Kategorie
Autor:innen
Jahr

Asyl in Rorschach

Konzertveranstalter Dario Aemisegger hat nach dem Lärm-Konflikt um sein St.Galler Weihern Openair offene Ohren in Rorschach gefunden: Im August organisiert er dort neu ein zwölftägiges Festival, die Strandfestwochen.
Von  Peter Surber
Veranstalter Dario Aemisegger (Mitte) sowie von links Sandra Müller, Stadtrat Ronnie Ambauen, Andreas Inauen und Thomas Müller.

Unrühmlich bekannt geworden ist die Stadt Rorschach mit ihrem Versuch, 2014 eine Sozialhilfeempfängerin nach St.Gallen abzuschieben. Jetzt dreht sie den Spiess um und bietet dem in St.Gallen mit seinem Weihern-Openair aufgelaufenen Dario Aemisegger Asyl. Dieser kehrt, nach seinem Zwischenspiel als Revolutionsführer (Stichwort «Revolution gegen die Bünzlis»), damit wieder zu seinem Kernberuf zurück: dem des Konzertveranstalters.

In Rorschach soll es an den Strandfestwochen keine aufrührerischen Parolen, sondern «positive Vibes» geben, sagt Aemisegger. Vom 1. bis 12. August sollen Menschen aus diversen Kreisen und allen Generationen hier zusammenkommen, eine gute Zeit miteinander geniessen und am nächsten Morgen «echli gfreuter aufstehen», als wenn es das Festival nicht gäbe.

Jazz-Cracks und Hüpfburgen

Viel konkreter waren die Informationen diesen Donnerstag an der Medienkonferenz zum neuen Festival im Würthhaus noch nicht. Aemisegger will erst Anfang Mai mit den Namen der Bands, mit Infos zu sonstigen Aktivitäten und zu den Sponsoren aufwarten – nicht recht nachvollziehbar, denn wer das Publikum (inklusive Earlybirds) gewinnen will, müsste es mit Inhalt locken.

Immerhin: Die drei bereits genannten Acts lassen auf ein mehrheitsfähiges und qualitätsvolles Programm schliessen: Jazz mit dem St.Galler Pianisten Claude Diallo und dem Rorschacher Schlagzeuger Andy Leumann, Power aus der Region mit den unverwüstlichen Lido Boys und nationale Headliner wie James Gruntz.

Weiter verrät der Veranstalter, dass die Strandfestwochen kein rein musikalischer Anlass sein werden, dass das «Herz» des Festivals vorne am See liegt, mit regionaler und internationaler Gastronomie und kostenlos zugänglichen Konzerten direkt am Wasser, und dass weitere Co-Veranstalter mit im Boot sind: Das Funsportcenter betreibt einen Hüpfburgenpark und das Solarkino zeigt Filme.

Die Seepromenade rund um das Würthhaus wird für weitere noch nicht genannte Aktivitäten genutzt, bleibt aber öffentlich zugänglich. So soll sich das «normale» Promenadenvolk und das Festivalpublikum mischen.

Passend zur Eventpromenade

Für Rorschach, sagt Stadtpräsident Thomas Müller, füllten die Strandfestwochen eine letzte noch mögliche Lücke im bereits dichten Programm auf der für Events aller Art hochbegehrten Seepromenade. Sandskulpturenfestival, Beach Volleyball, Stadtfest, Pavillonkonzerte, Flohmarkt: Rorschach profiliert sich erfolgreich im niederschwelligen Revier von Sport und Freizeitkultur. Die Strandfestwochen passen daher auch nach Einschätzung von Andreas Inauen, Betreiber der Online-Eventplattform South Beach, bestens zur «südlichsten und attraktivsten» Bucht der Ausgehregion rund um den Bodensee.

In allem einig: Stadtpräsident Thomas Müller und Veranstalter Dario Aemisegger. (Bilder: Res Lerch)

Für das Würthhaus als «Ort der Begegnung» wiederum biete der Anlass zahlreiche Anknüpfungspunkte, sagt Würth-Marketingfrau Sandra Müller. Der Skulpturengarten, Teil der Würthsammlung, werde sich ins Festivalgelände integrieren. Und die kostenpflichtigen Konzerte finden im Carmen-Würth-Saal statt.

Die Kosten des Anlasses bleiben vorläufig ebenfalls Aemiseggers Geheimnis. Die Stadt Rorschach beteilige sich mit namhaften Sachleistungen rund um Infrastruktur und Gelände, sagt Thomas Müller. Im übrigen soll sich der Anlass über Gastronomie, Sponsoren und Eintritte finanzieren. Rorschacherberg, Goldach und Tübach, die umliegenden finanzkräftigen Profiteure der Rorschacher Zentrumsleistungen, beteiligen sich einmal mehr nicht.

Kein Lärm für die Rorschacherbergler

Dafür sollen sie aber, um es ironisch zu wenden, auch akustisch nichts abbekommen vom Anlass. Aemisegger ist in dieser Hinsicht bekanntlich ein gebranntes Kind. Sein Weihern Festival in St.Gallen hat er 2017 nach monatelangem Hin und Her mit den städtischen und kantonalen Lärmschutzbehörden zwar durchgeführt, danach aber den Bettel hingeschmissen.

Jetzt in Rorschach sei das sensible Lärm-Thema ausführlich diskutiert worden, sagen Aemisegger und Müller unisono. Das Ergebnis: Das Festival werde auf Nachbarn und auf die akustisch heikle Lage am Berg Rücksicht nehmen; Outdoor-Anlässe seien zwar naturgemäss hörbar, aber Rocklautstärke à la Summerdays-Festival in Arbon werde es nicht geben. «Die Alternative wäre eine reine Erholungszone – und das ist nicht unser Ziel», sagt Müller. Zudem seien getunte Autos oder der DJ-Sound am Beachvolley-Turnier die störendere Lärmquelle.

«Die Strandfestwochen werden nicht wegen dem Lärm Schlagzeilen machen», verspricht Aemisegger. Und zitiert Anthony Hopkins: «Spaziert in der Sonne. Springt in den See. Sagt die Wahrheit und tragt Euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Für nichts anderes ist Zeit.»

Erinnerungslos ans Uferlos

Zeit für einen Blick zurück. Vor gut 30 Jahren gründeten Esther Widmer und Mistreiterinnen und Mistreiter in Rorschach das Uferlos Festival. Es fand in Zelten etwas näher hin zum Stadtzentrum statt, machte regional Furore und national Schlagzeilen mit einem aufmüpfigen und seismographischen Programm auf der Höhe der musikalischen und theatralischen Zeit. Das «Wunder von Rorschach», wie die «Schweizer Illustrierte» das Festival einmal genannt habe, funktionierte mit Freiwilligenarbeit zehn Jahre lang.

An den «uferlosen» Spirit von damals mochte (oder konnte sich) an der Medienkonferenz zu den Strandfestwochen niemand erinnern.

 

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558