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Bärenhöhle und Dinosaurier-Tonnen

Noch ein Jahr, dann wird am Ostrand der Stadt St.Gallen das neue Naturmuseum eröffnet. Eine gigantische Umzugsaktion steht bevor – und eine gewichtige: 300'000 Sammelstücke werden gezügelt. Das schwerste, ein Teil des Dinos, bringt fünf Tonnen auf die Waage.
Von  René Hornung
Stand der Dinge im neuen Naturmuseum (Bild: René Hornung)

Ob der Entenschnabeldinosaurier mit dem Warenlift ins Obergeschoss in den Neubau des Naturmuseums an der Rorschacherstrasse kommt, oder doch mit einem Kran durch das vorsorglich noch nicht eingebaute Fenster, sei noch nicht entschieden, sagte Toni Bürgin am Mittwoch anlässlich der Baustellenbegehung. Seit 26 Jahren liegen die Steinbrocken mit dem Dino-Skelett im gemeinsam von Kunst und Natur genutzten Kunkler-Museumsbau im Stadtpark.

Zwar hat Urs Oberli Ende der 1980er- und anfangs der 1990er-Jahre die versteinerten Knochen noch weiter freigelegt und dem Koloss so etwas Gewicht genommen, aber die Gesteinsbrocken wiegen zusammen weiterhin rund 12 Tonnen, das schwerste Teil rund 5 Tonnen.

Der Warenlift im Neubau, 3 x 3 Meter in der Grundfläche und drei Meter hoch, schaffe das. Wie der Dino gezügelt wird, entscheide aber das Transportunternehmen – und das ist dasselbe, das ihn schon vor 26 Jahren an den bisherigen Standort gebracht hatte. «Die kennen den Saurier also», ist Toni Bürgin zuversichtlich. Und noch eine Voraussetzung sei gut: Der Boden des Ausstellungssaals, auf den die Steinbrocken mit dem Skelett gestellt werden, ist speziell verstärkt – er wird halten.

Eine logistische Herausforderung

Nicht weniger als 300’000 Teile, von gepressten Pflanzen über den Wildkirchli-Bär – er bekommt im Neubau eine eigene Höhle – bis zum Dinosaurier, werden in mehreren Etappen gezügelt. Eine logistische Herausforderung, denn darunter sind nicht nur die robusten schweren Brocken, sondern auch feinste Knöchlein und zarte Schmetterlinge. Ab Mitte nächsten Jahres fahren die ersten Transporte vom Stadtpark ins Neudorf, zuerst mit jenen Stücken, die im Neubau ausgestellt werden, die Depots werden später umgeräumt.

Parallel dazu wird im Neubau das schweizweit grösste Geländemodell zusammengesetzt. Zurzeit entsteht es beim europaweit einzigen Spezialisten in Bayern. Man wird von oben den ganzen Kanton St.Gallen überblicken, aber auch mit fünf High-Tech-Feldstechern bis an die hinterste Felswand und bis ins tiefste Tobel schauen können – und plötzlich springen dann zum Beispiel Steinböcke durchs Bild. Dazu werden deren Ansiedlung und Lebensweise erklärt.

Erdsonden und Wärmetauscher

Hightech trifft man im neuen Naturmuseum überall an. Nicht nur in den Präsentationen, die unter anderem erklären, wie sich die Nanotechnik an Vorbildern der Natur bedient. Das Gebäude selbst ist eine High-Tech-Maschine im Minergie-P-Eco-Standard: Geheizt wird mit Erdsonden und riesigen Wärmetauschern. Fotovoltaik auf dem Dach liefert Strom.

Die Ausstellungen werden mehr sein als Präsentationen einer heilen Welt. Themen wie Energie oder Rohstoffe müsse man heute kritisch darstellen, sagt Toni Bürgin. Bis alles eingerichtet ist, muss aber noch einiges gehen. Noch haben die Handwerker das Haus fest im Griff. Der Zeitplan sei sportlich, sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner, «wie bei jedem so speziellen Bau». Aber man werde es schaffen.

Geplant wird das plastisch wirkende Gebäude vom Zürcher Architekturbüro Meier Hug. Sie hatten den Wettbewerb gewonnen. Noch einmal neu geplant werden muss dagegen die Umgebung. Das Naturmuseum steht am Rand des Stephanshorntunnels der A1. Vor dem Bau hatte die Stadt beim Bundesamt für Strassen (Astra) abgeklärt, welche Einschränkungen für die Baustelle gelten.

Problematische Gewichtsverlagerungen

Alles war klar, auch die Umgebungsgestaltung, die auf dem Autobahndeckel, der freien Fläche zwischen der Kirche Neudorf und dem Museumsneubau, eine Naturlandschaft vorsah. Doch jetzt hat das Astra die Normen überarbeitet. «Das hat die Umgebungsplanung auf Position Null zurückgeworfen», sagt Stadtbaumeister Rechsteiner.

Das Problem ist dabei nicht etwa das Gewicht über dem Deckel. Problematisch sind Gewichtsverlagerungen. Auf beiden Seiten des aufliegenden Autobahndachs muss gleich viel Gewicht von oben drücken. Wenn das Museum, respektive die Stadt als Bauherrin immer auf eigene Kosten dafür sorgen, dass diese Vorgaben eingehalten werden, sei alles kein Problem, steht im Bericht aus Bern.

Das aber könnte ganz schön ins Geld gehen. Die Landschaftsarchitekten haben darum nun den Auftrag, in Zusammenarbeit mit den Autobahn-Statikern die Gestaltung zu überarbeiten. Wenn dann am 11. November 2016 das Haus eingeweiht wird, wird vom üppigen Garten aber sowieso erst wenig zu sehen sein – es braucht noch ein paar Jahre, bis es draussen blüht und wächst.

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