Kategorie
Autor:innen
Jahr

Die HSG im Visier

Ist die HSG wirklich so schlimm? Ja, sie soll mitsamt Rosenberg in die Luft gejagt werden. Das findet zumindest die städtische Juso. Sie lud am Donnerstag zu einem Spaziergang auf dem Rosenberg ein, um über eine neue Uni nachzudenken und die heutige HSG anzuprangern.
Von  Andi Giger
So hätte der HSG-Campus am Platztor aussehen sollen. Der Kanton brach das Projekt jedoch ab und startete ein neues. (Bild: pd)

Noa Olibet, Vorstandsmitglied der städtischen Juso, begrüsst vor der Universität St.Gallen die rund 30 Teilnehmer:innen des Sommerspaziergangs «Von der Kaderschmiede des Kapitalismus zur Uni für alle» und verteilt Knallteufel. Damit will die Juso ihrer Forderung, die HSG in die Luft zu sprengen, symbolisch Rechnung tragen.

Vasco Hebel übernimmt das Mikrofon und zählt auf, was konkret stört: zu wenig Studiengänge, zu wenig Forschung und zu viel Kapitalismus-Huldigung. Er fordert eine neue Uni, neue Fakultäten und ein Gehalt für Studierende von 4000 Franken im Monat. «Eine Uni, an der mehr gekifft als gekokst wird.»

Die Gentrifizierung vorantreiben

Der Spaziergang setzt sich den Rosenberg hinunter ins Tal fort. Beim Platztor macht die Gruppe den zweiten Halt. Dort, wo irgendwann ein neuer Uni-Campus stehen soll, erklärt Juso-Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi, wie sich die HSG immer mehr in der Stadt ausbreite. Das Areal am Platztor zeige beispielhaft, wie städtische Projekte verdrängt würden. Die offene Kirche werde weichen müssen. So, wie es schon bei der Stadtsäge passiert sei, die Platz für Studi-Wohnraum machen musste.

Das Problem sei, dass durch das begrenze Angebot und die klare Ideologie an der HSG eben nicht wie an anderen Orten die Uni und das Studileben die Stadt positiv belebten. Vielmehr würden die HSG-Projekte die Gentrifizierung ankurbeln. Rizvi zeigt auf die verwahrlosten Häuser auf der anderen Seite der St. Jakob-Strasse.

Badran hätte das HSG-Bild anders zeichnen können

Das Stichwort Studileben führt zum nächsten Halt in der Brühlgasse. Diese ist zugesperrt wegen Aufbauarbeiten fürs St.Galler Fest. Olibet hält seinen Input vor dem «Trischli» kurz: Der Traditionsclub werde überrannt von HSG-Studierenden. «Viele junge Menschen aus der Stadt fühlen sich unwohl und nicht willkommen.» Die Gruppe geht weiter zum letzten Halt im Kantipark.

Dort hätte eigentlich SP-Nationalrätin Jacqueline Badran reden sollen, wie Juso-Stadtratskandidat:in Robin Eichmann erklärt. Aus Termingründen habe sie kurzfristig abgesagt. Badran wäre als ehemalige HSG-Studentin am Spaziergang die einzige Rednerin gewesen, die einen direkten Bezug zur Universität gehabt hätte. Sie hätte möglicherweise gar nicht so viele schlechte Worte über die Uni verloren, schliesslich betont sie immer wieder gerne, dass sie in St.Gallen studiert hat. Und sie hätte als linke Ikone vielleicht das Bild der angeblich ausschliesslich kapitalismusfanatischen HSG-Alumni etwas anders gezeichnet.

Mehr Raum für Widersprüche und Diskussionen

Eichmann springt ein und erklärt, was die Uni für junge Menschen in St.Gallen oft bedeute: den Wegzug. Viele würden nach Bern, Freiburg, Basel oder Zürich ziehen, um dort zu studieren. Eichmann selbst studiert Geschichte in Zürich, pendelt mit dem Zug. Für progressive und linke Bewegungen in St.Gallen sei das ein Problem. So auch für die Juso. Es gebe nur wenige Mitglieder, die auf dem Rosenberg studieren würden. Eichmann unterstreicht ein letztes Mal die Forderung nach einer Uni für alle. Einer, die mehr Raum für Widersprüche und Diskussionen bieten würde.

Beim Ernst-Götzinger-Brunnen endet der Spaziergang mit einem Apéro. Auch Götzinger, St.Galler Germanist und Historiker, musste Mitte des 19. Jahrhunderts die Gallusstadt verlassen, um zu studieren. Es fehlte schon damals an Studiengängen. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Höhere Schule für Handel, Verkehr und Verwaltung gegründet, die heutige HSG.

Jetzt mitreden: 5 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
a,  

Lektüreempfehlung 1: https://www.saiten.ch/das-h-in-hsg-steht-fuer-den-habitus/

Lektüreempfehlung 2: die - an der HSG erstellte (!) - Studie "Simply the Best" steht zum download auf www.alexandria.unisg.ch

Evtichios Vamvas,  

Zum ersten Punkt: Auf diese Art "überspitzen" ist gefährlicher Populismus und das Wort "inzwischen" lässt einen zweifeln, ob man es mit nachdenklichen Menschen zu tun bekommt, ob sie über Demokratie nachdenken.
Zum zweiten Punkt: Es ist nicht meine Aufgabe die HSG zu verteidigen, aber ich frage mich, was in den anderen Universitätsstädten anders ist, z.B. bezüglich leerstehenden Wohnungen im Sommer, oder wie dort die Wirtschafts- und Jurastudentinnen zu einer "entspannten Studikultur" beitragen und das "städtische Leben" dort bereichern?
Der Irrtum, über den die KritikerInnen stolpern, ist, habe ich den Eindruck, dass sie die HSG mit einer allgemeinen Universität verwechseln.
Für eine solche Universität ist St. Gallen jedoch zu klein.

smirt,  

Das mit dem Sprengen verstehe ich als absichtlich überspitzt und nicht ernst zu nehmen, so vernünftig ist inzwischen sogar die Juso ;) Die Kritik ist durchaus berechtigt, der Braindrain aus St.Gallen ist offensichtlich und es fehlt hier deshalb an einer entspannten Studikultur. Dass dies für (alternative) Projekte und Bewegungen ein echtes Problem darstellt glaube ich sofort. Die Wohnungen der HSG Studis, auch hier an schöner Lage in schönen Jugendstilhäusern über dem Linsenbühl, stehen während den Semesterferien oft mehrere Monate leer, das ist echt schade. Die HSG Studis bringen sich also auch kaum ins lokale Leben ein, sie haben es bspw. oft nicht nötig hier noch einem Nebenjob nachzugehen und sorgen für keinerlei Bereicherung im städtischen Leben. Echt schade.

Evtichios Vamvas,  

Immer diese Gewaltphantasien. Da unterscheiden sich Linke und Rechte leider in nichts. Und dann wundert man sich, wenn es jemand in die Tat umsetzt.

Armando Köppel,  

Na jäJUSOgäng, auch Kritik ist berechtigt, aber wer gar nichts positives an unserer HSG findet und nur kindisch sprengen will, der verkennt immerhin, dass die HSG sogar eine Jacqueline Badran herausgebracht hat. Immerhin!

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42