Das Spiel in Luzern war eine Katastrophe. Mit dem 0:3 dürfen sich die St.Galler noch glücklich schätzen. Dies nicht zuletzt dank des besten Mitspielers am Sonntag: der Torlatte. Dass zurzeit so gar nichts zusammenpasst, ist aber schon länger offensichtlich.
Es liegt nicht an einzelnen Personen, dass der FCSG (wiedermal) am Tabellenende steht. Auf dem Platz wirken die Spieler regelmässig überfordert, scheinen gar nicht so recht zu wissen, wie ihnen geschieht. Auf der Trainerbank versucht Joe Zinnbauer verzweifelt, irgendwie Einfluss zu nehmen. Wie er das aber macht, versteht kaum noch jemand. Auf dem Stuhl des Sportchefs schliesslich sitzt Christian Stübi und muss sich die Frage gefallen lassen, was er aus dem Geld gemacht hat, das er für die Kaderplanung erhielt. Eine Million mehr soll es dieses Jahr gewesen sein. Die Mannschaft zeigt diesen eigentlich zu erwartenden Qualitätsanstieg definitiv nicht.
Welches Personal für welches Spiel?
Man mag einwenden, Stübi hätte doch eben erst Tranquillo Barnetta zurück nach St.Gallen geholt. Ja, die Verpflichtung kam unter ihm zustande. Aber seien wir ehrlich: Wie gross ist die Leistung des Sportchefs, der einen Spieler zur Rückkehr überzeugt, der sowieso schon immer zurückwollte? Wenn es hier um Verhandlungen ging, waren diese wohl eher finanzieller Natur.
Man könnte auch einwenden, Stübi hätte kurz nach Amtsantritt das vielversprechende Talent Gianluca Gaudino nach St.Gallen gelotst. Und in der Tat merkt man beim jungen Bayern-Spieler immer mal wieder, dass er wohl tatsächlich zu Höherem berufen ist. Nur spielt er aber auch jetzt schon ein Spiel, mit dem seine Teamkameraden wenig anfangen können. Die Fokussierung auf den Ballbesitz zählt auch beim FC St.Gallen Ausgabe 2016 nicht zu den grössten Stärken.
Ein Problem, dass auch Zinnbauer während seiner bisherigen Zeit meist ignorierte: Er möchte einen Fussball spielen, den die Mannschaft schlicht nicht spielen kann. Er scheint zwar unlängst etwas davon abgekommen zu sein, aber ein passendes System hat er immer noch nicht gefunden. Davon zeugen die immer wieder veränderten Startformationen. Oft wird ohne offensichtlichen Grund wild hin- und hergewechselt. Ein gutes Spiel als Indikator für einen Startplatz im nächsten Spiel – in St.Gallen taugt dieser Indikator nicht mehr allzu viel.
Was unter der Woche im Training passiert, können wir als Aussenstehende natürlich nicht vollständig nachvollziehen. Einzelne – sagen wir es mal nett – nicht auf den ersten Blick verständliche Rotationen sind vielleicht durch die Geschehnisse unter der Woche erklärbar. Nicht aber in einem Ausmass, das die Situation in St.Gallen erklären würde.
Aussitzen ist keine Lösung
Kurzum: Sowohl Stübi als auch Zinnbauer scheinen mit der ihnen anvertrauten Aufgabe ebenso überfordert wie die Spieler mit dem Geschehen auf dem Platz. Weder die Verpflichtungen noch die Auf- und Einstellung der Mannschaft folgen einem Konzept. Gerade ein solches wäre aber wichtig. Ohne Konzept wird die Talfahrt des FCSG kaum gestoppt werden können.
Im Gegenteil: Der Verein läuft Gefahr, bis zur Winterpause in einem so desolaten Zustand zu sein, dass nicht einmal mehr die Rückkehr Barnettas für genügend Aufbruchsstimmung sorgen kann, um einen drohenden Abstieg zu verhindern.
Eine Reaktion wäre von Nöten. Handeln scheint beim FC St.Gallen aber nicht in Mode zu sein. Präsident Dölf Früh hält eisern am Trainer fest. An der gestrigen Generalversammlung war die sportliche Entwicklung praktisch kein Thema. Es scheint fast, als wolle er sich keinen Fehler bei der Verpflichtung seines Personals eingestehen.
Nur: Jemanden zu verpflichten, der danach nicht das bringt, was man sich erhofft hat, das kann passieren. Zu lange mit einer Reaktion zu warten, ist hingegen ein kapitaler Fehler.
Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.
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Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
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