Eigentlich ist das ja auch wieder so eine unwahrscheinliche Geschichte. Landauf, landab ringen die Programmkinos ums Überleben und ausgerechnet in der Kleinstadt Frauenfeld gibt es ein so lebendiges Arthouse-Kino, auf das selbst grössere Städte neidisch sind – das Cinema Luna. Seit 1994 betreiben Filmliebhaber das Kino, seit 2011 in den neuen Räumen direkt am Bahnhof.
Gezeigt wird ambitioniertes Kino aus aller Herren Länder. Damit will das Luna das Tor zur Welt da draussen aufstossen. Einerseits. Andererseits geht es im Luna aber auch um die Pflege des Schweizer Films – rund ein Drittel der gezeigten Streifen pro Jahr stammen aus der Schweiz. Regelmässig wird das Luna für sein Angebot ausgezeichnet, 2014 erhielt das Kino sogar den kantonalen Kulturpreis. In einer eher ländlich geprägten Region wie dem Thurgau mit solch einem Programm erfolgreich zu sein, grenzt fast an ein kleines Wunder. Warum gelingt hier, was in anderen Städten scheitert?
Christof Stillhard kennt diese Frage natürlich. Er ist nicht nur Chef des Luna, sondern auch sonst bestens in der Branche vernetzt. Andere Kinobetreiber suchen seinen Rat, wenn sie nicht weiter wissen. «Dass wir uns halten können, hat auch mit unserer schlanken Organisation zu tun, das hilft uns auf der Kostenseite», sagt Stillhard.
Die Geschäftsführerin Noemi Signer hat ein 40-Prozent-Deputat, Stillhard selbst leistet zwischen 10 und 20 Prozent entgeltlich. Der Rest ist auch hier ehrenamtliche Arbeit von Mitgliedern des Vereins Frauenfelder FilmfreundInnen. Finanziell unterstützt wird das Kino von Stadt und Kanton mit jeweils 20’000 Franken im Jahr, der Rest wird erwirtschaftet über die Eintrittsgelder und Sponsoren und Gönner, wie Christof Stillhard erklärt. Dazu kommt, dass das Luna im Kanton mit seinem Programm fast ein Alleinstellungsmerkmal hat, es gibt kaum ein anderes Kino, das ähnlich ambitioniert und ähnlich umfangreich (170 Filme pro Jahr, 25 Vorstellungen pro Woche, darunter jede Woche drei neue Filme) programmiert.
Keine Scheu vor ungewöhnlichen Filmen: Christof Stillhard ist nicht nur Kulturbeauftragter der Stadt Frauenfeld, sondern auch Programmchef im Cinema Luna. (Bild: Michael Lünstroth)
Das zeigt sich auch jetzt wieder: vom 22. März bis 11. April läuft eine Reihe mit Filmen aus dem Libanon. Entstanden ist diese Reihe, weil Stillhard kürzlich selbst im Libanon war und fasziniert von Land, Leuten und Kultur zurückkehrte. Er hat kurzerhand recherchiert, welche Filme sich für eine solche Reihe eignen könnten und nun zeigt das Cinema Luna über fast drei Wochen insgesamt sieben Filme aus dem kleinen Land am Mittelmeer. «Trotz all der Krisen und Kriege in und um den Libanon vereint das Land einen unglaublichen kulturellen, religiösen und landschaftlichen Reichtum, der seinesgleichen sucht», sagt Christof Stillhard.
Die Filme, die er für den Libanon-Schwerpunkt ausgesucht hat, sollen die Weltoffenheit der Libanesinnen und Libanesen zeigen und individuelle wie soziale Probleme des Landes spiegeln: «von der Zerrissenheit insbesondere der Frauen zwischen Tradition und Moderne, von Lust und Sex in der islamischen Gesellschaft, von der kriegsbedingten Orientierungslosigkeit des Einzelnen, von leicht eskalierenden Rivalitäten zwischen Christen und Moslems, Drogenproduktion im Bekaa-Tal, Immobilien-Spekulation in Beirut sowie Ausgrenzung und Ausbeutung der syrischen Flüchtlinge», erklärt der Programmchef des Luna.
The Insult von Ziad Doueiri, Libanon 2017, 112 Min, Arabisch/deutsche Untertitel, ab etwa 14
Aus einer simplen Beleidigung entsteht eine Gerichtsaffäre, welche im Beirut von heute die christliche Gemeinschaft und die palästinensischen Flüchtlinge gegeneinander aufbringt. Der in Venedig ausgezeichnete Film des Libanesen Ziad Doueiri war für den Oscar als bester fremdsprachiger Film 2018 nominiert.
