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Empathie, kennsch?

Schluss mit der politischen Verhöhnung von Armutsbetroffenen und Prekarisierten, Schluss mit der Entsolidarisierung der Gesellschaft, schreibt Dani Fels in seiner September-Stadtkolumne.
Von  Gastbeitrag

Er hat es wieder getan.

Der Nationalrat, der nebenbei noch als Stadtpräsidentendarsteller in der ansonsten wunderbaren Hafenstadt am Bodensee auftritt, hat kürzlich seine bekannten Ressentiments gegen die Soziale Arbeit und gegen einen intakten Sozialstaat ins Sommerloch geworfen. Dort könnte man diese auch gut belassen, aber leider haben seine Ausfälle System.

Schon vor Jahren gab der von der CVP zur SVP übergelaufene Politiker zum Besten, lieber stelle er in seiner Gemeinde zwei Polizisten an, statt eine Sozialarbeiterin. Dieser deutlichen Ansage folgten passende Taten. Man versuchte sich Sozialhilfeberechtigte vom Leib zu halten, indem man ihnen einen Umzug in andere Gemeinden, zum Beispiel in die Stadt St.Gallen nahelegte. Dieser zutiefst entmenschlichten Politik hat glücklicherweise der empathiefähige Sozialvorsteher von St.Gallen Paroli geboten.

Am See unten bejubelt der Ortskönig derweil, dass ein Investor eine Liegenschaft mit Sozialwohnungen abgerissen und veredelt neu gebaut hat: «Äs sind tolli Eigetumswohnige entstande, mit ganz tolle Lüüt.» Da schwingt sie wieder mit, diese Verachtung von Menschen unter schwierigeren Lebensbedingungen. Sind nur Leute nett, die sich eine Eigentumswohnung leisten können?

Wer hat, dem wird gegeben, dafür hat in diesem Kanton die düsterbürgerliche Ratsmehrheit in den letzten Jahren gesorgt, der Rest bleibt auf der Strecke. Klügere Geister wissen jedoch, dass sich nur Reiche einen schwachen Staat leisten können.

Ich habe die politische Verhöhnung von Armutsbetroffenen und Prekarisierten satt, dieses permanente Arbeiten an einer entsolidarisierten Gesellschaft. Die wirklich gefährlichen, destruktiven Akteure sind die, die den Sozialstaat gezielt auszuhöhlen versuchen.

Da gibt es einem auch zu denken, wenn in der Stadt St.Gallen als Nachfolger für den feinen und klugen Nino Cozzio ein Lautsprecher aufgestellt wird, der sich in seinem Smartvoteprofil in Sachen Sozialpolitik nahe am rechten Abgrund bewegt.

Zum Glück stellt sich dem die Jugend entgegen.

Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten.

 

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Hanss Dampff,  

Bitte, liebes Saiten, verlinkt diesen unendlich wichtigen Text von Dani Fels auch bei der traurigen Nachricht von Nino Cozzios Tod. Als Zeichen gegen die Entmenschlichung und Entsolidarisierung, wogegen sich Nino Cozzio trotz all der scheinbaren Sach- und Sparzwänge immer gewehrt hat.

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