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Saiten im September: 986.–

Nein, so viel kostet nicht dieses Bänklein auf dem Bild oben. Sondern das Leben auf dem Existenzminimum. Ausserdem im Septemberheft: Griechenland. Afrika. Menschenrechte.
Von  Redaktion Saiten

Kann man ein «guter Schweizer» sein, wenn man von Sozialhilfe lebt? Ja, man kann. Das fanden im Jahr 2014 56 Prozent der Befragten in einer Umfrage von Point de Suisse*. Ein «guter Schweizer» kann auch sein, wer eingebürgert ist, finden 79,9 Prozent. Aber nicht, wer niemals abstimmen geht, sagen 64 Prozent. Abgesehen davon, dass die Frage schlecht gestellt ist – was heisst «gut» in diesem Zusammenhang? und wo bleiben die Schweizerinnen? –, lässt uns die Antwort ratlos. Ist das ein gutes Resultat? Oder ein übles, wenn knapp die Hälfte findet: Sozialhilfe zu beziehen ist unschweizerisch?

Ist das Resultat so herausgekommen, weil sich gemäss einer anderen Frage von den rund 5000 Auskunftspersonen ein Viertel am ehesten von der SVP vertreten fühlt? (10 Prozent nennen die SP als «ihre» Partei, der Rest folgt abgeschlagen, soviel zum kommenden Wahlherbst, wer ein «guter Schweizer» ist, geht wählen…).

Vielleicht ist das Resultat ja doch erfreulich. Denn sieht und hört man sich in diesen Wochen um, so ist ein eigentlicher Feldzug von rechts gegen die Sozialhilfe im Gang. Die Schlagworte heissen «Missbrauch», «Fehlanreize», «Kostenexplosion», «Armutsinflation», «Sozialindustrie» und ähnlich – ihnen gemeinsam ist, dass sie pauschalisieren und diffamieren mit dem Ziel, die Bedürftigen zu beschämen und die Solidargesellschaft zu schwächen.

Dieses Heft versucht, anders hinzuschauen. Wir reden mit Betroffenen – Sozialhilfe-Empfängern und einer äthiopischen Familie, die seit Jahren mit Nothilfe lebt. Und wir lassen Experten zu Wort kommen: den St.Galler Sozial-Stadtrat Nino Cozzio und die Bloggerin Marie Baumann von iv-info. Für den Bildteil hat R. unserem Fotografen Sascha Erni seine Wohnung in Herisau aufgemacht. In den Porträts hingegen sind Namen und ein Teil der biografischen Angaben verändert; dass es viel braucht, öffentlich zu seiner Sozialhilfe-Abhängigkeit zu stehen, ist selber schon ein Teil der Geschichte mit dem inoffiziellen Titel «Wer ist ein guter Schweizer?» Was bei der Umfrage von Point de Suisse nicht gefragt wurde: Wie würden sie mit 986 Franken im Monat auskommen?

«Arme Jugend» hiess im Jahr 2007 ein Saiten-Titelthema. Junge Ostschweizerinnen und Ostschweizer sprachen damals offen über Arbeitslosigkeit und das, was man heute «Prekariat» nennt. Im Vergleich zu damals hat sich insofern wenig geändert, als dass auch heute ein Viertel aller Armutsbetroffenen Kinder und Jugendliche sind. Und kaum geändert hat sich auch die Sozialhilfe-Quote – laut kantonaler Statistik ist sie in den letzten zehn Jahren praktisch stabil geblieben, auf gegenwärtig 2,2 Prozent. Auch das könnte heissen: kein Grund zu populistischen Aufwallungen. Aber ein Grund, denen mit Respekt zu begegnen, die diesen Respekt besonders nötig haben.

* Mehr dazu in der Rubrik Weiss auf schwarz im Kulturteil des Septemberhefts.

 

DER INHALT:

 

Reaktionen
Positionen
Blickwinkel von Marco Kamber
Redeplatz mit Niklaus Bayer
Einspruch von Pfarrer Heinz Fäh
Stadtpunkt von Dani Fels
Majestätsbeleidigung
Ein harter Brocken

 

986.–

Die Hölle der leeren Tage
50-jährig, ausgesteuert, in der «Mühle» der Sozialhilfe gefangen: Eine Begegnung mit Rolf im Toggenburg.
von Peter Surber

«Ich bin ja nicht in die Politik gegangen, um zu Schweigen»
Der St.Galler CVP-Stadtrat Nino Cozzio über steigende Fallzahlen, Sozialdetektive und den Druck von rechts.
von Sina Bühler

Hitzkopf und Unruhestifter
Der 27-jährige Edi hat jeden Monat 700 Franken zum Leben – und jede Menge Selbstzweifel.
von Corinne Riedener

Diskriminierung wird salonfähig
Mit Schlagworten wie «scheininvalid» wird zuerst Stimmung und am Ende das Gesetz gemacht.
von Marie Baumann

«Wir leben für unsere Kinder»
Die Flüchtlingsfamilie Mekiyas muss mit 18 Franken pro Tag durchkommen.
von Philipp Bürkler

Das Titelthema fotografierte Sascha Erni.

 

PERSPEKTIVEN
Land der Anwesenden von Dorothee Elmiger
Flaschenpost von Sarah Schmalz aus Athen
Toggenburg
Winterthur
Rheintal
Schaffhausen
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

 

KULTUR

Dem Unrecht in die Augen geschaut
Die IG Halle Rapperswil zeigt eindrückliche Fotoporträts von Menschenrechtsaktivisten.
von Peter Röllin

Afrika im Gedicht
Al Imfeld gibt sein Lebenswerk heraus: Afrikas jüngere Poesie auf 800 Seiten.
von Florian Vetsch

Kirchenmusik hautnah
Domkapellmeister Hans Eberhard im Gespräch.
von Bettina Kugler

Zweimal Festival-Herbst
Weihern Unplugged etabliert sich. Und am A-Synth Fest wird analoge Musik zelebriert.
von Luca Ghiselli und Corinne Riedener

Die Vögel sind jetzt Hunde
Strassenhunde erheben sich gegen den Menschen: White God ist ein blutiges Filmvergnügen aus Ungarn.
von Urs-Peter Zwingli

Der Fluch des Pferdefreundes
Das Schwarzbuch Bührle arbeitet auf, wie Waffenfabrikant Emil Bührle aus Raubkunst seine Sammlung zusammenstellte.
von Wolfgang Steiger

Der rechte und der linke Kämpfer
Zwei St.Galler, zwei Lebenswege: Neue Bücher über den Frontisten Hans Kläui und den linken Arzt und Politiker Max Tobler.
von Richard Butz

Röbi Baumgardt: Ein Nachruf auf den Drucker des Undergrounds
von Wolfgang Steiger

Geschlechtlicher Kommunismus
Der 100-jährige St.Galler Roman Die Brokatstadt wird als Theaterstück neu erweckt.
von Peter Surber

Symbolisches Grabmal
Der Völkermord an den Armeniern kommt auf die Bühne.
von Peter Surber

Weiss auf schwarz: Arschlochigkeit und Tugendliberalismus

 

ABGESANG
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

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In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

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Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

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Von  Daria Frick

Theateraufführung

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Kolumne: Heppelers Bestiarium

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Von  Vera Zatti
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