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Vom Openair ins Flüchtlingslager

Letztes Jahr sollten noch Hilfswerke profitieren, dieses Jahr profitiert das OpenAir selber vom Zeltberg im Sittertobel – und ein paar Flüchtlinge im nordfranzösischen Calais.
Von  Corinne Riedener , 

Auch in diesem Jahr hat der Wohlstandsabfall im Sittertobel die Gemüter erhitzt. Nicht zuletzt auch, weil den Medien der Zutritt zum Gelände verweigert wurde am Montag. Stattdessen verschickte das OK am Dienstag eine Medienmitteilung inklusive Fotos vom blitzblanken Sittertobel.

Im letzten Jahr erst hatte es ein Zelt-Rückgabesystem lanciert (10 Franken cash gab es für ein intaktes Zelt, das dann einem Hilfswerk gestiftet werden sollte). Leider war die Aktion ein Reinfall und die meisten Zelte unbrauchbar wegen des Wetters. Dieses Jahr kam dann das Zeltdepot: Am Eingang musste man für jedes Zelt 20 Franken bezahlen, dafür gabs eine Plakette, die beim Gehen wieder gegen das Depot eingetauscht werden konnte – sofern das Zelt auch mitging.

Drei Viertel wieder mitgenommen

Diese Erziehungsmassnahme hat offenbar besser funktioniert als die letzjährige Hilfswerksaktion: 3000 von 11’3000 Zelten seien liegengeblieben, schreibt das OK in der Mitteilung. «Nur» ein Viertel also. Littering sei aber ein gesellschaftliches Phänomen, heisst es weiter, wobei sich die Mengen in St.Gallen im Rahmen anderer Grossveranstaltungen bewegten, wie eine unabhängige Umweltstudie gezeigt habe.

Statt Flüchtlinge profitieren nun also die Veranstalter vom «Abfall» der gut 110’000 Festivalgäste. 60’000 Franken müsste ihnen das Depot der 3000 verwaisten Zelte eingebracht haben. Damit kann man vielleicht einen Teil der Aufräumarbeiten bezahlen oder die Sicherheitsleute, oder man könnte es ins nächste Line-Up investieren, jedenfalls ist es eine schöne Stange Geld.

Schade ist es trotzdem, dass das letztjährige Rückgabesystem keine zweite Chance erhalten hat. Schliesslich hätte man die restlichen Plastikhäuser trotzdem noch sammeln können, parallel zum Zeltdepot. Bei 10 Franken cash pro Zelt hätten sich bestimmt einige ins Tobel gewagt, trotz Regen, und bei 3000 Zelten hätte das OK maximal 30’000 Franken für einen guten Zweck hergeben müssen, also etwa die Hälfte des Zeltdepotgewinns.

Sieben Dächer über den Köpfen

Gut, dass es auch Menschen gibt, die sich ganz ohne Belohnung die Hände schmutzig machen und die Zelte dorthin bringen, wo sie gebraucht werden können. In diesem Fall waren sie zwar nur zu viert, aber immerhin haben sieben komplette «Überlebens-Kits» aus dem Sittertobel gerettet: sieben Zelte, sieben Matten, sieben Schlafsäcke und sieben Blachen samt Taschenlampe, Stiefeln und Sackmesser.

Die Zeltrettungsaktion wurde von Christian Fischer ins Leben gerufen. Der 22-jährige Kunststudent ist in der Nähe von Degersheim aufgewachsen, wohnt in Luzern und ist Teil des dortigen Mondoj-Kollektivs, «einer losen Vereinigung von Menschen mit und ohne Pass». Gemeinsam mit einem Mondoj-Kollegen und zwei St.Galler Aktivistinnen der Eritreischen Bewegung für demokratischen Wandel Ostschweiz (EYSNS) und der Aktion Zunder hat er sich am Sonntagabend durch die Zelt- und Pavillonberge gewühlt auf der Suche nach intaktem Material.

Je sorgfältiger die Zelte zusammengeräumt werden, desto besser ihr Zustand. «Unglaublich, was hier alles liegenbleibt», sagen die Aktivisten und schütteln immer wieder ihre Köpfe. «Das Sittertobel ist ein einziger Speicher, ein riesiges Vorratslager für Zelte, Decken, Kleidung und Schlafsäcke.» Vier Stunden später, morgens um zwei, haben sie alles in zwei ebenfalls gerettete Transportmöglichkeiten verfrachtet und ziehen wieder Richtung Stadt, um das Material ins Trockene zu schaffen.

Mit Bussen nach Calais

Am Montag wurde alles abgespritzt, gereinigt und sauber verpackt. Anschliessend ging es mit dem Gleis 7 nach Luzern, wo die Fracht noch gelagert wird, bevor es Anfang September mit Kleinbussen weitergeht nach Calais. In den dortigen Flüchtlingslagern werden Zelte nämlich dringend benötigt – nicht erst seit Ende Mai, als 200 französische Polizisten angerückt sind, um die improvisierten Unterkünfte von rund 550 Flüchtlingen mit Bulldozern zu räumen.

«Die Openair-Saison hat zum Glück erst begonnen», sagt Fischer am Mittwoch. «Wenn möglich, wollen wir die Aktion auch an anderen Orten wiederholen.» Eine nächste Gelegenheit böte schon am 13. Juli, nach dem Openair Frauenfeld. Fischer hat auch bereits Kontakt aufgenommen mit den Organisatoren und sucht weitere Verbündete für die Zeltrettungsaktionen – damit aus den Ostschweizer Einweg-Zelten, wenigstens für all jene ohne Dach über dem Kopf, wieder Mehrweg-Zelte werden können.

 

Zeltretten-haufen

Am Montag: die Ausbeute der Zeltrettung

Zeltrettung-Trocken

Nach dem Reinigen werden die Zelte, Matten und Schlafsäcke getrocknet,…

Zeltretten-Transport

…bevor es am Dienstag auf den Zug Richtung Luzern geht.

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

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Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

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Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

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Mehr als Jazz im Kult­bau

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«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

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Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

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Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

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Verwaltungsgebaeude appenzell pd

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Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

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Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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