Das war knapp. Mitte Januar haben Juso, Junge Grüne und JGLP noch einigermassen verzweifelt vermeldet, dass sie erst 2866 von 4000 Unterschriften gesammelt haben für das Referendum gegen das Verhüllungsverbot, das im St.Galler Kantonsrat Ende November beschlossen wurde. Für die fehlenden 1500 Unterschriften hatten sie noch bis am 22. Januar Zeit.
Am Montag hat das St.Galler Jungparteienbündnis nun stolz verkündet: Es hat doch noch geklappt – 4221 gültige Unterschriften wurden bei der Staatskanzlei eingereicht. Das alles wäre natürlich auch einfacher gegangen, hätten die Mutterparteien bereits im Kantonsrat das Referendum ergriffen: 40 Stimmen hätte es dafür gebraucht, siehe Theaterabstimmung.
4000 Unterschriften in 40 Tagen zu sammeln, ist eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn noch die Feiertage, etliche Spendenaktionen und der alljährlich grassierende Shoppingstresss dazu kommen. An der Pressekonferenz zum Auftakt der Sammelaktion fand Juso-Präsident Andri Bösch deutliche Worte für die angesetzte Frist: «Es ist eine verdammte Sauerei, dass man über Weihnachten und Neujahr im Schneegestöber Stimmen sammeln muss.» Im Kanton Zürich habe man 90 Tage Zeit für 3000 Unterschriften.
Wer schon einmal für etwas gesammelt hat, weiss, wie mühsam diese Basisarbeit sein kann. Dass es dabei mitunter zu recht kurligen Situationen kommen kann, aber auch zu unvermutet bereichernden Gesprächen. Oder – gerade im Fall der Jungparteien – zu sehr kritischen bis ausfälligen Rückmeldungen.
Für das Referendum gegen das Verhüllungsverbot waren etwa 35 junge Leute von Juso, jungen Grünen und JGLP auf den Ostschweizer Strassen. Wir haben sie nach den irrsten Reaktionen der Passantinnen und Passanten gefragt – und siehe da: Das Misstrauen gegen «die Jungen», das ihnen oft entgegenschlug, ist noch etwas vom Harmloseren:
Klar, das Thema polarisiert. Trotzdem kann man sich fragen, wie schnell der Zug war, der durch gewisse Kinderstuben gefahren sein muss. Warum es nicht reicht, «Nein danke, ich bin für ein Verbot» zu sagen, und man stattdessen fremden Menschen Beleidigungen nachwerfen muss. Von den rassistischen Äusserungen ganz zu schweigen.
Die Jungen nehmen es gelassen, was vermutlich der beste Weg ist, wenn man nicht am Ufer der Politikverdrossenen stranden will. Ob die Reaktionen der Passantinnen und Passanten anders ausgefallen wären, wenn sie nicht von Jusos, Jungen Grünen oder Jungen Grünliberalen, sondern von Mitgliedern der Mutterparteien angesprochen worden wären? Man wird es nie erfahren, da sich SP, Grüne und GLP vor allem vom Computer aus für das Referendum eingesetzt haben.
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.