Erneut macht sich an der St.Galler Fürstenlandstrasse, wo ein Grossteil der CH-Media-Titel der Ostschweiz untergebracht sind, Verunsicherung breit. Auch Wut. Nicht nur, weil auf die erste grosse Sparübung gleich die nächste folgt. Damit war zu rechnen. Die Belegschaft ist vor allem auch wütend über die Art der Kommunikation.
Vergangene Woche wurde in den Tiefen des CH-Media-Intranets ein Brief von CEO Axel Wüstmann aufgeschaltet – kaum sichtbar für jene, die im onlinetermingetriebenen Redaktionsalltag nicht die Zeit haben, auch noch die internen Kanäle nach News und Stories zu durchforsten.
Wer sich über die versteckte Ankündigung der nächsten Sparübung beschwerte, bekam zu hören, man sei vor einiger Zeit angehalten gewesen, die CH-Media-App herunterzuladen. Dann hätte man eine Push-Nachricht erhalten.
Im Brief, der Saiten vorliegt, wendet sich ein «herzlichst» grüssender Axel Wüstmann an die «lieben Kolleginnen und Kollegen». «Kolumbus» stehe kurz vor dem erfolgreichen Abschluss. Das neue Sparprogramm, wonach jährlich 30 Millionen Franken eingespart werden sollen, erhält ebenfalls einen schönen Namen: Atlas.
Ist damit der griechische Titan gemeint, der die Weltenlast auf seinen Schultern trägt? Oder wird hier noch am letzten verbliebenen Halswirbel gedoktert, bevor man den Kopf endgültig ausschlachtet? CH Media kommentiert die Namensgebung ihrer Sparprogramme nicht.
20 Millionen jährlich
Jährlich sollen gegenüber also 30 Millionen Franken eingespart werden. Darin enthalten seien aber die 10 Millionen Franken an «nachlaufenden Effekten» aus dem Programm Kolumbus. Das bedeutet, CH Media muss zusätzlich 20 Millionen Franken jährlich einsparen. Ein weiterer happiger Brocken.
Begründet wird der Schritt einerseits mit dem voranschreitenden Strukturwandel in der Medienbranche. Andererseits habe die Coronakrise die Dringlichkeit zum Sparen erhöht, weshalb die Massnahmen bereits jetzt aufgegleist werden und nicht erst nach dem offiziellen Abschluss von Kolumbus.
Seit dessen Lancierung 2018 sind schweizweit bereits 200 Stellen gestrichen worden. Die Befürchtung, dass es zum neuerlichen Stellenabbau kommt, ist berechtigt. «Es wird dazu kommen», schreibt CH-Media-Sprecher Stefan Heini auf Anfrage. In welchem Umfang und in welchen Regionen lässt er aber offen.
Mit der Digitalisierungsstrategie ist ein weiterer Abbau beim Print – und damit indirekt auch beim lokalen Onlineangebot, das mittlerweile zum Grossteil von den Printlokalredaktionen bespielt wird – absehbar.
Vor allem die bereits geschröpften Kultur- und Lokalredaktionen des «Tagblatts» befürchten weitere Sparschnitte. An der Fürstenlandstrasse erzählt man sich, dass in Aarau die Meinung vorherrsche, in St.Gallen habe es gegenüber Luzern und Aarau immer noch 20 Stellen zu viel. «Gerüchte kommentieren wir nicht», schreibt Heini. Ebensowenig legt CH Media offen, nach welchen Kriterien sich die Stellenkontingente in den einzelnen Regionen bemessen.
Kein Licht am Ende des Tunnels
Auf die Kritik an der internen Kommunikation der neuen Sparmassnahmen angesprochen, antwortet Heini: «Wir versuchen immer – und insbesondere intern – offen und ehrlich zu kommunizieren. Intern mit Vorlauf gegenüber der externen Kommunikation. Und wir stellen uns Kritik betreffend der internen Kommunikation. Aber intern.»
Ist Ende 2022 Ende mit Sparen? Stefan Heini: «Der Wandel in unserer Branche hat kein absehbares Ende. Insofern werden Investitionen in die Zukunft und Neues wagen auch weiterhin Hand in Hand gehen mit Sparen und Effizienzsteigerung.»
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Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
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Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
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