Erinnert sich noch jemand an Singles? Jenen Film Anfang der 1990er-Jahre, in dem Eddie Vedder, Jeff Ament und Stone Gossard von Pearl Jam mitspielten, und der als Porträt der Jugend in Seattle gehandelt wurde? Eine der Hauptdarstellerinnen flog darin in einem Video durch die Grunge-Metropole. Sie befand sich auf der Suche nach dem perfekten Mann und im Bewusstsein, nichts weniger als diesen verdient zu haben, denn sie erschien sich selbst perfekt: «Expect the best» verkündete sie ihrem potentiellen Zukünftigen.
Können wir von so viel Selbstbewusstsein nur noch träumen? Müssen wir uns immer noch weiter optimieren? Ständig Puls und Herzfrequenz kontrollieren, um das effizienteste Training absolvieren zu können? Während des Trainings Podcasts hören, um noch schlauer zu werden? Nur noch Bio essen, nicht der Ökologie wegen, sondern um dem eigenen Körper nur das Gesündeste zuzuführen? Und warum das Alles? Um in den sozialen Netzwerken glänzen zu können?
Das Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon spürt dem aktuellen Selbstoptimierungstrieb nach und setzt auf sein bewährtes Ausstellungskonzept: Dokumentarisches Material, Objekte aus der Alltagskultur, wissenschaftliche und Publikumsbeiträge werden mit Gegenwartskunst kombiniert. Mitmachexponate laden zu hautnahen Reflexionen ein.
Ausstellungsansicht. (Bild: Manuela Matt)
Thesen werden nicht nur formuliert, sondern handfest in den Raum gestellt. Dieser gleicht im aktuellen Fall sinnigerweise einer Turnhalle. Schwedenkästen und Sprossenwände stehen bereit, Spielmarkierungen ziehen sich an den Wänden entlang. Das davor aufgestellte Rad ist jedoch nicht den Turnhallen entlehnt, sondern dem Hamsterkäfig.
Die Künstlerin Sarah Hepp aus Zürich hat diese goldene Tretmühle entworfen und ein schlüssiges Bild für Optimierungsanstrengungen gefunden: Alles dreht sich nur noch um sich selbst.
Sarah Hepp, Tretmühle, 2015. Stahl und Aluminium auf Rädern, Gold Pulverbeschichtung. (Foto: Brigham Baker)
Einen anderen Aspekt thematisieren Stefan Panhans‘ Klettergriffe. Sie bestehen aus Präparaten zur körperlichen oder geistigen Leistungssteigerung und sind so zerbrechlich, dass sie den bequemen Weg zum idealen Ich als Illusion entlarven. Pillen, Kapseln, Pülverchen – auch der St. Galler Hans Thomann visualisiert diese leeren Versprechungen der Optimierungsindustrie. Also doch Sport treiben? Oder in die Schönheitschirurgie?
Bis 30. September, Vögele-Kulturzentrum Pfäffikon voegelekultur.ch
Noch vor drei Jahren hiess es, schöne Menschen erzielten höhere Löhne. Nun hat eine neue Studie das Gegenteil herausgefunden. Was bleibt uns also? Entspannt die Studien und Optimierungstrends vorbeiziehen lassen wie die Wölkchen am Sommerhimmel.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.