St.Gallen baut Schriften, fotografiert, näht und gestaltet
In Sachen Design hat St.Gallen eine starke Geschichte. Doch auch in der Gegenwart entsteht einiges – zum Teil aber im Verborgenen. Saiten hat einzelne Studios besucht und sich zeigen lassen, was hinter den hiesigen Türen geschaffen wird.
Die Bilder wurden von den jeweiligenDesigner:innen zur Verfügung gestellt. (Bild: LUSA)
Rund 5700 Vollzeitstellen bietet die sogenannte Kreativ-wirtschaft in St.Gallen, das sind rund neun Prozent aller städtischen Arbeitsplätze – Tendenz steigend. Diese zu fördern, ist das dezidierte Ziel der St.Galler Design Week, die heuer zum zweiten Mal stattfindet. Und auch der Stadtrat hat das Potenzial der Kreativwirtschaft erkannt und verkündete im November letzten Jahres, diese künftig aktiv fördern zu wollen.
Gemäss den Organisator:innen der Design Week kommen die vielversprechenden Zahlen nicht von ungefähr. So locken die tiefen Mieten zahlreiche Kreative in die Stadt, deren überschaubare Grösse das Netzwerk stärkt. Ausserdem verdankt die Stadt ihrer Geschichte einen sehr guten Ruf in Sachen Design (siehe Interview).
So war die Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit führend im Handel mit Stickereiware. Und noch heute ist das Ostschweizer Handwerk international beliebt. Michelle Obama trug bei der Amtseinführung ihres Mannes Stickerei der St.Galler Firma Forster Rohner. Neben besagtem Unternehmen erlangte auch die Mode aus dem Hause Akris bereits im Zuge der Stickereiblüte internationale Bekanntheit – und St.Gallen bis heute eine weitere wirtschaftliche Grösse. Auch mit Christa Bösch und Cosima Gadient ist die Region aktuell auf dem Weltmarkt vertreten. Aufgewachsen im Toggenburg und dem -Appenzellerland, gründeten die beiden Modedesignerinnen vor einigen Jahren das Label Ottolinger. Ihre Kollektionen waren seither auf Runways in New York, Paris oder London zu sehen.
Den guten Ruf hat St.Gallen aber nicht nur der Stickerei zu verdanken, sondern auch der Grafik. Denn der Buchgestalter und Typograph Jost Hochuli hat seit den 1960er-Jahren einen neuen Stil geprägt und St.Gallen wieder zur Bücherstadt gemacht. Bis heute gehört seine Arbeit zum Schulstoff aller Grafiker:innen. Mit Sicherheit ist er auch den beiden Grafikstudios Bänziger-Hug und Kasper-Florio ein Begriff. Die beiden Duos haben unter anderem gemeinsam das Design der Architekturbiennale gestaltet. Aufgrund solcher Erfolge hat sich in der Szene bereits längst der Begriff «St.Galler Schule» durchgesetzt. Dazu könnte man auch Produkte-Designer:innen zählen. Veit Rausch zum Beispiel. Seine Stühle schmückten David Lynchs Filmsets. Oder Gallus Zwicker, dessen Lichtkonzepte bereits mehrfach international ausgezeichnet wurden.
So viel zur Geschichte. Neben diesen -bekannten Erzählungen entstehen neue in der Gegenwart. Mit mindestens so viel Potenzial. Aktuell leben und arbeiten in St.Gallen zahlreiche Grafiker:innen, -Illustrator:innen, Filmschaffende, Fotograf:innen, Produkte- und Modedesigner:innen, deren Schaffen weniger berühmt ist, vielleicht öfter im Verborgenen geschieht als im Rampenlicht und dennoch auffällt. An der Design Night öffnen sie die Türen zu ihren Ateliers und präsentieren sich und ihre Arbeiten. Saiten hat ein paar von ihnen besucht.
Serife, Punze, Kerning, Hinting. Bahnhof? Die Begriffswelt der Schriftgestaltung (neudeutsch: Type Design) ist so eigen wie die Szene selbst. Ein A bleibt immer ein A, ein Ω immer ein Ω. Buchstaben und Ziffern sollten, je nach Anwendungszweck, immer als solche erkennbar bleiben. Das alphabetische System steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen sich Schriftgestalter:innen frei entfalten können – und mitunter eine feurige Leidenschaft entwickeln.
Diese spürt man auch im Gespräch mit zwei Vertretern des Fachs: dem in Porto lebenden St.Galler Fabian Harb (1988) und dem Coburger Nicolas Bernklau (1994), der seine Wahlheimat in St.Gallen gefunden hat und heute nebenamtlich an der Schule für Gestaltung unterrichtet. Harb studierte in Basel visuelle Kommunikation und lebte und arbeitete später unter anderem in Amsterdam und Berlin. Bernklau studierte Grafikdesign in Ravensburg und Type Design an der École cantonale d’art de Lausanne (ECAL).
Was ist eine gute Schrift? Harb hält wenig von solchen Bewertungen. Jeder Font könne gut sein, solange man keine Ideen klaue. Am richtigen Ort eingesetzt, könne sogar Comic Sans, die wohl meistbelächelte Schriftart, «gut» sein. «Die Zeit der glatten Schriften» sei vorbei, Arial-Revival hin oder her, sagt Bernklau. Es brauche da und dort kleine Reibungsflächen. Wie leserlich eine Schrift sein soll, hänge vom Anwendungszweck ab. Ziert eine Schriftart nur den Titel auf einem Plattencover oder ein Plakat oder muss mit ihr ein ganzer Roman gelesen werden können?
Wer sich in der Schweiz und darüber hinaus mit Buchgestaltung und Typografie befasst, kommt kaum an der St.Galler Koryphäe Jost Hochuli (1933) vorbei. Wird sein von Nüchternheit, Klarheit und Funktionalität geprägter Stil in der jüngeren St.Galler Szene teils als dogmatisch empfunden, haben Harb und Bernklau einen entspannteren Zugang zum Grossmeister, vielleicht auch, weil sie nie in der Gallenstadt zur Schule gingen. In der Lausanner Bubble sei sehr oft über Hochuli und die St.Galler Szene gesprochen worden, erzählt Bernklau. Und Harb berichtet, er sei immer ein bisschen stolz gewesen, wenn man sich an der Basler Fachhochschule eingehend mit Hochulis Büchern beschäftigte.
Ihren Lebensunterhalt bestreiten Harb wie Bernklau heute grossmehrheitlich mit Schriftgestaltung. Beide haben schon ein paar fette Aufträge an Land ziehen können. So hat Fabian Harb mit der Firma Dinamo, die er zusammen mit Johannes Breyer gegründet hat, zum Beispiel für die Kunsthalle Zürich oder Warp Records aus England gearbeitet und unlängst sogar die neue Hausschrift für Spotify gestaltet – bislang bei weitem ihr umfangreichstes Projekt.
Und Nico Bernklaus Schriftart Resial hat es unter anderem in eine Sonderausgabe der «New York Times» und an eine Ausstellung von Herzog & de Meuron in London geschafft. Ausserdem hat er mit BBC, BWGTBLD, Pro Helvetia oder einige Male mit Electro-Musiker Paul Kalkbrenner zusammengearbeitet. Und mittlerweile ist er «Type Director» des renommierten Designers Brian Roettinger aus Los Angeles, der unter anderem schon mit Jay-Z, Lady Gaga oder den Red Hot Chili Peppers zusammengearbeitet hat.
Beide sind sich einig, dass die bestbezahlten Aufträge nicht immer die befriedigendsten sind. Gerade in der Tech-Branche, wo spezielle Schriften gefragt sind, muss es heute schnell gehen, die Zeitfenster für den kreativen Prozess würden immer kleiner, dafür sei der administrative Aufwand enorm. Am meisten Leidenschaft stecken sie in längerfristige Projekte, an denen sie – zunächst oft nur für sich selber – jahrelang herumtüfteln können.
LUSA steht für die Vornamen von vier Fotograf:innen. Ladina Bischof, Ueli Steingruber, Sara Spirig und Andri Vöhringer haben im Mai vor einem Jahr ein erstes Zine als Kollektiv herausgegeben. Es ist das Resultat ihres Zusammenschlusses, dem gemeinsamen Besprechen, Jonglieren und Schmieden von Ideen. Eine Sammlung von Archivbildern, die im besten Fall «in Erinnerung bleiben» oder «im Bauch landen» – denn das macht laut Steingruber und Bischof gute Bilder aus.
«Der Austausch im Kollektiv ist für uns wichtig, um die Freude an der Fotografie nicht zu verlieren, ihr hin und wieder Leben einzuhauchen und ihre Flammen zu entfachen, wenn es sich bei der Arbeit einmal eher um Pflichtaufgaben handelt», erklärt Ladina Bischof. Mit dem Zine hätten freie Arbeiten Raum bekommen. Gleichzeitig ermögliche das Kollektiv dahinter, dass man einander begleite und gemeinsam über Bilder und Prozesse spreche. Vor allem aber könne man sich als Kollektiv gegenseitig den Rücken stärken – «eine Ausstellung als Einzelperson fühlt sich für leise Leute, wie wir es sind, zu exponiert an».
Bischof und Steingruber leben von der Fotografie – ein Berufsstand, der es seit der Digitalisierung schwer hat. Zum einen, weil diese das Handwerk vereinfacht hat – und damit den Zugang zum Beruf –, und zum anderen, weil sich dadurch auch die Anspruchshaltung an das Endergebnis verändert hat und die Bereitschaft, dafür zu bezahlen, zu grossen Teilen gesunken ist. Das Verständnis kehre aber wieder zurück, ist Bischof überzeugt. Doch wie, wo so viel konstruiertes, manipuliertes und schnelllebiges Bildmaterial die Mattscheiben dieser Welt flutet? «Die ungekünstelte, dokumentarische Ausdrucksweise in der Fotografie hat aktuell viel Potenzial», antwortet Bischof. «Im Generischen gibt es keine Echtheit, kein Eintauchen.» Für diese Unterscheidung brauche es jedoch Kompetenzen, fügt Steingruber an: «Uns geht es in unserer Arbeit aber eben auch mit LUSA um die Sensibilisierung der Menschen für die Arbeit, die noch immer hinter der Fotografie steckt, die Zeit, die es braucht, damit ein Bild gut wird und damit eben auch um Wertschätzung.»
Der zweite Teil von LUSA, Vöhringer und Spirig, die ihre Ausbildung gemeinsam abgeschlossen haben, teilen sich zusammen ein Atelier. Alle vier Fotograf:innen haben eine eigene Handschrift. Und sie haben sich alle spezialisiert auf bestimmte Sparten wie Portraits (alle), Reportagen (Steingruber, Spirig, Vöhringer) oder Architektur (Bischof). Viel wichtiger aber sei die Spezialisierung auf eine eigene Handschrift, betonen Bischof und Steingruber. Dadurch habe die eigene Arbeit eine andere Qualität. Und ein Alleinstellungsmerkmal.
Noch finde in der Ostschweiz weniger Spezialisierung statt als in anderen Städten, sagt Ladina Bischof. Vielleicht hat gerade deshalb der Umstand, dass Bischof, Steingruber, Spirig und Vöhringer sich eine klare, eigene Handschrift angeeignet haben, zu ihrer Bekanntheit in der Region geführt. Aufträge weiterzugeben führe letztlich dazu, dass das Netzwerk und damit die Branche gestärkt werde, fügt Bischof an: «Wir können beide ein Haus fotografieren, aber ich kann es nicht so fotografieren wie Ueli.»
Überfliessendes Material als Antwort auf materiellen Überfluss
Auf Juri Roemmels Pult liegt eine viereckige Schale, die aussieht wie ein aufgefaltetes Blatt Papier. Und im Grunde ist sie nichts anderes: hauchdünnes, geschichtetes und mit Urushi-Lack behandeltes Japan-papier. Die reduzierte Formensprache und ein grosses Interesse an verschiedenen Materialien und deren Eigenschaften zeichnen Roemmels Arbeit aus.
Der St.Galler Industriedesigner mit Jahrgang 1993 hat sich vor wenigen Jahren selbständig gemacht. Gelernt hat er ursprünglich Grafiker, schrieb sich aber bald an der ECAL ein. Für das Waadtland und gegen die ZHdK entschied er sich wegen der Fremdsprache. Und weil ihm der Lehrgang in Zürich zu technisch ausgerichtet erschien, kurz gesagt: «Mehr Prothese statt Sofa.»
Für das renommierte deutsche Möbelbauunternehmen Tecta hat Roemmel den «Reversal Chair» entworfen, einen Freischwingerstuhl mit klappbarem Rückenteil, der sich über einen einfachen Mechanismus zum Kniestuhl umfunktionieren lässt. In der knienden Position zirkuliert das Blut besser und befindet sich der Oberkörper in aufrechter Haltung, was das Atmen erleichtert.
Gemeinsam mit Ramona Gschwend arbeitet er aktuell an Riten – einer Marke und Plattform für Produkte im Bereich Meditation, Gesundheit und persönliche Rituale in Wohn- und Gemeinschaftsräumen. Eine erste Idee ist eine portable Neuinterpretation einer kugelrunden Salzsteinlampe, die ein warmes, gedämpftes Licht abgibt. Riten positioniert sich damit an der Schnittstelle von Design, Achtsamkeit und gelebter Praxis. Immer auch mit der Frage im Hinterkopf, was gutes Design in Zeiten materiellen Überflusses überhaupt noch leisten kann und soll, Stichwort: Nachhaltigkeit.
In seiner Studienzeit und auch danach hat Juri Roemmel viel Zeit im Materialarchiv des Sitterwerks verbracht. Dort kam ihm die Idee, die schirmlingsförmigen Aluminiumstücke, die beim sogenannten Sandgussverfahren als Überlauf jeweils übrigbleiben, nicht wieder einzuschmelzen, sondern daraus Wandhaken zu produzieren.Roemmels Arbeit ist nicht rein kommerziell ausgerichtet, sondern bewegt sich irgendwo zwischen Industrial Design und angewandter Kunst, mal mehr mit der Option für maschinelle Serienproduktion, mal mehr mit kunsthandwerklichem Fokus auf Einzelstückfertigung. So entsteht aktuell etwa ein neues Drehregal fürs Kinok, dessen Tablar die Form von Filmrollen hat. Und für die grossangelegte Ausstellung «Home Sweet Home» im MAD in Brüssel – kuratiert von der Zürcher Inneneinrichterin und Design-Expertin Connie Hüsser – produziert er, wiederum mit Restmaterial aus Grossgüssen aus dem Sitterwerk, metallene Äste, die kombiniert ein Vogelnest ergeben. Für Roemmel ist dieser Auftritt eine grosse Ehre, kann er sich doch mit seinem Beitrag neben einigen grossen Namen der internationalen Szene wie Max Lamb, Muller Van Severen oder Soft Baroque einreihen.
Es surrt und summt und rattert an der Kugelgasse 19 im zweiten Stock. An den Wänden hängen Mäntel, Jupes oder aktuell das Kleid einer Nonne. Zwischen Bügelbrettern, Nähmaschinen, Fadenspulen und Stoffen sitzen emsig arbeitende junge Menschen. Sie absolvieren die dreijährige Lehre im Atelier Couture, einem Lehrbetrieb für Bekleidungsgestalter:innen – moderne Schneider:innen und angehende -Modedesigner:innen.
(Bilder: Andri Vöhringer)
Das Couture-Lehratelier ist bei Lernenden gefragt. In diesem Jahr habe man sogar Ressourcen aufgestockt, um mehr Stellen anbieten zu können, erzählt Martina Lips-Wiedemann, Leiterin des Lehrbetriebs. Am Erbe der Stickereizeit und der Stadt als Hotspot für Textilien liege das allerdings nicht, sagt sie. «Der gute Ruf kommt uns aber insofern zugute, als dass wir immer wieder Stoffe oder Aufträge von Unternehmen wie St.Gallen-Bodensee-Tourismus, Textilland Ostschweiz oder kleineren Boutiquen und Ateliers erhalten. Man ist uns sehr wohlgesonnen.»
Denn als reiner Lehrbetrieb, der an die Schule für Gestaltung und die Stadt angegliedert ist, funktioniert das Atelier nicht wie ein gewöhnlicher Betrieb. Zwar werden Aufträge diverser Kund:innen entgegengenommen und verrechnet, doch der Umsatz fliesst direkt in die Ausbildung, die Lernenden erhalten keinen Lohn. Dafür können sie Praktika bei bekannten Firmen in der Region absolvieren, haben acht Wochen Ferien und reisen einmal im Jahr gemeinsam mit dem Atelier an grosse Modeschauen oder wichtige Ausstellungen. Das Ziel der meisten Lernenden sei es, einmal in der Modebranche kreativ wirken zu können, weiss Lips-Wiedemann.
Die Betriebsleiterin hat selbst lange bei Akris gearbeitet. Heute bringt sie den rund zwölf Auszubildenden Schritt für Schritt das Handwerk bei. Anhand von 300 bis 400 Aufträgen im Jahr lernen sie neue Techniken oder feilen an bereits Bekanntem: Hosen werden gekürzt, Löcher geflickt, Blusen umgenäht oder ganze Kleidungsstücke wie Mäntel oder Kleider massangefertigt. Gerade mussten die in die Jahre gekommenen Kleider von Nonnen aus dem nahegelegenen Kloster erneuert werden. Heisst: neue, identische Stoffe bestellen, Schnittmuster entwerfen und neue Kleider in vierfacher Ausführung nähen. Meist kommen die Kund:innen aus der Region, selten aus Bern oder Zürich. Fehlt es an Aufträgen, anhand derer die Lernenden sich eine bestimmte Technik aneignen können, erhält Lips-Wiedemann weitergegebene Aufträge von anderen Ateliers oder sie lässt die Auszubildenden selbst Kleidung entwerfen und nähen. Die Eigenkreationen werden dann jeweils im Herbst an einem Mode-Event verkauft.
Natürlich sei die Wertschätzung für Textilware nicht mehr das, was sie – gerade in der Region – früher einmal war, gibt die Betriebsleiterin zu bedenken. Stichwort «Fast Fashion» oder «made in Bangladesh». Doch die Klimadiskussion wirke sich positiv auf die Branche aus – «Upcycling ist im Trend». Viele Jugendliche interessieren sich dafür, wie man alte Kleidung aufwerte. «Und sie möchten wieder mit den Händen arbeiten, jetzt, wo vieles nur noch auf dem Bildschirm geschieht.» Natürlich träumt im Couture-Lehratelier auch ab und zu jemand von Ruhm und den grossen Laufstegen. Laut Martina Lips-Wiedemann ein Knochenjob. Und doch habe es so manche Abgänger:in aus der ehemaligen Stickereimetropole bis nach Paris oder Mailand geschafft.
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