Unrühmlich bekannt geworden ist die Stadt Rorschach mit ihrem Versuch, 2014 eine Sozialhilfeempfängerin nach St.Gallen abzuschieben. Jetzt dreht sie den Spiess um und bietet dem in St.Gallen mit seinem Weihern-Openair aufgelaufenen Dario Aemisegger Asyl. Dieser kehrt, nach seinem Zwischenspiel als Revolutionsführer (Stichwort «Revolution gegen die Bünzlis»), damit wieder zu seinem Kernberuf zurück: dem des Konzertveranstalters.
In Rorschach soll es an den Strandfestwochen keine aufrührerischen Parolen, sondern «positive Vibes» geben, sagt Aemisegger. Vom 1. bis 12. August sollen Menschen aus diversen Kreisen und allen Generationen hier zusammenkommen, eine gute Zeit miteinander geniessen und am nächsten Morgen «echli gfreuter aufstehen», als wenn es das Festival nicht gäbe.
Jazz-Cracks und Hüpfburgen
Viel konkreter waren die Informationen diesen Donnerstag an der Medienkonferenz zum neuen Festival im Würthhaus noch nicht. Aemisegger will erst Anfang Mai mit den Namen der Bands, mit Infos zu sonstigen Aktivitäten und zu den Sponsoren aufwarten – nicht recht nachvollziehbar, denn wer das Publikum (inklusive Earlybirds) gewinnen will, müsste es mit Inhalt locken.
Immerhin: Die drei bereits genannten Acts lassen auf ein mehrheitsfähiges und qualitätsvolles Programm schliessen: Jazz mit dem St.Galler Pianisten Claude Diallo und dem Rorschacher Schlagzeuger Andy Leumann, Power aus der Region mit den unverwüstlichen Lido Boys und nationale Headliner wie James Gruntz.
Weiter verrät der Veranstalter, dass die Strandfestwochen kein rein musikalischer Anlass sein werden, dass das «Herz» des Festivals vorne am See liegt, mit regionaler und internationaler Gastronomie und kostenlos zugänglichen Konzerten direkt am Wasser, und dass weitere Co-Veranstalter mit im Boot sind: Das Funsportcenter betreibt einen Hüpfburgenpark und das Solarkino zeigt Filme.
Die Seepromenade rund um das Würthhaus wird für weitere noch nicht genannte Aktivitäten genutzt, bleibt aber öffentlich zugänglich. So soll sich das «normale» Promenadenvolk und das Festivalpublikum mischen.
Passend zur Eventpromenade
Für Rorschach, sagt Stadtpräsident Thomas Müller, füllten die Strandfestwochen eine letzte noch mögliche Lücke im bereits dichten Programm auf der für Events aller Art hochbegehrten Seepromenade. Sandskulpturenfestival, Beach Volleyball, Stadtfest, Pavillonkonzerte, Flohmarkt: Rorschach profiliert sich erfolgreich im niederschwelligen Revier von Sport und Freizeitkultur. Die Strandfestwochen passen daher auch nach Einschätzung von Andreas Inauen, Betreiber der Online-Eventplattform South Beach, bestens zur «südlichsten und attraktivsten» Bucht der Ausgehregion rund um den Bodensee.
In allem einig: Stadtpräsident Thomas Müller und Veranstalter Dario Aemisegger. (Bilder: Res Lerch)
Für das Würthhaus als «Ort der Begegnung» wiederum biete der Anlass zahlreiche Anknüpfungspunkte, sagt Würth-Marketingfrau Sandra Müller. Der Skulpturengarten, Teil der Würthsammlung, werde sich ins Festivalgelände integrieren. Und die kostenpflichtigen Konzerte finden im Carmen-Würth-Saal statt.
Die Kosten des Anlasses bleiben vorläufig ebenfalls Aemiseggers Geheimnis. Die Stadt Rorschach beteilige sich mit namhaften Sachleistungen rund um Infrastruktur und Gelände, sagt Thomas Müller. Im übrigen soll sich der Anlass über Gastronomie, Sponsoren und Eintritte finanzieren. Rorschacherberg, Goldach und Tübach, die umliegenden finanzkräftigen Profiteure der Rorschacher Zentrumsleistungen, beteiligen sich einmal mehr nicht.
Kein Lärm für die Rorschacherbergler
Dafür sollen sie aber, um es ironisch zu wenden, auch akustisch nichts abbekommen vom Anlass. Aemisegger ist in dieser Hinsicht bekanntlich ein gebranntes Kind. Sein Weihern Festival in St.Gallen hat er 2017 nach monatelangem Hin und Her mit den städtischen und kantonalen Lärmschutzbehörden zwar durchgeführt, danach aber den Bettel hingeschmissen.
Jetzt in Rorschach sei das sensible Lärm-Thema ausführlich diskutiert worden, sagen Aemisegger und Müller unisono. Das Ergebnis: Das Festival werde auf Nachbarn und auf die akustisch heikle Lage am Berg Rücksicht nehmen; Outdoor-Anlässe seien zwar naturgemäss hörbar, aber Rocklautstärke à la Summerdays-Festival in Arbon werde es nicht geben. «Die Alternative wäre eine reine Erholungszone – und das ist nicht unser Ziel», sagt Müller. Zudem seien getunte Autos oder der DJ-Sound am Beachvolley-Turnier die störendere Lärmquelle.
«Die Strandfestwochen werden nicht wegen dem Lärm Schlagzeilen machen», verspricht Aemisegger. Und zitiert Anthony Hopkins: «Spaziert in der Sonne. Springt in den See. Sagt die Wahrheit und tragt Euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Für nichts anderes ist Zeit.»
Erinnerungslos ans Uferlos
Zeit für einen Blick zurück. Vor gut 30 Jahren gründeten Esther Widmer und Mistreiterinnen und Mistreiter in Rorschach das Uferlos Festival. Es fand in Zelten etwas näher hin zum Stadtzentrum statt, machte regional Furore und national Schlagzeilen mit einem aufmüpfigen und seismographischen Programm auf der Höhe der musikalischen und theatralischen Zeit. Das «Wunder von Rorschach», wie die «Schweizer Illustrierte» das Festival einmal genannt habe, funktionierte mit Freiwilligenarbeit zehn Jahre lang.
An den «uferlosen» Spirit von damals mochte (oder konnte sich) an der Medienkonferenz zu den Strandfestwochen niemand erinnern.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.