Knapp zwei Jahre stand das ehemalige Blue Point an der St.Galler Poststrasse leer. Es war einer der ältesten Nachtclubs der Stadt. Ab Mittwoch, 6 Uhr, ist er endgültig Geschichte: Dann eröffnet die Zürcher Bio-Ladenkette L’Ultimo Bacio dort ihre vierte Filiale – nach zwei Läden in Zürich und einem in Winterthur.
Dass im Lokal früher gestrippt und mehr wurde, ist nicht mehr zu erkennen: Das zuvor völlig in Schwarz gehaltene Interieur wurde ersetzt. Nach dem viermonatigen Umbau steht ein helles Ladenlokal mit viel Holz, grossen Schaufenstern und einer Bar an der Poststrasse.
Verkauft wird ein Sortiment von 4000 Bio-Produkten – und das fast rund um die Uhr: Das Geschäft öffnet Montag bis Samstag um 6 Uhr früh und verkauft Essen und Getränke bis 22 Uhr, frisches Brot soll es sogar bis 1 Uhr früh geben. Bis dann ist auch die in den Laden integrierte Bar geöffnet.
Entsteht hier an zentraler Lage vielleicht eine Art Ersatz für den Tankstellen-Shop UG24, der dieser Tage schliesst?
Zeit der Nachtclubs ist vorbei
Einen «Treffpunkt für alle» wünscht sich jedenfalls Inhaber Dominik Hungerbühler im L’Ultimo Bacio. «Wir richten uns nicht nur an das Publikum von herkömmlichen Bioläden und Reformhäusern», sagt Hungerbühler, der in Romanshorn aufgewachsen ist.
Hungerbühler verspricht passend zum früheren Stripclub «Einkaufen in lustvoller Atmosphäre». Durch Angebote wie Espresso für 2,50 Franken («fast so günstig wie im Tessin») und Gratis-Häppchen zum Feierabendbier sollen Kunden zum Verweilen angeregt werden.
Mit dem Bioaden im Blue Point setzt sich ein Trend fort. Nachtclubs verschwinden aus der Stadt. Jüngstes Beispiel: Der Golden Club im Linsebühl, früher Chinchilla, wird diesen Sommer zur Kinderkrippe der Freikirche ICF.
Die Zeit der Nachtclubs sei seit Jahren vorbei, sagt Susanne Gresser von Maria Magdalena, der Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe. «Was man in Nachtclubs zu sehen bekommt, hat heute jeder schon im Internet oder im Fernsehen gesehen», sagt sie. Ausserdem bestehe im Sexgewerbe eher ein Überangebot, weshalb immer wieder Etablissements schliessen müssten.
Zielgerichtete Suche nach Sex
Die Tendenz gehe sowieso eher Richtung Salonprostitution, also Prostituierte, die in Privatwohnungen anschaffen. Grund sei ein verändertes Konsumverhalten der Freier. «Die meisten Freier suchen heute zielgerichtet und schnell Sex. Sie wollen in der Regel nicht vorher lange an einer Bar sitzen», sagt Gresser.
Die Arbeit von Maria Magdalena wird durch diese Verschiebung ins Private erschwert: Wo die Frauen genau anschaffen, wissen die Sozialarbeiterinnen kaum. Oft ist eine Natelnummer – aus entsprechenden Inseraten – die einzige Kontaktmöglichkeit, die bleibt.
Kuchen backen in den Séparés
Mit dem Verschwinden des Blue Point dürfte jedenfalls die Poststrasse belebter werden: Vor dem L’Ultimo Bacio entsteht auch ein Strassencafé mit knapp 50 Plätzen. Den Betrieb stemmen 16 Angestellte. Und im Keller, wo die früheren Séparés zu Garderoben und Vorratskammern umgenutzt wurden, werden künftig eigene Kuchen, Torten und Patisserie gebacken. Zusätzlich beliefern mehrere Bio-Bäckereien das Geschäft. «Ausserdem werden wir jeden Mittag drei verschiedene Eintöpfe anbieten, darunter auch vegane und vegetarische», sagt Inhaber Hungerbühler.
Eröffnungsfest am Freitag, 3. Juli, ab 17 Uhr mit Evaluna & Anushka (Pop-Folk) und Social Musik Orkestar (Gypsie/Latin/Rock n Roll).
Titelbild: Inhaber Dominik Hungerbühler im L’Ultimo Bacio. Im Hintergrund werden Mitarbeiter an der Kaffeemaschine geschult.
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