum Kammgarn?

Den Aktionsraum: Halle der ehemaligen Kammgarnfabrik, wird umgangssprachlich «die Kammgarn» bzw. «d’Kamm» genannt. Hier finden Konzerte, Festivals und Partys statt.

Die Kammgarn-Beiz: Restaurant, das an den Aktionsraum anschliesst.

Die Kunsthalle: Der Verein Vebikus stellt im gleichnamigen Raum über der Kammgarn-Beiz zeitgenössische Kunst aus.

Den Musikraum: Der Club Taptab befindet sich gleich neben der Beiz. Hier sind junge Bands, heranwachsende Veranstalter und allerlei Experimentierende gefördert und gefordert.

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full