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Design aus der Männerbastion

Anna Zimmermann hat das Schweissen für FLINTA*-Personen geöffnet und vereint in ihrer Arbeit Design, Kunst und Handwerk. Die in der Stadt St.Gallen aufgewachsene Designerin lebt heute in Wien. An der Design Week stellt sie unvollkommene Gefässe aus.

Die Bilder zu diesem Beitrag hat Anna Zimmermann zur Verfügung gestellt.

Die Bilder zu diesem Beitrag hat Anna Zimmermann zur Verfügung gestellt.

Mit ih­rem 2024 im Rah­men ih­res Mas­ter­stu­di­ums in Lon­don ge­grün­de­ten «The Fe­mi­nist Wel­ding Club» hat De­si­gne­rin und Künst­le­rin An­na Zim­mer­mann nicht nur den mit 25’000 Fran­ken do­tier­ten Swiss De­sign Award 2025 ge­won­nen, sie hat auch ei­nen Nerv der Zeit ge­trof­fen: Der Klub bringt Frau­en, gen­der­quee­ren Men­schen und Trans­per­so­nen das Schweis­sen bei. Zim­mer­mann ver­mit­telt da­bei tech­ni­sche Grund­la­gen und regt da­zu an, die­se krea­tiv um­zu­set­zen – zum Leid­we­sen man­cher Män­ner, die dies mit Hass­kom­men­ta­ren im In­ter­net quit­tie­ren.

«Die Nach­fra­ge ist gross und die Ses­si­ons schnell aus­ge­bucht», sagt die 31-Jäh­ri­ge. Sie schafft so ei­nen Raum für Frau­en in ei­nem Be­reich, der män­ner­do­mi­niert ist. «Und ei­nen Safe Space, wo man sich nichts be­wei­sen und nicht stark sein muss.» Ei­nen Ort, den sie sich selbst ge­wünscht hät­te. «Ma­te­ria­li­en, ins­be­son­de­re Me­tall, ha­ben mich im­mer fas­zi­niert, doch es war für mich schwie­rig, Zu­gang zu fin­den, da Män­ner in der Werk­statt nicht für ein Kli­ma sor­gen, in dem sich Neu­lin­ge wohl und si­cher füh­len.» Die ein­zi­gen Frau­en, die es in die Werk­stät­ten schaff­ten, sei­en Pin-up-Girls in Nackt­ka­len­dern.

Se­xis­mus und ab­wer­ten­de Kom­men­ta­re

Be­reits an der Uni­ver­si­tät hät­ten aus­schliess­lich Män­ner die Werk­stät­ten ge­lei­tet und nur Mit­stu­den­ten hät­ten sich dar­in auf­ge­hal­ten, sagt Zim­mer­mann. Ein nie­der­schwel­li­ger Zu­gang ha­be ge­fehlt, man muss­te qua­si Teil ei­nes Klubs sein, um auf­ge­nom­men zu wer­den. «Ich ha­be mich nie wohl­ge­fühlt und an­ge­nom­men, ich sei ein Angst­ha­se.»

Auch Se­xis­mus und ab­wer­ten­de Kom­men­ta­re er­lebt Zim­mer­mann bei ih­ren Ver­su­chen, die Schweiss­bas­ti­on zu er­obern. «Wäh­rend mei­nes Mas­ters am Roy­al Col­lege of Arts in Lon­don setz­te ich mir das Ziel, mir das Hand­werk end­lich bei­zu­brin­gen.» Die fünf Män­ner in der Werk­statt hät­ten bei Zim­mer­manns Ein­tre­ten Steaks im Sand­wich­toas­ter gril­liert und ihr ent­geis­tert ent­geg­net, dass Schweis­sen viel zu ge­fähr­lich sei, um es ein­fach schnell aus­zu­pro­bie­ren. Doch sie blieb stur und setz­te sich durch. «An­fangs hat es mich über­for­dert, doch ich ging je­den Tag hin, wur­de bes­ser und selbst­be­wuss­ter und merk­te, dass Schweis­sen viel Fein­ge­fühl und Sen­si­bi­li­tät er­for­dert.»

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Auf­ge­wach­sen ist die Künst­le­rin in St.Gal­len, wo sie sich aus­pro­bie­ren konn­te – et­wa beim Auf­bau des Kunst­ki­osks – und vom städ­ti­schen Kul­tur- und Aus­ge­h­an­ge­bot pro­fi­tier­te. Sie ha­be aber im­mer ge­wusst, dass es sie ei­nes Ta­ges fort­zie­hen wer­de: «Mir war es hier im­mer ein biss­chen zu eng und als halb Deut­sche, halb Schwei­ze­rin fühl­te ich mich so­wie­so nie ganz da­heim», sagt Zim­mer­mann. Nach der Kan­ti und dem Vor­kurs ent­deck­te sie die De­sign Aca­de­my Eind­ho­ven, wo man sich nicht auf ein Ge­biet fo­kus­sie­ren muss, was zu ih­rer ho­lis­ti­schen Ar­beits­wei­se und ih­rem Drang, viel aus­zu­pro­bie­ren, passt.

Nach dem Stu­di­um zog es sie nach Wien, wo sie die Viel­falt an Hand­werks­be­trie­ben schätzt. «Was in vie­len Me­tro­po­len in die In­dus­trie­quar­tie­re ver­schwun­den ist, exis­tiert in Wien in der In­nen­stadt: Hier gibt es Me­tall­guss­be­trie­be, Schlos­se­rei­en oder Speng­ler, wo man ein­fach hin­ein­spa­zie­ren kann.» Bei ih­ren ers­ten Be­su­chen sei­en die Hand­wer­ker erst un­freund­lich ge­we­sen. «Er­langt man ihr Ver­trau­en, ent­ste­hen dar­aus lang­jäh­ri­ge Freund­schaf­ten.»

Lam­pen und Guss­näh­te

Der­zeit ar­bei­tet An­na Zim­mer­mann an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten. Ei­nes da­von ist ein Re­cher­che­pro­jekt für ei­ne Lam­pen­kol­lek­ti­on, bei der sie Glas in Me­tall­blech schmilzt. Aus­ser­dem ent­wirft sie Lam­pen und Kü­chen­ob­jek­te für ko­rea­ni­sche Un­ter­neh­men. Auch mit ih­rem «Fe­mi­nist Wel­ding Club» ist sie un­ter­wegs und gas­tiert in Ma­drid, Köln, Zü­rich und Ber­lin. «Frü­her ha­be ich oft in Teil­zeit­jobs ge­ar­bei­tet, aber ge­merkt, dass das En­er­gie frisst – lie­ber hal­te ich mei­ne Le­bens­kos­ten tief und in­ves­tie­re in mei­ne Pro­jek­te.» Auch das Preis­geld des Swiss De­sign Awards er­mög­li­che ihr die­se Prio­ri­sie­rung. «Ei­ner­seits pro­fi­tie­re ich vom Preis­geld, an­de­rer­seits ist es auch ei­ne enor­me Wert­schät­zung, die man als Kunst­schaf­fen­de er­hält.» In Ös­ter­reich müs­se man ei­nen ho­hen Be­trag zah­len, um sich über­haupt um ei­nen De­sign­preis zu be­wer­ben.

In der Aus­stel­lung «Un­lo­cal» an der De­sign Week stellt die Künst­le­rin ih­re «Ves­sels of Im­per­fec­tion» aus: Beim Alu­mi­ni­um­guss ent­ste­hen Näh­te und Spu­ren, die üb­li­cher­wei­se ent­fernt wer­den, um ein per­fek­tes Er­geb­nis zu er­zie­len. «Ich ha­be mich be­wusst da­für ent­schie­den, die­se sicht­bar zu las­sen und ins Zen­trum der Auf­merk­sam­keit zu rü­cken, weil für mich un­voll­kom­me­ne Ob­jek­te oft fas­zi­nie­ren­der sind, da sie den Her­stel­lungs­pro­zess sicht­bar ma­chen und ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len.»

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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