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Düstere Kurztrips

Mit einem prall gefüllten Programm tourt die Kurzfilmnacht 2015 durch die Schweiz und zeigt dieses Wochenende in St.Gallen auch Filme von lokalen Regisseuren. Die Ostschweizer Clips sind harter Stoff.
Von  Urs-Peter Zwingli , 

Ein auseinanderfallendes Liebespaar, bei dem jeder Blick eine Anklage ist. Drei junge Männer, die von prügelnden Vätern oder dem Leben im Rollstuhl sprechen. Ein Mädchen, das von seiner Mutter terrorisiert wird. Und schliesslich ein Mann, der heulend um den Gnadenschuss fleht, weil er nicht ersäuft werden will: Die Themen der St.Galler Regisseure sind düsterer heavy shit – zumindest an der Kurzfilmnacht Schweiz, die dieses Wochenende im St.Galler Stadtkino Storchen gastiert.

Gezeigt wird in den beiden Nächten jeweils ein gut viereinhalbstündiges Kurzfilmprogramm, unterteilt in fünf
Blöcke. Einer der Blöcke wird je nach Spielort von regionalen Regisseuren bestritten, die nach den Vorführungen von ihrer Arbeit erzählen. Der regionale Filmblock wird an mehreren Orten in der Ostschweiz zusätzlich aufgeführt. Eine gute Gelegenheit also, sich wieder mal mit der vernachlässigten Kurz-Kunstform zu befassen. Leider gilt der Kurzfilm vielen als blosse Experimentierform für Filmstudis oder Sprungbrett für Jungfilmerinnen und -filmer: In Kino und Fernsehen schafft er es selten. Dabei muss man fähig zu ungeheurer Verdichtung sein, will man in einem Kurzfilm eine Geschichte erzählen.

Hochschwanger und zerrüttet

Erstaunlich ist, wie es die St.Galler Filmemacher schaffen, mit Andeutungen eigene Bilder im Kopf der Zuschauer entstehen zu lassen. Etwa in der Kurzdoku Spuren des Thurgauers Lukas Gut und seines Co-Regisseurs Steven Vit. Der Film begleitet drei junge Männer, die von Schicksalsschlägen getroffen wurden: In kurzen Sequenzen erzählen sie immer wieder ein wenig mehr von ihren Geschichten, daraus setzt man sich dann ein Gesamtbild zusammen. Unterbrochen werden die Zitate von Luftaufnahmen von Skipisten oder nächtlichen Autobahnen, die Bilder unterlegt mit bedrohlichem Drohnen-Sound.

Auch der Film Eltern des ArbonerRegisseurs Luca Riblerwirft Fragen, ja gar Rätsel auf: Er porträtiert in einer
knappen Viertelstunde ein Paar – sie ist hochschwanger – das völlig zerrüttet ist und sich zuletzt gegenseitig mit ihren Autos verfolgt. Was muss vorher alles passiert sein, um dieses tiefe gegenseitige Misstrauen zu rechtfertigen?

Gezeigt werden im lokalen Programmblock unter dem Titel «Made in St.Gallen» auch zwei Stadtsanktgaller
Produktionen: Der dialoglose Animationsfilm The Sound of Crickets von Justine Klaiber sowie der blutige
Gangster-Einakter Coup de Grâce von Pascal Glatz.

Eine gute Prise Paranoia

Die Tour, die von den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur kuratiert wird, zeigt aber auch gesamtschweizerisches und internationales Schaffen: Jeweils ein Programmblock widmet sich dem Schweizer Kurzfilm, skandinavischen Kriminalfilmen, dem Musik- und Tanzfilm sowie den Nominierten in der Sparte Kurzfilm der Oscars 2015.

Aus der Schweiz sticht etwa De Schnuuf hervor, ein dialogloser Blick in die beklemmende Welt eines Ausbildungsbunkers der Feuerwehr: Menschen in dicken Schutzanzügen und Gasmasken rennen auf Laufbändern und setzen sich Feuer, Blitz und Rauch aus. Der Filmverbreitet eine gute Prise Paranoia – als Ton hört man einzig den Gasmasken-Atem à la Darth Vader – und zeigt gleichzeitig ausserirdisch anmutende Bilder. Gesprächiger kommt Discipline des Romands Christope M. Saber daher, der den diesjährigen Schweizer Filmpreis gewonnen hat: In einem Eckladen verpasst ein Vater seiner Tochter eine Ohrfeige, als diese mutwillig ein Glas Senf auf den Boden schmeisst. Immer mehr Kunden schalten sich in die anschliessende, absurde Diskussion ein, die letztlich in eine Keilerei ausartet.

Titelbild: Von Misstrauen zerfressen: Die hochschwangere Nina (Steffi Friis) in Eltern. (Bild: Kurzfilmnacht Schweiz)

 

Kurzfilmnacht Schweiz. Freitag, 5. Juni, und Samstag, 6. Juni, im Kino Storchen, St.Gallen, Programmstart um 19 Uhr.

Kurzfilmnacht-Soirées des regionalen Filmprogramms «Made in St.Gallen»: Freitag, 5. Juni, Cinewil, Wil. Montag, 8. Juni, Kinotheater Madlen, Heerbrugg. Mittwoch, 10. Juni, Kino Passerelle, Wattwil.

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights