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Demokratie umbauen

Gesucht für die Grossbaustelle: visionäre Vorarbeiter:innen, pragmatische Fachleute und möglichst viele engagierte Büezer:innen. Das lose Protokoll der Diskussionsrunde am Freiluftparlament «Mobile» vom Mittwochabend am St.Galler Marktplatz.
Von  Corinne Riedener

«Wer nimmt am Quartierleben teil?», «Wie kann ich mit Schweizer:innen in Kontakt kommen?», «Warum sind unsere Diplome hier nicht gültig?», «Warum ist Kinderbetreuung so teuer?», «Warum sind viele Hilfsangebote nicht auf Portugiesisch verfügbar?», «Wie kann ich meinen Aufenthalt legalisieren?», «Wo können wir uns treffen, miteinander kochen und Deutsch lernen?»

Das sind nur einige der vielen Fragen, die die St.Galler Quartiere bewegen. Gesammelt wurden sie diesen Sommer über im Rahmen des Projekts «Mobile. Das Freiluftparlament», das an verschiedenen Orten in St.Gallen Halt machte. Mit farbigen Sitzwürfeln, Diskussionsrunden und einer Fragewand für Themensammlungen und Projektideen stiftete «Mobile» die Quartierbewohner:innen zum Mittun und Netzwerken an.

Der Antrieb dahinter: Fragen ans Zusammenleben und an städtische Räume stellen, zuhören, verhandeln, austarieren – wie ein Mobile im Wind eben. Und das nicht in den Amtsstuben und Parlamenten, die wenig repräsentativ sind für die Vielfalt der Bevölkerung, sondern dort, wo sich deren Entscheide auswirken; in St.Fiden, im Linsebühl und im Lachen-Quartier.

Als nächstes besucht «Mobile. Das Freiluftparlament» Wil:

17. September, 11 bis 16 Uhr: Quartiertreff Lindenhof

18. September: 14 bis 18 Uhr: Reuttistrasse

29. September, 14 bis 18 Uhr: Zeughausareal Wil

freiluftparlament.ch

Wir feiern: den ersten Internationalen Tag der Demokratie

Zum vorläufigen Abschluss dieser Reihe – und zur Feier des ersten «Internationalen Tages der Demokratie» – traf sich das Freiluftparlament am Mittwochabend nochmal in der St.Galler Innenstadt. Dazu eingeladen hatten auch das «Kollektiv Ostwind», ein loses Kollektiv von Menschen mit Migrationsvorsprung, sowie das Amt für Gesellschaftsfragen.

Dutzende farbige Sitzwürfel, eine grosse Fragewand und viele interessierte Passant:innen in der Marktgasse – das hätte ein freudiges Gewimmel ergeben. Und viele Diskussionen über gesellschaftliche, politische und kulturelle Teilhabe. Doch es goss in Strömen, und so blieb die Gruppe eher klein, diskutierte aber trotz allem angeregt unter einem grossen gelben Zelt. Und erhielt irgendwann doch noch spontanen Zuwachs, wenn auch weniger als erhofft.

Schnell war klar: Die grosse Fragebaustelle – Wie demokratisieren wir die Demokratie? – braucht dringend mehr Arbeitskräfte. Gesucht sind visionäre Vorarbeiterinnen, pragmatische Fachleute und möglichst viele engagierte Büezer:innen, egal ob voll- oder teilzeit. Sonst kommt das Jahrhundertprojekt nie vorwärts und scheitert schon an den Nebenbauplätzen.

Wer ist «Wir»? Und warum darf Fajaz nicht einfach Velomech sein?

Hier einige offene Punkte und Fragen aus der Mobile-Bausitzung am St.Galler Marktplatz, wo nebst den Fachleuten aus Wissenschaft und Behörden auch Vorarbeiter:innen aus Kultur und Politik sowie diverse Büezer:innen aus der Zivilgesellschaft anwesend waren:

  • Zwei Kinder kommen in der Schweiz zur Welt, machen dieselbe Ausbildung, zahlen gleich viel Steuern, aber mit 18 darf nur eines davon abstimmen. Warum? Weil das andere die 5000 Franken für die Einbürgerung nicht aufbringen kann. Oder nie die vorgeschriebene Anzahl Jahre in der gleichen Gemeinde gelebt hat.
  • Warum wird überhaupt so viel Aufhebens um diesen ominösen roten Pass gemacht? Wer ist dagegen, dass auch Menschen ohne Schweizer Bürger:innenrecht politisch teilhaben können und wieso? Und wie holt man diese Leute ins Baustellen-Team? Geht das überhaupt? Wann kommt die City-Card für St.Gallen?
  • Rechte zu haben ist das eine, sie auch wahrzunehmen das andere. Zum Beispiel das neue St.Galler Partizipationsreglement, das einen Bevölkerungsvorstoss beinhaltet: Läppische 15 Unterschriften braucht es dafür, man muss nur in St.Gallen wohnen und älter als 13 sein. Warum ist das nicht bekannter? Warum wird es noch so zögerlich genutzt? Ihr wollt eine Skate-Halle? Macht einen Vorstoss! Ihr wünscht euch eine Küche für alle im Quartier? Versucht es mit der Petition! Hier gehts zum Formular.
  • Dieser Baustellenabschnitt wäre möglicherweise schneller zu bewältigen, wenn es den Bevölkerungsvorstoss auch auf Portugiesisch oder Türkisch gäbe. Und in Einfacher Sprache. Allgemein müsste die Kommunikation seitens der Behörden besser übersetzt sein – sprachlich und inhaltlich.
  • Unabhängig davon sollte man Teilhabe nicht aufs Politische reduzieren. Der Diskurs über Zugehörigkeit ist vielschichtiger. Was heisst «Willkommenskultur»? Wer ist Wir? Wie gehen wir mit Unsicherheit um? Was gibt uns und anderen das Gefühl, dazuzugehören? Warum haben Menschen ohne Arbeit in der Schweiz das Gefühl, nicht dazuzugehören?
  • Und trotzdem: Warum darf Fajaz, 18, aus Afghanistan keine Lehre als Velomech machen, «obwohl er doch so ein Feiner ist und obendrein ‹ein toller kultureller Übersetzer› wäre»?
  • Die andere Frage ist: Warum muss er als «kultureller Übersetzer» fungieren? Nur weil er aus Afghanistan ist? Warum erwarten wir von Menschen mit Migrationsvorsprung stets dieses Extra-Engagement? Darf Fajaz nicht einfach als Velomech arbeiten und abends eine Runde gamen?
  • Engagement – vor allem ehrenamtliches – hängt auch von der Zeit ab, unabhängig von der Herkunft einer Person. Muss man sich leisten können. Statt von Freiwilligenarbeit sollten wir deshalb von unbezahlter Arbeit reden.

 

Von Handlungsspielräumen im Alltag bis zu den politischen Aufgaben wurde am Mittwoch fast alles diskutiert. Bedauerlich war, dass die Leute aus den Quartieren, die die eingangs erwähnten Fragen und Wünsche formuliert haben, nicht dabei waren. Mag dem Wetter oder der Uhrzeit geschuldet sein. Trotzdem wäre die Baugrube mit ihren Inputs wohl noch einmal tiefer geworden.

Wenig erbaulich auch die Bemerkungen aus Behörden und Politik, sinngemäss: «Wir wollen ja, aber der Sparwahnsinn verhindert alles. Geld ist immer die Killerfrage.»

Gut drum, dass die «Grossbaustelle Demokratie» nicht nur davon abhängt, sondern aus vielen Teilprojekten besteht. Dass wir die farbigen Würfel drehen und wenden und immer wieder neu zusammensetzen können, wie im Freiluftparlament. Und an allen Enden mit dem Umbau beginnen können.

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on gleich mit 0:3.

St. Gal­len un­ter­liegt trotz an­spre­chen­dem Be­ginn ge­gen Si­on mit 0:3.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

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