Zu sehen am: 22./23./24./25./26./27./28. März, 19.30 Uhr, sowie am 8.April, 17 Uhr
Caramel von Nadine Labaki, Frankreich 2007, 95 Min, Arabisch/deutsche Untertitel, ab etwa 12
Farbenprächtiger und sinnlicher Film über vier Frauen in Beirut, die zusammen einen Schönheitssalon führen. Der Erstling von Nadine Labaki, die auch eine der Hauptrollen spielt, gibt einen wunderbaren Einblick in den Alltag moderner Libanesinnen.
Zu sehen am: 29.März, 2. und 6.April, jeweils 19.30 Uhr
West Beyrouth von Ziad Doueiri, Frankreich 1998, 105 Min, Arabisch und Französisch/deutsche Untertitel, ab etwa 14
Autobiografisch gefärbter, sensibler wie humorvoller Film des ehemaligen Kamera-Assistenten von Quentin Tarantino über drei Heranwachsende 1975 in Beirut: Trotz des um sie herum tobenden Bürgerkriegs lassen sich die Freunde ihre Jugend nicht stehlen.
Zu sehen am: 7./9./11. April, jeweils 19.30 Uhr
Al-Wadi – The Valley von Salhab Ghassan, Libanon 2015, 134 Min, Arabisch/deutsche Untertitel, ab etwa 14
Ein Mann, der bei einem Autounfall sein Gedächtnis verloren hat und umherirrt, wird von den Bewohnern einer Farm im libanesischen Bekaa-Tal aufgegriffen. Ihr geheimes Geschäft ist die Herstellung von Drogen in einem Labor auf dem streng bewachten Gelände. Die Anwesenheit des namenlosen Fremden hat Folgen für die klandestine Gemeinschaft. Schönheit und Schrecken liegen hier nah beieinander. Die Weite der erhabenen Landschaft ist durchzogen von latenter Gefahr.
Zu sehen am: 5.April, 19.30 Uhr
Halal Love von Assad Fouladkar, Libanon 2015, 95 Min, Arabisch/deutsche Untertitel, ab etwa 14
Lust und Frust im Beirut von heute: Wie leben gläubige Muslime ihre Liebe, ohne die Gesetze des Islams zu brechen? Assad Fouladkars Film beantwortet alle Fragen, die man sich nicht einmal zu stellen traut auf eigene, liebevolle Weise.
Zu sehen am: 4. April, 19.30 Uhr, 7.April, 17 Uhr
Go Home von Jihane Chouaib, Frankreich/Schweiz 2015, 110 Min, Französisch/deutsche Untertitel, ab etwa 14
Als Nada im Libanon ankommt, merkt sie, dass sie fremd ist im eigenen Land. Nur einen Ort gibt es, an dem sie sich noch zuhause fühlt: Die verlassene Ruine des Hauses ihrer Familie, wo sie sich einnistet. Allgegenwärtig in diesem Haus ist der Geist ihres Grossvaters, der in den Wirren des Krieges eines Tages verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen. Auf der Suche nach der Wahrheit findet Nada zu sich selbst. – Die bekannteste iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani für einmal als Araberin, in einer Koproduktion mit der Zürcher Firma Dschoint Ventschr.
Zu sehen am: 6. April, 17 Uhr, 8. April, 19.30 Uhr
Taste of Cement von Ziad Kalthoum, Deutschland 2017, 85 Minuten, Arabisch/deutsche Untertitel, ab etwa 12
Beim Sandstrand von Beirut. Tag für Tag steigen syrische Bauarbeiter bei Sonnenaufgang aus dem Untergeschoss eines Hochhauses im Rohbau, wo sie essen und schlafen. Sie steigen den Wolkenkratzer empor und treiben den Bau weiter in die Höhe. In den Pausen schweifen ihre Blicke über die prächtige Silhouette der neu erbauten Stadt am Meer, eine Aussicht, die der Kranführer den ganzen Tag zu sehen bekommt. Doch sie dürfen den Bau nicht verlassen und die Freizeit in der Stadt oder am Meer verbringen. In der libanesischen Gesellschaft sind syrische Arbeiter nicht willkommen. Regisseur Ziad Kalthoum, der die syrische Armee verlassen und in Libanon Asyl gesucht hat, legt einen faszinierenden Film vor, dessen starke Bilder eine treffende Metapher für das Leben im Exil sind.
Zu sehen am: 3. April, 19.30 Uhr, 8. April, 11 Uhr, 10. April, 19.30 Uhr
Dieser Beitrag erschien zuerst auf thurgaukultur.ch.
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau