Im Stadtpark hat sich einer selber «Revolution» zugerufen. Gil Scott-Heron meinte dazu schon 1970:
The revolution will not give your mouth sex appeal The revolution will not get rid of the nubs The revolution will not make you look five pounds thinner, because the revolution will not be televised, brother.
Das wichtigere Ereignis fand fast gleichzeitig im kleinen Park an der Ecke Linsebühl/Hafnerstrasse statt, und gleich wie die «ICH! Revolution. ICH!»-Aktion, fand es seinen Weg via Facebook in die Öffentlichkeit.
Ein ehemaliger Stadtparlamentarier berichtete dort, er sei beim Kaffeetrinken in diesem Park von der Stadtpolizei freundlich, aber bestimmt aufgefordert worden, auszutrinken und den Ort zu verlassen, Ausweiskontrolle inklusive. Die Argumentation der Beamten lässt aufhorchen: Es gäbe «einen Plan der Stadt, dass das jetzt ein Kinderspielplatz sei», weshalb er exklusiv den Kindern zu überlassen sei.
Ein Park an diesem Ort, bestückt mit Tischtennistisch und Sitzgelegenheiten, soll ausschliesslich Kinderspielplatz sein?
Da scheint er doch wieder auf, dieser zutiefst sanktgallische Drang nach Reglementierung des öffentlichen Raums. Statt eines entspannten «erlaubt ist, was nicht stört», wie es Zürich proklamierte, gilt hier «erlaubt ist, wer nicht stört». Damit sind wir mitten in einer Strategie, wo mit diffamierenden und stigmatisierenden Begriffen die Stadt in erwünschte und weniger erwünschte Bewohnerinnen und Bewohner aufgeteilt wird. Hier die St.Gallerinnen und St.Galler, da die «Randständigen».
Ich verwette meinen Crowdfunding-Beitrag für den «Chiosco» beim Bahnhof Nord, dass vor dem Entscheid, den Park für die Kinder frei zu halten, nicht mit den anderen Nutzerinnen und Nutzern dort gesprochen wurde. Hauptsache, der gefühlten Sicherheit von wenigen permanent Verunsicherten in dieser Stadt wird wieder einmal etwas geschmeichelt.
Die interessantere Frage wäre doch, wo die Ränder beginnen, wer diese definiert und wer sie weshalb überschreitet. Da würden plötzlich ganz andere Personengruppen zu Randständigen, z.B. Immobilienspekulanten oder Parkplatzfetischisten (hallo Bibliothek «Union»!).
Für eine Repolitisierung von Stadtpolitik müssen Diskussionen darüber laufen, wer uneingeschränkten Zugang zum öffentlichen Raum hat und wer diesen zurückerobern sollte.
Der Sommer bietet dafür Gelegenheit. Raus in die Parks, rein in die Gespräche mit allen.
Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.