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Das Zillertaler Tagblatt

Ein rotes Bähnchen, ein reaktionärer Strippenzieher, Stadler Rail und das «St.Galler Tagblatt»: ein unappetitliches Gebräu aus der Ostschweizer Medienlandschaft. Von Markus Rohner
Von  Gastbeitrag
(Bild: pd)

Bahnreisende kommen immer wieder ins Staunen: Wenn der Eurocity aus Zürich Richtung Graz oder der Railjet auf dem Weg ins ferne Wien in Jenbach Halt machen, fragen sich manche, was der Stopp in diesem kleinen Tiroler Dorf soll.

Würden wir Franz Hörl fragen, hätte er schnell eine Antwort parat. Jenbach ist der Umsteigeort für Reisende ins Zillertal. Dort wartet heute eine mit Diesel betriebene Schmalspurbahn auf Tourist:innen und Einheimische. Wer es gemütlich haben will, lässt sich mit der Dampfbahn von Jenbach bis nach Mayrhofen transportieren.

Tiroler Saftwurzel

Franz Hörl freut sich über jeden Fahrgast, der in seiner Bahn Platz nimmt. Der Mann ist eine Institution im Tal. Ein umstrittener reaktionärer Strippenzieher mit Verbindungen zu wichtigen Funktionsträgern in Land und Bund. Er ist nicht nur Aufsichtsratspräsident der Zillertalbahn, für die ÖVP sitzt er im Gemeinderat von Gerlos und im Nationalrat in Wien. Er lobbyiert für die Seilbahnbranche und war bis vor kurzem Präsident des Tiroler Wirtschaftsbundes. Der Mann hat Ecken und Kanten und tritt gegenüber politischen Gegnern gern mit grobem Geschütz auf. «Pitbull Terrier der Tiroler Volkspartei» nannte ihn mal der Wiener «Standard».

Franz Hörl brauchen die «Tagblatt»-Leser:innen nicht zu kennen. Dafür wissen sie bestens Bescheid über seine Zillertalbahn. Fast 300 Kilometer von der Ostschweiz entfernt. Wie Wasserstandsmeldungen vom Bodensee wird im regionalen Ressort Wirtschaft (heute im Ressort Ostschweiz verpackt) fast im Monatsrhythmus über den neusten Stand der Ausbaupläne des roten Bähnchens berichtet. Fährt schon bald ein Zug mit Wasserstoffantrieb oder mit Batterie durchs enge Bergtal? Gibt es elektrische Oberleitun- gen oder bleibt man beim Diesel? Dieser permanente Hype um ein Tiroler Bergbähnchen ist einer einzigen Tatsache geschuldet: Wäre die Thurgauer Stadler Rail nicht mögliche Lieferantin der neuen Bahn, würde man in der Ostschweiz keine Zeile über Hörls Prestigeobjekt lesen.

Stadlers PR-Maschine

Geht es um Peter Spuhlers Unternehmen, gibt es beim «Tagblatt» mit seinen Kopfblättern kein Halten mehr. Besteht irgendwo auf der Welt für die Thurgauer die Aussicht, allenfalls ein paar Lokomotiven und Waggons zu verkaufen, wird an der St. Galler Fürstenlandstrasse rund um die Uhr in die Tasten gehauen. Wirtschaftsredaktor Thomas Griesser Kym lässt uns alle teilhaben am flinken «Flirt» im Südtirol, dem roten «Capricorn» in den Bündner Bergen oder dem schnellen «Giruno» auf dem SBB-Netz. Wird in Liverpool eine Tramway eröffnet und auf den Puy de Dôme eine neue Zahnradbahn gebaut: Mit dem «Tagblatt» ist jeder hautnah dabei. Peter Spuhler wirds freuen. Wo sonst bekommt der Ex-Politiker und Stadler-Mehrheitseigner gratis und franko so viel wohlwollende Medienpräsenz?

Allenfalls kritische Informationen aus dem Hause Stadler-Spuhler gibt es im «Tagblatt» nicht zu lesen. Was sagen beispielsweise die Gewerkschaften zu den Löhnen bei Stadler Rail? Wie geht es den aus der Ukraine geflüchteten Arbeiter:innen in den Werken Altenrhein und St.Margrethen? Was ist aus der Stadler-Fabrik Minsk bei der Putin-Marionette Lukaschenko geworden? Oder wie behauptet sich der Spuhler-Filius als leitender Mitarbeiter im familieneigenen Werk?

Wenn (Wirtschafts-)Journalismus sich auf Verlautbarungen beschränkt, wird er entbehrlich. Für das Umschreiben von Medienmitteilungen braucht es keine Redaktoren. Kritisches Nachfragen gehört zum journalistischen Handwerk. Nicht nur beim Thema Stadler. Ende September führte Griesser Kym mit Philipp Gmür, dem abtretenden Chef der Helvetia-Versicherung, ein seitenlanges Interview («30 Jahre sind genug»). Viele Fragen, aber eine wichtige wurde Gmür nicht gestellt: Warum musste 2016 der amtierende und erfolgreiche Helvetia-CEO Stefan Loacker Knall auf Fall seinen Stuhl räumen und ihm Platz machen – kurze Zeit, nachdem Pierin Vincenz das Präsidium der Helvetia übernommen hatte?

Von der Redaktion in die PR-Abteilung

Als Journalist:in macht man sich mit kritischem Nachfragen unbeliebt. Und goldene Jobs verdient man sich damit schon gar keine. Bevor Griesser Kym beim «Tagblatt» zum offiziellen «Spuhler-Stadler-Rail-Lautsprecher» mutierte, führte Marina Winder in der gleichen Sache jahrelang das Zepter. Medienarchive aus den 2010er-Jahren sind voll mit unkritischen Texten über Stadler Rail und harmlosen Interviews mit Peter Spuhler. «Wir verhandeln nicht mit Pardini», durfte Spuhler über die Zeitung dem Gewerkschaftsboss zurufen.

Winders Arbeit hat dem Bahnboss schliesslich so gut gefallen, dass er die «Tagblatt»-Redaktorin im fliegenden Wechsel zur Leiterin Kommunikation & PR machte. Ein journalistisches Gütezeichen sieht anders aus. Vielleicht hofft Griesser Kym immer noch, dass ihn das gleiche lukrative Schicksal ereilt.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

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Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

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Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

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Museum Herisau

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01