Damit mache ich mich jetzt auf einen Schlag unbeliebt, aber: Ich hab die Band Queen nie so richtig gemocht. Liegt wohl daran, dass ich fast nur in den Gay-Ausgang gehe, und alle zwei Stunden lässt irgendwer Bohemian Rhapsody laufen und der Tanz-Takt ist im Arsch. Also nicht wortwörtlich. Oder für einige vielleicht schon. Weiss nicht. Egal.
Queen nicht so recht zu mögen, ist tabu. Und zwar bei allen. Von der Berufsschwuchtel über die Szenelesbe bis zum Vorzeigehetero sind sich alle einig: Freddie Mercury, das ist unser Lieblingsschwuler. Den mögen wir. Der darf das.
Blöd nur, dass Freddie Mercury gar nicht schwul war. Oh ja, er hat Männer geliebt und verschmust und verschmaust. Aber er fühlte sich auch zu Frauen hingezogen. Historisch ist das eindeutig. Zu sehen in Bohemian Rhapsody, der letztes Jahr in den Kinos lief und jetzt offiziell die erfolgreichste Filmbiografie ever ist (!): Man sieht Mercury jahrelang eine Frau begehren – während er casually mit Typen ins Nest geht –, und als er sich bei ihr dann als bi outet, kriegt er die Antwort: Nein, Freddie. Du bist schwul.
Als wäre Bisexualität eine Verhandlungsbasis, ein Diskussionspodium, ein Flohmarktstand. Einer sagt: Bi! Die andere sagt: Nein, schwul! Und dann ist die Verhandlung zu Ende.
Anna Rosenwasser, illustriert von Lukas Schneeberger
Seit diesem Film mag ich Queen ein bisschen mehr. Einerseits weil Rami Malek, der Freddie spielt, unendlich attraktiv ist. Andererseits weil ich mich verbunden fühle mit Freddie, der in der Single Bicycle Race die ganze Zeit «BIIIIIIcycle» ruft, als wollte er eigentlich «ich bin BIIIIIII» rufen. (Die Theorie gibts übrigens wirklich.)
So wie Mercury ergeht es vielen bisexuellen Menschen, denen man ihre sexuelle Orientierung abspricht. Niemand glaubt an bisexuelle Männer, weil alle sie für schwul halten. Niemand glaubt an bisexuelle Frauen, weil sie doch eigentlich hetero sind. Katy Perry sang schliesslich auch «I kissed a girl, and I liked it… hope my boyfriend don’t mind it.»
Nein, der Boyfriend findet es hot. Solange sich. Männer vorstellen können, dass heisse Frauen was mit heissen Frauen haben und sie, die Männer, dabei sein können, ist alles easy. Schwierig wirds nur, wenn zwei Frauen in einer exklusiven Beziehung sind: Das findet man dann irgendwie seltsam.
Aber wer von euch ist der Mann in der Beziehung? Wie habt ihr denn Sex? – Ich wünschte, das wären erfundene Sätze, aber sie gehören zu den häufigsten Reaktionen, die wir frauenliebenden Frauen über uns ergehen lassen müssen. Alter, du googelst jeden Abend «hot lesbian sex scene», aber du überlegst dir keine Minute, dass wir für unser Vergnügen nicht DEINEN Penis benötigen?!
Und wenn ich schon fauche, dann will ich gleich alle anfauchen. Die Homos sind nämlich nicht viel besser darin, bisexuelle Menschen als solche zu akzeptieren. «Jaja, dass ich bi bin, dachte ich auch einmal», lachen dann Schwule und Lesben.
«Jaja, bitzli ausprobieren ist ja völlig okay als Phase», lachen die Heteros und Heteras, und währenddessen sitze ich im Kino, in meinem Arm die schönste Frau der Welt, die ich meine Freundin nennen darf, und vor meinen Augen der schönste Mann der Welt, der Rami Malek heisst, und denke: Schönste Phase ever.
Anna Rosenwasser, 1990 geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, wohnt in Zürich. Sie arbeitet als Geschäftsführerin für die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und als freischaffende Journalistin.
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Kunstausstellung
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