Zwischen Grafikdesign und Tätowierung
Als Tätowierer und Grafikdesigner überträgt Daryl Schiltknecht seine visuelle Sprache auf verschiedene Medien. Seine Motive entstehen im Austausch und bleiben stets individuell.
(Bilder: pd/Daryl Schildknecht)
Daryl Schiltknecht ist viel unterwegs. Jeden Monat verbringt der 31-Jährige etwa eineinhalb Wochen in Städten wie London, Berlin oder Amsterdam. Dort arbeitet er als Tätowierer, meist in sogenannten Guestspots. Diese kurzen Gastspiele in fremden Studios ermöglichen es ihm als Freischaffendem, sichtbarer zu werden, eine internationale Kundschaft zu erreichen und sich mit lokalen Kunstschaffenden zu vernetzen. Über Social Media gibt er seine nächsten Destinationen bekannt. «Wenn sich in einer Stadt genügend Leute melden, dann reise ich dorthin», sagt er. Das aber ist mittlerweile kaum mehr eine Frage: Für mehrere Städte führt er bereits Wartelisten. «Guestspots haben sich in der Szene etabliert. Man erreicht damit schnell ein breites Publikum.»
Wenn er nicht auf Reisen ist, wohnt er in Zürich, zusammen mit seiner Partnerin. Davor lebten die beiden zweieinhalb Jahre in Berlin. Beruflich habe ihm diese Zeit viel gebracht, sagt er. Doch irgendwann fehlten Familie und Freunde, von denen viele in Zürich und St.Gallen wohnen. Deshalb zog es ihn im November 2025 zurück in die Schweiz. Bereits einige Jahre davor gründete er mit Freunden in Zürich ein transdisziplinäres Studio. Das «Attempt Studio» vereint Ausstellung, Tattoo und Atelier. «Uns war wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem Kunstschaffende aus aller Welt zusammenkommen und designorientierte Projekte realisieren können.»
Daryl Schiltknecht wuchs mehrheitlich in Degersheim auf und absolvierte die Ausbildung zum Gestalter Werbetechnik in St.Gallen. Weil er sich den Beruf gestalterischer vorgestellt hatte, entschied er sich nach der Ausbildung und der Berufsmatura für das Studium Visual Communication an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Mit dem Tätowieren begann er bereits während der Ausbildung in seiner WG; zuerst Mitbewohnende, später Bekannte. Im Studium wuchs sein Interesse für das Medium «Tätowieren» aus der Perspektive eines Grafikdesigners und er fing an, seine visuelle Sprache auf die Haut zu übertragen.
Seine Motive, die eine Mischung aus intuitiven Zeichen und abstrakten typographischen Elementen sind, kommen gut an. Viele Menschen können sich mit seiner Ästhetik identifizieren. Die Arbeiten entstehen im Dialog, jedes Motiv ist individuell. Dem Künstler geht es darum, die Vorstellung der Person mit seiner eigenen Formsprache einzufangen. Diese wächst mit dem Raum. Deshalb realisiert er bevorzugt grössere Projekte auf grösseren Körperteilen. Gleichzeitig arbeitet Daryl Schiltknecht weiterhin als selbständiger Grafikdesigner. Dabei spielt sein visueller Duktus ebenfalls eine grosse Rolle und wird durch das Tätowieren beeinflusst.
An der Design Week ist der Tätowierer und Grafikdesigner Teil der Gruppenausstellung «Unlocal» – gemeinsam mit weiteren Designerinnen und Designer, die nicht mehr in St.Gallen leben, aber der Stadt verbunden geblieben sind. Angefragt wurde er wegen seines disziplinübergreifenden Ansatzes. «Mir geht es um Transdisziplinarität, um die Frage, wie sich Design mit grafischem Hintergrund aus der visuellen Kommunikation auf die Haut und andere Medien übertragen lässt», erklärt er. Dieselbe Auseinandersetzung habe bereits seine Bachelorarbeit an der ZHdK geprägt. Parallel dazu arbeitet er an Skulpturen, die ebenfalls an der Design Week zu sehen sind. Sein Ziel ist es, ein «visuelles Universum» über verschiedene Medien hinweg zu entwickeln.
In Zukunft will er den Fokus stärker auf seine Formstudien und Designobjekte legen, und dabei wird sein Weg auch wieder häufiger nach St.Gallen führen. In der Kunstgiesserei, wo auch einige seiner Freunde arbeiten, findet er Infrastruktur und Inspiration, um neue Arbeiten zu entwickeln. Doch auch das Reisen wird nicht zu kurz kommen: In London, Tokio und Seoul warten bereits einige Menschen darauf, von ihm tätowiert zu werden.
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