Kategorie
Autor:innen
Jahr

Dogo zum letzten Mal in der Turnhalle

Zum letzten Mal gastiert die «Dogo Totale» in der Alten Turnhalle in Lichtensteig. Dieses Jahr haben sich die beteiligten Künstler:innen mit dem Thema Körper befasst. Für die nächste Dogo-Residenz gibt es bereits Anschlusslösungen. von Larisa Baumann
Von  Gastbeitrag
Aufbauarbeiten für die Dogo Totale 2024 in der Alten Turnhalle in Lichtensteig. (Bild: Larisa Baumann)

Körper knien am Boden, sitzen auf Stühlen, stehen auf Tischen, auf Leitern oder noch höher auf einem Gerüst. In der Alten Turnhalle in Lichtensteig herrscht ein reges Treiben. Kunstschaffende sowie das vierköpfige Team der Dogo Residenz für Neue Kunst sind mit dem Ausstellungsaufbau beschäftigt.

Am Samstag ist es soweit: Die «Dogo Totale – Body» eröffnet. Die Idee des Themas «Körper» ist im Kollektiv des Leitungsteams, bestehend aus Sirkka Ammann, Marcel Hörler, Maura Kressig und Hanes Sturzenegger entstanden. Zehn Künstler:innen haben dieses Jahr das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen und sich während ihrer zwei- bis viermonatigen Residenz mit dem breiten Thema und ihrer Umgebung in Lichtensteig befasst.

Die vielseitigen Herangehensweisen widerspiegeln sich in den entstandenen Werken von Mohamed Al-Bakeri, Yel K. Banto, Philip Coyne, Soraya Leila Emery, Clara Girke, Neil Höhener, Luis Stadler, Nika Timashkova, Tristan Marie Trotz und Romy Yedidia. Nebst dem Sehsinn ist auch der Hör- und Tastsinn gefordert. (Klang-)Installationen, Filme, Zeichnungen und Multimediainstallationen eröffnen einen Ein- beziehungsweise Rückblick ins diesjährige bunte Schaffen in der Dogo Residenz.

Gleich mehrere Arbeiten beinhalten textile Elemente. Dies ist auch auf eine gemeinsame Exkursion ins Textilmuseum St.Gallen zurückzuführen, wie Marcel Hörler aus dem Leitungsteam erzählt. Es ist ihnen wichtig, für die Künstler:innen nebst dem Gruppenatelier und der Wohngemeinschaft einen informellen Rahmen und Orte der Begegnung und des Austausches zu schaffen.

Eines der textilen Werke ist die haptisch erfahrbare Arbeit Idda von Tristan Marie Trotz. Die Formen, ausgefallenen Teppichen gleich, sind mit der Tufting Technik entstanden. Die unterschiedlichen Höhen des Schnittflors sind sicht- und spürbar. Wie der Werktitel verrät, nimmt Trotz Bezug auf die Legende der Heiligen Idda von Toggenburg. Eine Legende, die – wie heute bekannt ist – von einem Mann erfunden wurde, um das Kloster Fischingen im Hinterthurgau attraktiver zu gestalten. Die Stimme der Frau, also die Perspektive von Idda, vermisste Trotz in dieser Legende. Auf der Rückseite der Textilien sind mit bunten Fäden und von Hand auf einem hellbeigen Wollstoff gestickte Sätze zu lesen. Es handelt sich dabei, wie Trotz sagt, um in der Legende «unter den Teppich gekehrte» Worte von Idda.

Dogo Totale: 9. bis 23. Novemer, Alte Turnhalle Lichtensteig. Mit Clara Girke, Luis Stadler, Mohamed Al-Bakeri, Neil Höhener, Nika Timashkova, Philip Coyne, Romy Yedidia, Soraya Leila Emery, Tristan Marie Trotz, Yel K. Banto

dogoresidenz.ch

Ebenfalls mit Tufting hat Nika Timashkova gearbeitet. Die neonfarbigen Stücke mit Schlingenflor wirken weich und fröhlich, die Worte darauf nicht. Timashkova hat sich für D…ANGER mit einem dunklen Kapitel der Schweiz auseinandergesetzt: mit Zwangsarbeiterinnen in Fabrikheimen, die es in den 1980er Jahren im Toggenburg gab, insbesondere jenem in Dietfurt, das einst dem Kunstsammler Emil Bührle gehörte. Gegensätze durchziehen ihr Werk ebenso, wie der Brückenschlag zur Ausbeutung von Frauen und von Natur in einem kapitalistischen System.

Bei Romy Yedidia spielt die Verbindung von Frauen und Natur ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie hat sich vom Buch Woman and Nature: The Roaring Inside Her von Susan Griffin und auf Wanderungen rund um Lichtensteig inspirieren lassen. In ihrer Multimediainstallation The Enlightenend zeigt sie anhand von Zitaten kanonisierter männlicher Denker wie die Sprache in einem patriarchalischen, westlichen Konstrukt eingesetzt wird, um die Macht über Frauen und Natur zu bekräftigen.

Mit dem Körper in einem engeren Sinn hat sich zum Beispiel Clara Girke auseinandergesetzt. In Form eines Comics setzt sie den Fokus auf den kranken Körper in der Gesellschaft. Bei ihren zehn Digitaldrucken handelt sich dabei, wie sie selbst sagt, um Auszüge einer fiktiven Erzählung, die jedoch aus eigenen Erfahrungen und Recherchearbeit entstanden ist. Am Medium Comic fasziniert sie die Verbindung von Zeichnung und Text. Passend zum Titel Der Körper spricht mit ist einer der Protagonisten ein sprechendes, entzündetes Knie. Genau darauf legt Girke Wert: Das Sprechen über solche Themen. Im Rahmen der öffentlichen Führung am kommenden Sonntag wird sie Auszüge aus ihrer Erzählung vorlesen und will damit nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Diskutieren anregen.

Während zwei Wochen werden die vielfältigen Werke der Dogo Totale 2024 in der Alten Turnhalle für Interessierte zugänglich sein. Fürs neue Jahr stehen dann einige Änderungen bevor. Einerseits wird sich das Leitungsteam verkleinern. Marcel Hörler wird aufgrund eines Auslandaufenthaltes ab nächstem Jahr nicht mehr dabei sein. Ein emotionaler Abschied, wie er sagt, hat er doch seit mehreren Jahren in diesem Kollektiv gearbeitet: zuerst bei Arthur Junior, einer von Maura Kressig und Sirkka Ammann gegründeten Plattform für junge Kunst und später bei der Dogo Residenz für Neue Kunst.

Andererseits hat die Schule für die Alte Turnhalle, welche die Dogo Residenz seit ihrem Bestehen im 2019 nutzen durfte, Eigenbedarf angemeldet. Für die Ateliers ist aber bereits ein neuer Ort gefunden. Sie sind ab jetzt in der «Krone» in Lichtensteig untergebracht. Auch betreffend neuen Ausstellungsort hat das Leitungsteam bereits Pläne geschmiedet. 2025 werden einige Werke in einer Ausstellung im Wald präsentiert. Weitere Werke werden den Kunstspaziergang durch Lichtensteig erweitern und fünf Arbeiten sind für den von Toggenburg Tourismus geplanten Thur- und Neckerweg vorgesehen.

«Dogo Totale – Body» wird somit die vorerst letzte Jahresausstellung in der Alten Turnhalle sein. Mit der Wahl des Körpers nimmt das Leitungsteam bewusst Bezug auf den Ausstellungsort mit seiner ursprünglichen Nutzung und schliesst einen Kreis.

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica