Oben auf dem Rosenberg leiert die «Internationale Dialogplattform» der grossen Tiere aus Wirtschaft und Politik langsam aus. Und unten im Tal, auf dem Olma-Areal, steht die «Animalia», die Messe der kleinen Tiere aus Haus und Hof, vor der Eröffnung. Derweilen fidelt und tanzt im Bauch der Innenstadt das Festival der Strassenmusik.
Zurück auf den St. Galler Bahnhofplatz. Warum hat sich das kleine Grüppchen bei der kühlen Witterung, unter dem grauen St. Galler Himmel zur Protestversammlung eingefunden, aufgeboten von Wendepunkt Unia, Jungen Grünen St. Gallen und Juso St. Gallen?
Ein Flyer gibt Auskunft: Am diesjährigen Symposium ist Ivan Glasenberg, CEO von Glencore Xstrata zu Gast. Halleluja! Glencore Xstrata ist das weltweit grösste Handelsunternehmen von Rohstoffen. Allein seine Öltanker-Flotte umfasst mehr Schiffe als die britische Kriegsmarine. Die von Glencore Xstrata verursachten Umweltschäden sind enorm. In Argentinien und Kolumbien laufen mehrere Gerichtsverhandlungen gegen den Konzern, wegen Umweltverschmutzung und sonstigen Gesetzesverstössen. Zudem kommt es regelmässig zu Zwangsumsiedlungen der einheimischen Bevölkerung.
Weiter kooperieren der Konzern oder dessen Tochterfirmen zunehmend mit paramilitärischen Gruppierungen oder gar der staatlichen Polizei, um die Minen «zu schützen». Damit wird beispielsweise in Peru die einheimische Bevölkerung gegeneinander ausgespielt, bezahlte Polizisten unterdrücken gewaltsam den legitimen Widerstand der Lokalbevölkerung gegen Minenprojekte. Die Verantwortung und Schuld für die Missachtung von Menschenrechten und Umweltverschmutzung weist der Konzern regelmässig und systematisch von sich.
«Das ist doch ein Grund zum Feiern. Das Symposium ist zwar nicht öffentlich und abgeschirmt von allerlei Poizei und privaten Sicherheitsleuten. Aber trotzdem herzlich willkommen in der fabelhaften Welt der HSG», sagt ein Redner neben einem Che-Guevara-Transparent, auf dem ein Ausspruch der Guerilla-Ikone zitiert ist: «Organisiert kämpfen!»
Zurück zur 68er-Bewegung? Warum nicht? Das «St. Gallen Symposium» ist schliesslich 1970 als Gegenbewegung zur damaligen Jugend des Aufbruchs gegründet worden. Heute sind die studentischen Teilnehmer dieses karrierefördernden Events die Manager von morgen und bezeichnen sich darum gerne in Anlehnung an das WEF als «die Jungen von Davos».
Hans Fässler, heute ein altersmilder 68er, hat sein eigenes kleines Plakat gebastelt und streckt es während der ganzen Protestversammlung gen Himmel. Darauf steht (entsprechend bebildert): «Liebe Hasen! Guter Zwerg! Böser Ivan Glasenberg!» Dadaistisch – oder die passende Rap-Zeile zur Musik, die aus dem Lautsprecher tönt?
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.