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St.Gallen baut Schriften, fotografiert, näht und gestaltet

Die Bilder wurden von den  jeweiligenDesigner:innen zur Verfügung gestellt. (Bild: LUSA)

Die Bilder wurden von den  jeweiligen
Designer:innen zur Verfügung gestellt. (Bild: LUSA)

In Sachen Design hat St.Gallen eine starke Geschichte. Doch auch in der Gegenwart entsteht einiges – zum Teil aber im Verborgenen. Saiten hat einzelne Studios besucht und sich zeigen lassen, was hinter den hiesigen Türen geschaffen wird.

Rund 5700 Voll­zeit­stel­len bie­tet die so­ge­nann­te Krea­tiv-wirt­schaft in St.Gal­len, das sind rund neun Pro­zent al­ler städ­ti­schen Ar­beits­plät­ze – Ten­denz stei­gend. Die­se zu för­dern, ist das de­zi­dier­te Ziel der St.Gal­ler De­sign Week, die heu­er zum zwei­ten Mal statt­fin­det. Und auch der Stadt­rat hat das Po­ten­zi­al der Krea­tiv­wirt­schaft er­kannt und ver­kün­de­te im No­vem­ber letz­ten Jah­res, die­se künf­tig ak­tiv för­dern zu wol­len.

Ge­mäss den Or­ga­ni­sa­tor:in­nen der De­sign Week kom­men die viel­ver­spre­chen­den Zah­len nicht von un­ge­fähr. So lo­cken die tie­fen Mie­ten zahl­rei­che Krea­ti­ve in die Stadt, de­ren über­schau­ba­re Grös­se das Netz­werk stärkt. Aus­ser­dem ver­dankt die Stadt ih­rer Ge­schich­te ei­nen sehr gu­ten Ruf in Sa­chen De­sign (sie­he In­ter­view).

So war die Re­gi­on zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts welt­weit füh­rend im Han­del mit Sti­cke­rei­wa­re. Und noch heu­te ist das Ost­schwei­zer Hand­werk in­ter­na­tio­nal be­liebt. Mi­chel­le Oba­ma trug bei der Amts­ein­füh­rung ih­res Man­nes Sti­cke­rei der St.Gal­ler Fir­ma Fors­ter Roh­ner. Ne­ben be­sag­tem Un­ter­neh­men er­lang­te auch die Mo­de aus dem Hau­se Akris be­reits im Zu­ge der Sti­cke­rei­blü­te in­ter­na­tio­na­le Be­kannt­heit – und St.Gal­len bis heu­te ei­ne wei­te­re wirt­schaft­li­che Grös­se. Auch mit Chris­ta Bösch und Co­si­ma Ga­di­ent ist die Re­gi­on ak­tu­ell auf dem Welt­markt ver­tre­ten. Auf­ge­wach­sen im Tog­gen­burg und dem -Ap­pen­zel­ler­land, grün­de­ten die bei­den Mo­de­de­si­gne­rin­nen vor ei­ni­gen Jah­ren das La­bel Ot­to­lin­ger. Ih­re Kol­lek­tio­nen wa­ren seit­her auf Run­ways in New York, Pa­ris oder Lon­don zu se­hen.

Den gu­ten Ruf hat St.Gal­len aber nicht nur der Sti­cke­rei zu ver­dan­ken, son­dern auch der Gra­fik. Denn der Buch­ge­stal­ter und Ty­po­graph Jost Hoch­u­li hat seit den 1960er-Jah­ren ei­nen neu­en Stil ge­prägt und St.Gal­len wie­der zur Bü­cher­stadt ge­macht. Bis heu­te ge­hört sei­ne Ar­beit zum Schul­stoff al­ler Gra­fi­ker:in­nen. Mit Si­cher­heit ist er auch den bei­den Gra­fik­stu­di­os Bän­zi­ger-Hug und Kas­per-Flo­rio ein Be­griff. Die bei­den Du­os ha­ben un­ter an­de­rem ge­mein­sam das De­sign der Ar­chi­tek­tur­bi­en­na­le ge­stal­tet. Auf­grund sol­cher Er­fol­ge hat sich in der Sze­ne be­reits längst der Be­griff «St.Gal­ler Schu­le» durch­ge­setzt. Da­zu könn­te man auch Pro­duk­te-De­si­gner:in­nen zäh­len. Veit Rausch zum Bei­spiel. Sei­ne Stüh­le schmück­ten Da­vid Lynchs Film­sets. Oder Gal­lus Zwi­cker, des­sen Licht­kon­zep­te be­reits mehr­fach in­ter­na­tio­nal aus­ge­zeich­net wur­den.

So viel zur Ge­schich­te. Ne­ben die­sen -be­kann­ten Er­zäh­lun­gen ent­ste­hen neue in der Ge­gen­wart. Mit min­des­tens so viel Po­ten­zi­al. Ak­tu­ell le­ben und ar­bei­ten in St.Gal­len zahl­rei­che Gra­fi­ker:in­nen, -Il­lus­tra­tor:in­nen, Film­schaf­fen­de, Fo­to­graf:in­nen, Pro­duk­te- und Mo­de­de­si­gner:in­nen, de­ren Schaf­fen we­ni­ger be­rühmt ist, viel­leicht öf­ter im Ver­bor­ge­nen ge­schieht als im Ram­pen­licht und den­noch auf­fällt. An der De­sign Night öff­nen sie die Tü­ren zu ih­ren Ate­liers und prä­sen­tie­ren sich und ih­re Ar­bei­ten. Sai­ten hat ein paar von ih­nen be­sucht.

Schrif­ten von Welt

Se­ri­fe, Pun­ze, Ker­ning, Hin­ting. Bahn­hof? Die Be­griffs­welt der Schrift­ge­stal­tung (neu­deutsch: Ty­pe De­sign) ist so ei­gen wie die Sze­ne selbst. Ein A bleibt im­mer ein A, ein Ω im­mer ein Ω. Buch­sta­ben und Zif­fern soll­ten, je nach An­wen­dungs­zweck, im­mer als sol­che er­kenn­bar blei­ben. Das al­pha­be­ti­sche Sys­tem steckt den Rah­men ab, in­ner­halb des­sen sich Schrift­ge­stal­ter:in­nen frei ent­fal­ten kön­nen – und mit­un­ter ei­ne feu­ri­ge Lei­den­schaft ent­wi­ckeln.

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Die­se spürt man auch im Ge­spräch mit zwei Ver­tre­tern des Fachs: dem in Por­to le­ben­den St.Gal­ler Fa­bi­an Harb (1988) und dem Co­bur­ger Ni­co­las Bern­klau (1994), der sei­ne Wahl­hei­mat in St.Gal­len ge­fun­den hat und heu­te ne­ben­amt­lich an der Schu­le für Ge­stal­tung un­ter­rich­tet. Harb stu­dier­te in Ba­sel vi­su­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on und leb­te und ar­bei­te­te spä­ter un­ter an­de­rem in Ams­ter­dam und Ber­lin. Bern­klau stu­dier­te Gra­fik­de­sign in Ra­vens­burg und Ty­pe De­sign an der Éco­le can­to­na­le d’art de Lau­sanne (ECAL).

Was ist ei­ne gu­te Schrift? Harb hält we­nig von sol­chen Be­wer­tun­gen. Je­der Font kön­ne gut sein, so­lan­ge man kei­ne Ideen klaue. Am rich­ti­gen Ort ein­ge­setzt, kön­ne so­gar Co­mic Sans, die wohl meist­be­lä­chel­te Schrift­art, «gut» sein. «Die Zeit der glat­ten Schrif­ten» sei vor­bei, Ari­al-Re­vi­val hin oder her, sagt Bern­klau. Es brau­che da und dort klei­ne Rei­bungs­flä­chen. Wie le­ser­lich ei­ne Schrift sein soll, hän­ge vom An­wen­dungs­zweck ab. Ziert ei­ne Schrift­art nur den Ti­tel auf ei­nem Plat­ten­co­ver oder ein Pla­kat oder muss mit ihr ein gan­zer Ro­man ge­le­sen wer­den kön­nen?

