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«Es haben jene gewonnen, die auf Nummer sicher gehen wollen»

Nach langen Diskussionen hat sich die städtische SP am Mittwochabend entschieden, Sonja Lüthi von den Grünliberalen für die Ersatzwahl in den St.Galler Stadtrat zu empfehlen. Fragen an Parteipräsident Peter Olibet.
Von  Corinne Riedener

Saiten: Die Grüne Ingrid Jacober fordert unter anderem eine autofreie Stadt und ist der SP-Linie damit wesentlich näher als Sonja Lüthi von der GLP. Warum unterstützt ihr nicht sie?

Peter Olibet: Das stimmt. Politisch gesehen steht uns Ingrid Jacober sehr nahe, aber verglichen mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten konnte sie unsere Basis beim gestrigen Hearing nicht überzeugen. Im Gegensatz zu Sonja Lüthi, die sehr souverän und gut vorbereitet war. Kommt hinzu, dass es bei dieser Ersatzwahl für viele primär darum geht, Boris Tschirky zu verhindern, der am rechten Rand der CVP politisiert, anders als bisher Nino Cozzio. Dafür braucht es jemanden wie Sonja Lüthi, die zwar keine Linke ist, aber dafür viele Stimmen auf sich vereinen kann. Somit wäre der Stadtrat auch weiterhin ausgewogen zusammengesetzt und rutscht nicht nach links.

Eine rein taktische Entscheidung?

Bei vielen, die für Sonja Lüthi gestimmt haben, auf jeden Fall. Daneben gab es auch noch einige, die sie unterstützen, weil mit ihr wieder eine zweite Frau im Stadtrat wäre. Es ist ein bürgerlicher Sitz, der frei wird, das ist uns bewusst. Darum hat sich die SP auch gegen eine eigene Kandidatur entschieden. Dass deswegen alle taktisch stimmen, ist aber so nicht der Fall. Es war ein ausgeglichenes Rennen zwischen Sonja Lüthi und Andri Bösch.

Peter Olibet.

Man hätte auch ein Zeichen für den Nachwuchs setzen und Andri Bösch von der Juso empfehlen können, immerhin ist es sehr wahrscheinlich, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt. Er steht der SP politisch am nächsten, für Lüthi hätte man sich auch im zweiten Durchlauf noch stark machen können.

Bösch ist uns sehr nahe, ja, und diese Option wurde auch rege diskutiert. Am Ende haben jene gewonnen, die auf Nummer sicher gehen wollen und sich für Lüthi darum ein möglichst gutes Resultat schon im ersten Wahlgang erhoffen. Ich hätte mir auch sehr gut ein anderes Resultat vorstellen können. Die Entscheidung war mit 24 zu 29 Stimmen für Lüthi äusserst knapp, fast unentschieden.

Entsprechend war nach der Mitgliederversammlung gestern bei einigen Enttäuschung spürbar, dass nicht Andri Bösch das Rennen gemacht hat – Familienkrach bei der SP?

So würde ich es nicht sagen, die Stimmung war eigentlich sehr konstruktiv, genauso wie die Diskussionen. Ich habe aber grosses Verständnis für die Enttäuschung der Juso, auch für jene der Grünen. Mir persönlich wäre nach der gestrigen Diskussion ein Zweierticket am liebsten gewesen. Bösch-Lüthi. Das hätte beide Lager vereint: jene, die eine Stadtregierung mit drei Linken wollen und jene, die bürgerliche Sonja Lüthi wählen, um Boris Tschirky zu verhindern. Doch die Basis hat entschieden und diesen Entscheid respektiere ich natürlich.

Jetzt mitreden: 4 Kommentare
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Stefanie,  

Früher war die SP mal progressiv. Heute ist sie konservativ. Ich merke nichts, dass Jans eine linkere Politik macht als FDP-Brunner oder Pappa als CVP-Adam. Feigenblätter rechtsbürgerlicher Politik.

Etrit Hasler,  

Da kann ich Susanne Hoare nur zustimmen: Die vermeintlich stromlinienförmigen Karrieren bestehen häufig mehr aus Schaum als Kompetenz - was man bei den bürgerlichen Kandidaten schmerzlich vor Augen geführt bekommt. Und ja, es ist schade, dass die unser Mitglieder das Vertrauen für den eigenen Kandidaten nicht zeigen konnten - zumindest für einen ersten Wahlgang. Aber so funktioniert Basisdemokratie - und lieber Edwin: Wer die SP wieder bissiger machen will, darf jederzeit mitdiskutieren. Aber wir machen keine Politik für unsere Vorfahren, sondern für die Zukunft. ;)

Susanne Hoare,  

oder wie es der Tagblatt Redaktor Schmid kürzlich formulierte: .. in Schweizer Exekutiven sitzen primär Menschen, die stromlinienförmige Karrieren gemacht haben. Kreative, Mutige, Unkonventionelle schaffen den Sprung in die Regierung nur selten.

Edwin Merki,  

Es tut mir leid um die Arbeit welche unsere Vorfahren in der SP geleistet haben. Die SP ist zur Wattebäuschchen Partei geworden - Sicherheit, Realpolitik, Mehrheitsfähig alles so Weichmacher welche die SP - Vorfahren nicht kannten. Sie hatten Visionen welche auch nicht sofort zum Ziel führten aber mit der Zeit trotzdem kamen. Es ist einfach schade !!!

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