Etwa sieben Stunden dauerte die Sitzung des St.Galler Stadtparlaments gestern Abend in der Olma-Halle 2.1, rund 20 Traktanden wurden beackert, darunter auch die neuerliche Machbarkeitsstudie für eine Überdeckung des Bahnhofs St.Fiden oder die Mitsprache des Parlaments in Sachen verlängerte Ladenöffnungszeiten.
Es ging an der Open-End-Sitzung aber nicht nur städtebaulichen Grössenwahn und bereitwillige Zugeständnisse an die «Tourismusstadt», sondern auch um die Menschen, die hier leben. Insgesamt drei Geschäfte befassten sich mit Sans-Papiers bzw. mit Jugendlichen, verbeiständeten Menschen und Migrantinnen und Migranten.
Vorstoss für alle ab 13
Traktandum 5 behandelte die «Neuordnung der Partizipation von Bevölkerungsgruppen in der Stadt St.Gallen» sowie den «Erlass eines neuen Partizipationsreglements». Das alte Reglement aus 2006 war nicht mehr zeitgemäss, insbesondere die politische Teilhabe von Personen ohne Stimmrecht war schlecht geregelt und auch schlecht genutzt. Deshalb liess die Stadt einen Grundlagenbericht und ein neues Reglement erarbeiten, partizipativ selbstverständlich, das Anfang Mai vorgestellt wurde.
Gestern hat das Parlament dem neuen Partizipationsreglement zugestimmt (40 Ja, 17 Nein, 2 Enthaltungen). Mit einer wesentlichen Änderung, eingebracht von der Kommission für Soziales und Sicherheit (KSSI): Neu sollen alle, die in der Stadt wohnen und älter als 13 sind, berechtigt sein, einen Bevölkerungsvorstoss einzureichen. Dieser muss von mindestens 15 Personen eigenhändig unterzeichnet sein und die üblichen Vorgaben wie Antrag und Begründung beinhalten.
Dieser Entscheid ist mehr als erfreulich, denn er betrifft nicht nur Jugendliche und verbeiständete Personen, sondern auch andere Menschen, die bis jetzt kein oder kaum politisches Mitspracherecht genossen. Migrantinnen und Migranten sowie Menschen ohne Bleiberecht. Ein wichtiger Schritt Richtung Stimm- und Wahlrecht für alle.
City Card: zumindest ein Anfang
Später am Abend ging es um das Postulat «St.Gallen für alle – Einführung einer städtischen Identitätskarte (City Card) für alle Stadtbewohner*innen» von Christian Huber (Junge Grüne) und Jenny Heeb (SP). Sie hatten den Stadtrat Ende April gebeten, in Anlehnung an die Resultate von Zürich die rechtlichen Abklärungen zu treffen und Bericht darüber zu erstatten, wie und in welcher Form die Einführung eines städtischen Identitätsausweises («St.Galler City Card») realisiert werden könnte.
In seiner Antwort vom 23. Juni 2020 beantragte der Stadtrat, das Postulat für erheblich zu erklären. Dies obwohl grundsätzlich fraglich sei, «ob eine solche Vorgehensweise mit übergeordnetem Recht vereinbar ist». Trotzdem ist er der Ansicht, dass aktiv der Austausch mit Verantwortlichen in anderen Städten gesucht werden soll, gerade mit der Stadt Zürich, welche Rechtsgutachten in Auftrag gegeben hat, um daraus die nötigen Schlüsse für St.Gallen ziehen zu können». Die KSSI kam mehrheitlich zum selben Schluss.
So hat sich Saiten die City Card im Januarheft 2020 vorgestellt.
Das Parlament stimmte dem Antrag überraschend deutlich zu (35 Ja, 20 Nein, 4 Enthaltungen, wobei eine Ja-Stimme nicht gezählt wurde, weil das Gerät nicht funktionierte). Davor wurde rege diskutiert.
Die CVP/EVP-Fraktion sprach sich gegen eine Erheblichkeitserklärung aus, die FDP mehrheitlich ebenfalls. Die SVP sowieso. Sie verlangte, dass die Daten der Sans-Papier an den Bund weitergegeben werden sollen, falls das Postulat überwiesen werde. Übergeordnetes Recht solle geachtet und umgesetzt werden. Das Postulat diene nur dazu, Wege zu finden, um Bundesrecht zu umgehen.
Das Ja zum Postulat ist ein Anfang. Es heisst zwar nicht, dass St.Gallen demnächst die City Card einführt, aber zumindest ist man bereit, die Rahmenbedingungen für eine Einführung zu prüfen. Das Rechtsgutachten aus Zürich wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Erwartet wird es Ende Oktober.
Einkaufsgutscheine für Sans-Papiers
Ebenfalls erfreut zur Kenntnis genommen wurde gestern die Antwort des Stadtrates auf die Interpellation «Unterstützung für Sans-Papiers» der SP-JUSO-PFG Fraktion. Sie wollten vom Stadtrat wissen, wie er die Situation von Sans-Papiers in der Stadt St.Gallen beurteilt, welche konkreten Unterstützungsangebote bereitgestellt werden, ob der Zugang für eine ausreichende Gesundheitsversorgung gewährleistet ist und ob er grundsätzlich und in der aktuellen Krise bereit ist, finanzielle Unterstützung bereitzustellen.
Der Stadtrat anerkannte in seiner Antwort die prekäre Lage von Sans-Papiers und verwies auf seine «indirekte Unterstützung» via zivilgesellschaftliche Netzwerke und Hilfsangebote. Man setze sich dafür ein, dass «Sans-Papiers, die seit mehreren Jahren in St.Gallen leben, unter transparenten Bedingungen regularisiert und in den geregelten Arbeitsmarkt integriert werden», ausserdem soll der Bedarf für Massnahmen evaluiert werden.
Was die finanzielle Hilfe in der Coronakrise angeht, will der Stadtrat «die mit der Abgabe von nothilfebetrauten Stellen SRK und Caritas bei begründetem Bedarf mit Einkaufsgutscheinen unterstützen». Dieser Beitrag könne «als einmalige Entnahme» aus dem städtischen Integrationskredit entnommen werden.
Die Bereitschaft des Stadtrates ist also da – jetzt müssen die erwähnten Stellen nur noch von dieser wissen. Laut Jenny Heeb (SP) ist das bisher nicht der Fall. Sie habe bei der Caritas, der SRK und auch bei der «IG Sans-Papiers» nachgefragt. Stadträtin Sonja Lüthi versprach nach diesem Votum, sich bei den Betreffenden zu melden.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.