Wer sich in der Schweiz und dar­über hin­aus mit Buch­ge­stal­tung und Ty­po­gra­fie be­fasst, kommt kaum an der St.Gal­ler Ko­ry­phäe Jost Hoch­u­li (1933) vor­bei. Wird sein von Nüch­tern­heit, Klar­heit und Funk­tio­na­li­tät ge­präg­ter Stil in der jün­ge­ren St.Gal­ler Sze­ne teils als dog­ma­tisch emp­fun­den, ha­ben Harb und Bern­klau ei­nen ent­spann­te­ren Zu­gang zum Gross­meis­ter, viel­leicht auch, weil sie nie in der Gal­len­stadt zur Schu­le gin­gen. In der Lau­san­ner Bubble sei sehr oft über Hoch­u­li und die St.Gal­ler Sze­ne ge­spro­chen wor­den, er­zählt Bern­klau. Und Harb be­rich­tet, er sei im­mer ein biss­chen stolz ge­we­sen, wenn man sich an der Bas­ler Fach­hoch­schu­le ein­ge­hend mit Hoch­u­lis Bü­chern be­schäf­tig­te.

Ih­ren Le­bens­un­ter­halt be­strei­ten Harb wie Bern­klau heu­te gross­mehr­heit­lich mit Schrift­ge­stal­tung. Bei­de ha­ben schon ein paar fet­te Auf­trä­ge an Land zie­hen kön­nen. So hat Fa­bi­an Harb mit der Fir­ma Di­na­mo, die er zu­sam­men mit Jo­han­nes Brey­er ge­grün­det hat, zum Bei­spiel für die Kunst­hal­le Zü­rich oder Warp Re­cords aus Eng­land ge­ar­bei­tet und un­längst so­gar die neue Haus­schrift für Spo­ti­fy ge­stal­tet – bis­lang bei wei­tem ihr um­fang­reichs­tes Pro­jekt.

Und Ni­co Bern­klaus Schrift­art Re­si­al hat es un­ter an­de­rem in ei­ne Son­der­aus­ga­be der «New York Times» und an ei­ne Aus­stel­lung von Her­zog & de Meu­ron in Lon­don ge­schafft. Aus­ser­dem hat er mit BBC, BWGT­BLD, Pro Hel­ve­tia oder ei­ni­ge Ma­le mit Elec­t­ro-Mu­si­ker Paul Kalk­bren­ner zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Und mitt­ler­wei­le ist er «Ty­pe Di­rec­tor» des re­nom­mier­ten De­si­gners Bri­an Roet­tin­ger aus Los An­ge­les, der un­ter an­de­rem schon mit Jay-Z, La­dy Ga­ga oder den Red Hot Chi­li Pep­pers zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat.

Bei­de sind sich ei­nig, dass die best­be­zahl­ten Auf­trä­ge nicht im­mer die be­frie­di­gends­ten sind. Ge­ra­de in der Tech-Bran­che, wo spe­zi­el­le Schrif­ten ge­fragt sind, muss es heu­te schnell ge­hen, die Zeit­fens­ter für den krea­ti­ven Pro­zess wür­den im­mer klei­ner, da­für sei der ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­wand enorm. Am meis­ten Lei­den­schaft ste­cken sie in län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te, an de­nen sie – zu­nächst oft nur für sich sel­ber – jah­re­lang her­um­tüf­teln kön­nen.

Fest­hal­ten, da­mit es bleibt

LU­SA steht für die Vor­na­men von vier Fo­to­graf:in­nen. La­di­na Bi­schof, Ueli Stein­gru­ber, Sa­ra Spi­rig und An­dri Vöh­rin­ger ha­ben im Mai vor ei­nem Jahr ein ers­tes Zi­ne als Kol­lek­tiv her­aus­ge­ge­ben. Es ist das Re­sul­tat ih­res Zu­sam­men­schlus­ses, dem ge­mein­sa­men Be­spre­chen, Jon­glie­ren und Schmie­den von Ideen. Ei­ne Samm­lung von Ar­chiv­bil­dern, die im bes­ten Fall «in Er­in­ne­rung blei­ben» oder «im Bauch lan­den» – denn das macht laut Stein­gru­ber und Bi­schof gu­te Bil­der aus.

«Der Aus­tausch im Kol­lek­tiv ist für uns wich­tig, um die Freu­de an der Fo­to­gra­fie nicht zu ver­lie­ren, ihr hin und wie­der Le­ben ein­zu­hau­chen und ih­re Flam­men zu ent­fa­chen, wenn es sich bei der Ar­beit ein­mal eher um Pflicht­auf­ga­ben han­delt», er­klärt La­di­na Bi­schof. Mit dem Zi­ne hät­ten freie Ar­bei­ten Raum be­kom­men. Gleich­zei­tig er­mög­li­che das Kol­lek­tiv da­hin­ter, dass man ein­an­der be­glei­te und ge­mein­sam über Bil­der und Pro­zes­se spre­che. Vor al­lem aber kön­ne man sich als Kol­lek­tiv ge­gen­sei­tig den Rü­cken stär­ken – «ei­ne Aus­stel­lung als Ein­zel­per­son fühlt sich für lei­se Leu­te, wie wir es sind, zu ex­po­niert an».

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Bi­schof und Stein­gru­ber le­ben von der Fo­to­gra­fie – ein Be­rufs­stand, der es seit der Di­gi­ta­li­sie­rung schwer hat. Zum ei­nen, weil die­se das Hand­werk ver­ein­facht hat – und da­mit den Zu­gang zum Be­ruf –, und zum an­de­ren, weil sich da­durch auch die An­spruchs­hal­tung an das End­ergeb­nis ver­än­dert hat und die Be­reit­schaft, da­für zu be­zah­len, zu gros­sen Tei­len ge­sun­ken ist. Das Ver­ständ­nis keh­re aber wie­der zu­rück, ist Bi­schof über­zeugt. Doch wie, wo so viel kon­stru­ier­tes, ma­ni­pu­lier­tes und schnell­le­bi­ges Bild­ma­te­ri­al die Matt­schei­ben die­ser Welt flu­tet? «Die un­ge­küns­tel­te, do­ku­men­ta­ri­sche Aus­drucks­wei­se in der Fo­to­gra­fie hat ak­tu­ell viel Po­ten­zi­al», ant­wor­tet Bi­schof. «Im Ge­ne­ri­schen gibt es kei­ne Echt­heit, kein Ein­tau­chen.» Für die­se Un­ter­schei­dung brau­che es je­doch Kom­pe­ten­zen, fügt Stein­gru­ber an: «Uns geht es in un­se­rer Ar­beit aber eben auch mit LU­SA um die Sen­si­bi­li­sie­rung der Men­schen für die Ar­beit, die noch im­mer hin­ter der Fo­to­gra­fie steckt, die Zeit, die es braucht, da­mit ein Bild gut wird und da­mit eben auch um Wert­schät­zung.»

Der zwei­te Teil von LU­SA, Vöh­rin­ger und Spi­rig, die ih­re Aus­bil­dung ge­mein­sam ab­ge­schlos­sen ha­ben, tei­len sich zu­sam­men ein Ate­lier. Al­le vier Fo­to­graf:in­nen ha­ben ei­ne ei­ge­ne Hand­schrift. Und sie ha­ben sich al­le spe­zia­li­siert auf be­stimm­te Spar­ten wie Por­traits (al­le), Re­por­ta­gen (Stein­gru­ber, Spi­rig, Vöh­rin­ger) oder Ar­chi­tek­tur (Bi­schof). Viel wich­ti­ger aber sei die Spe­zia­li­sie­rung auf ei­ne ei­ge­ne Hand­schrift, be­to­nen Bi­schof und Stein­gru­ber. Da­durch ha­be die ei­ge­ne Ar­beit ei­ne an­de­re Qua­li­tät. Und ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal.

Noch fin­de in der Ost­schweiz we­ni­ger Spe­zia­li­sie­rung statt als in an­de­ren Städ­ten, sagt La­di­na Bi­schof. Viel­leicht hat ge­ra­de des­halb der Um­stand, dass Bi­schof, Stein­gru­ber, Spi­rig und Vöh­rin­ger sich ei­ne kla­re, ei­ge­ne Hand­schrift an­ge­eig­net ha­ben, zu ih­rer Be­kannt­heit in der Re­gi­on ge­führt. Auf­trä­ge wei­ter­zu­ge­ben füh­re letzt­lich da­zu, dass das Netz­werk und da­mit die Bran­che ge­stärkt wer­de, fügt Bi­schof an: «Wir kön­nen bei­de ein Haus fo­to­gra­fie­ren, aber ich kann es nicht so fo­to­gra­fie­ren wie Ueli.»

Über­flies­sen­des Ma­te­ri­al als Ant­wort auf ma­te­ri­el­len Über­fluss

Auf Ju­ri Roem­mels Pult liegt ei­ne vier­ecki­ge Scha­le, die aus­sieht wie ein auf­ge­fal­te­tes Blatt Pa­pier. Und im Grun­de ist sie nichts an­de­res: hauch­dün­nes, ge­schich­te­tes und mit Uru­shi-Lack be­han­del­tes Ja­pan-pa­pier. Die re­du­zier­te For­men­spra­che und ein gros­ses In­ter­es­se an ver­schie­de­nen Ma­te­ria­li­en und de­ren Ei­gen­schaf­ten zeich­nen Roem­mels Ar­beit aus.

Der St.Gal­ler In­dus­trie­de­si­gner mit Jahr­gang 1993 hat sich vor we­ni­gen Jah­ren selb­stän­dig ge­macht. Ge­lernt hat er ur­sprüng­lich Gra­fi­ker, schrieb sich aber bald an der ECAL ein. Für das Waadt­land und ge­gen die ZHdK ent­schied er sich we­gen der Fremd­spra­che. Und weil ihm der Lehr­gang in Zü­rich zu tech­nisch aus­ge­rich­tet er­schien, kurz ge­sagt: «Mehr Pro­the­se statt So­fa.»

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Für das re­nom­mier­te deut­sche Mö­bel­bau­un­ter­neh­men Tec­ta hat Roem­mel den «Re­ver­sal Chair» ent­wor­fen, ei­nen Frei­schwin­ger­stuhl mit klapp­ba­rem Rü­cken­teil, der sich über ei­nen ein­fa­chen Me­cha­nis­mus zum Knie­stuhl um­funk­tio­nie­ren lässt. In der knien­den Po­si­ti­on zir­ku­liert das Blut bes­ser und be­fin­det sich der Ober­kör­per in auf­rech­ter Hal­tung, was das At­men er­leich­tert.

Ge­mein­sam mit Ra­mo­na Gschwend ar­bei­tet er ak­tu­ell an Ri­ten – ei­ner Mar­ke und Platt­form für Pro­duk­te im Be­reich Me­di­ta­ti­on, Ge­sund­heit und per­sön­li­che Ri­tua­le in Wohn- und Ge­mein­schafts­räu­men. Ei­ne ers­te Idee ist ei­ne por­ta­ble Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ei­ner ku­gel­run­den Salz­stein­lam­pe, die ein war­mes, ge­dämpf­tes Licht ab­gibt. Ri­ten po­si­tio­niert sich da­mit an der Schnitt­stel­le von De­sign, Acht­sam­keit und ge­leb­ter Pra­xis. Im­mer auch mit der Fra­ge im Hin­ter­kopf, was gu­tes De­sign in Zei­ten ma­te­ri­el­len Über­flus­ses über­haupt noch leis­ten kann und soll, Stich­wort: Nach­hal­tig­keit.

In sei­ner Stu­di­en­zeit und auch da­nach hat Ju­ri Roem­mel viel Zeit im Ma­te­ri­al­ar­chiv des Sit­ter­werks ver­bracht. Dort kam ihm die Idee, die schirm­lings­för­mi­gen Alu­mi­ni­um­stü­cke, die beim so­ge­nann­ten Sand­guss­ver­fah­ren als Über­lauf je­weils üb­rig­blei­ben, nicht wie­der ein­zu­schmel­zen, son­dern dar­aus Wand­ha­ken zu pro­du­zie­ren.Roem­mels Ar­beit ist nicht rein kom­mer­zi­ell aus­ge­rich­tet, son­dern be­wegt sich ir­gend­wo zwi­schen In­dus­tri­al De­sign und an­ge­wand­ter Kunst, mal mehr mit der Op­ti­on für ma­schi­nel­le Se­ri­en­pro­duk­ti­on, mal mehr mit kunst­hand­werk­li­chem Fo­kus auf Ein­zel­stück­fer­ti­gung. So ent­steht ak­tu­ell et­wa ein neu­es Dreh­re­gal fürs Ki­nok, des­sen Tab­lar die Form von Film­rol­len hat. Und für die gross­an­ge­leg­te Aus­stel­lung «Home Sweet Home» im MAD in Brüs­sel – ku­ra­tiert von der Zür­cher In­nen­ein­rich­te­rin und De­sign-Ex­per­tin Con­nie Hüs­ser – pro­du­ziert er, wie­der­um mit Rest­ma­te­ri­al aus Gross­güs­sen aus dem Sit­ter­werk, me­tal­le­ne Äs­te, die kom­bi­niert ein Vo­gel­nest er­ge­ben. Für Roem­mel ist die­ser Auf­tritt ei­ne gros­se Eh­re, kann er sich doch mit sei­nem Bei­trag ne­ben ei­ni­gen gros­sen Na­men der in­ter­na­tio­na­len Sze­ne wie Max Lamb, Mull­er Van Se­ve­ren oder Soft Ba­ro­que ein­rei­hen.

Tex­til­ge­schich­te als Tür­öff­ner

Es surrt und summt und rat­tert an der Ku­gel­gas­se 19 im zwei­ten Stock. An den Wän­den hän­gen Män­tel, Ju­pes oder ak­tu­ell das Kleid ei­ner Non­ne. Zwi­schen Bü­gel­bret­tern, Näh­ma­schi­nen, Fa­den­spu­len und Stof­fen sit­zen em­sig ar­bei­ten­de jun­ge Men­schen. Sie ab­sol­vie­ren die drei­jäh­ri­ge Leh­re im Ate­lier Cou­ture, ei­nem Lehr­be­trieb für Be­klei­dungs­ge­stal­ter:in­nen – mo­der­ne Schnei­der:in­nen und an­ge­hen­de -Mo­de­de­si­gner:in­nen.

(Bilder: Andri Vöhringer)

(Bilder: Andri Vöhringer)

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Das Cou­ture-Lehr­ate­lier ist bei Ler­nen­den ge­fragt. In die­sem Jahr ha­be man so­gar Res­sour­cen auf­ge­stockt, um mehr Stel­len an­bie­ten zu kön­nen, er­zählt Mar­ti­na Lips-Wie­demann, Lei­te­rin des Lehr­be­triebs. Am Er­be der Sti­cke­rei­zeit und der Stadt als Hot­spot für Tex­ti­li­en lie­ge das al­ler­dings nicht, sagt sie. «Der gu­te Ruf kommt uns aber in­so­fern zu­gu­te, als dass wir im­mer wie­der Stof­fe oder Auf­trä­ge von Un­ter­neh­men wie St.Gal­len-Bo­den­see-Tou­ris­mus, Tex­til­land Ost­schweiz oder klei­ne­ren Bou­ti­quen und Ate­liers er­hal­ten. Man ist uns sehr wohl­ge­son­nen.»

Denn als rei­ner Lehr­be­trieb, der an die Schu­le für Ge­stal­tung und die Stadt an­ge­glie­dert ist, funk­tio­niert das Ate­lier nicht wie ein ge­wöhn­li­cher Be­trieb. Zwar wer­den Auf­trä­ge di­ver­ser Kund:in­nen ent­ge­gen­ge­nom­men und ver­rech­net, doch der Um­satz fliesst di­rekt in die Aus­bil­dung, die Ler­nen­den er­hal­ten kei­nen Lohn. Da­für kön­nen sie Prak­ti­ka bei be­kann­ten Fir­men in der Re­gi­on ab­sol­vie­ren, ha­ben acht Wo­chen Fe­ri­en und rei­sen ein­mal im Jahr ge­mein­sam mit dem Ate­lier an gros­se Mo­de­schau­en oder wich­ti­ge Aus­stel­lun­gen. Das Ziel der meis­ten Ler­nen­den sei es, ein­mal in der Mo­de­bran­che krea­tiv wir­ken zu kön­nen, weiss Lips-Wie­demann.

Die Be­triebs­lei­te­rin hat selbst lan­ge bei Akris ge­ar­bei­tet. Heu­te bringt sie den rund zwölf Aus­zu­bil­den­den Schritt für Schritt das Hand­werk bei. An­hand von 300 bis 400 Auf­trä­gen im Jahr ler­nen sie neue Tech­ni­ken oder fei­len an be­reits Be­kann­tem: Ho­sen wer­den ge­kürzt, Lö­cher ge­flickt, Blu­sen um­ge­näht oder gan­ze Klei­dungs­stü­cke wie Män­tel oder Klei­der mass­an­ge­fer­tigt. Ge­ra­de muss­ten die in die Jah­re ge­kom­me­nen Klei­der von Non­nen aus dem na­he­ge­le­ge­nen Klos­ter er­neu­ert wer­den. Heisst: neue, iden­ti­sche Stof­fe be­stel­len, Schnitt­mus­ter ent­wer­fen und neue Klei­der in vier­fa­cher Aus­füh­rung nä­hen. Meist kom­men die Kund:in­nen aus der Re­gi­on, sel­ten aus Bern oder Zü­rich. Fehlt es an Auf­trä­gen, an­hand de­rer die Ler­nen­den sich ei­ne be­stimm­te Tech­nik an­eig­nen kön­nen, er­hält Lips-Wie­demann wei­ter­ge­ge­be­ne Auf­trä­ge von an­de­ren Ate­liers oder sie lässt die Aus­zu­bil­den­den selbst Klei­dung ent­wer­fen und nä­hen. Die Ei­gen­krea­tio­nen wer­den dann je­weils im Herbst an ei­nem Mo­de-Event ver­kauft.

Na­tür­lich sei die Wert­schät­zung für Tex­til­wa­re nicht mehr das, was sie – ge­ra­de in der Re­gi­on – frü­her ein­mal war, gibt die Be­triebs­lei­te­rin zu be­den­ken. Stich­wort «Fast Fa­shion» oder «ma­de in Ban­gla­desh». Doch die Kli­ma­dis­kus­si­on wir­ke sich po­si­tiv auf die Bran­che aus – «Up­cy­cling ist im Trend». Vie­le Ju­gend­li­che in­ter­es­sie­ren sich da­für, wie man al­te Klei­dung auf­wer­te. «Und sie möch­ten wie­der mit den Hän­den ar­bei­ten, jetzt, wo vie­les nur noch auf dem Bild­schirm ge­schieht.» Na­tür­lich träumt im Cou­ture-Lehr­ate­lier auch ab und zu je­mand von Ruhm und den gros­sen Lauf­ste­gen. Laut Mar­ti­na Lips-Wie­demann ein Kno­chen­job. Und doch ha­be es so man­che Ab­gän­ger:in aus der ehe­ma­li­gen Sti­cke­rei­me­tro­po­le bis nach Pa­ris oder Mai­land ge­schafft.

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Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
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Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
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«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
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Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
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Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
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Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
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Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
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«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
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«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
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Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
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Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
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Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying