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«Filmisches Wissen und Können darf nicht abwandern»

Luzern ist vom 3. bis 5. Oktober Gast an der Olma – der Ex-St.Galler Andreas Stäuble über die Kultur-Fördersituation in der Zentralschweiz.
Von  Peter Surber , 

Das Olma-Gastprogramm aus Luzern umfasst Film und Spoken Word. Warum gerade die beiden Sparten?

Die Idee war, mit Luzern und St.Gallen zwei Brennpunkte der Spoken Poetry zusammenzubringen. Zudem gibt es in Luzern einen wichtigen Verlag, «Der gesunde Menschenversand» von Matthias Burki. Die Filmsparte hat dank vielen Einzelkämpfern ebenfalls Gewicht, sie wird im neuen Kulturleitbild des Kantons denn auch besonders herausgestrichen.

Neben Einzelkämpfern scheint der Film auch institutionell gut verankert zu sein, u.a. mit dem Verein «Film Zentralschweiz» und der Hochschule.

Der Verein wurde 2009 gegründet, Auslöser war ein Interview der städtischen Kulturamtsleiterin, in dem sie mit Blick auf die Filmförderung sagte: «Man kann ja auch nach Zürich ziehen, wenn man Filme machen will.» Das hat mich und andere gefuxt. Und dank ihrer sicherlich auch provokativ gemeinten Äusserung hat man sich zusammengerottet. Mittlerweile zählt der Verein rund siebzig Filmschaffende und Filminteressierte. Die Hochschule ist enorm wichtig. Es gibt eine wachsende Zahl von Absolventen, die zum Teil versuchen, in der Zentralschweiz zu bleiben – was man sich aber erkauft mit einem Leben am Existenzminimum. Unsere Zielsetzung ist es, das Loch in Sachen Filmförderung in der Mitte der Schweiz zu stopfen.

Ein ähnliches Loch ist die Ostschweiz – wie kann man es denn stopfen?

Das sind politische Entscheidungen. Dass filmisches Wissen und Können nicht abwandert, wäre auch im Sinn der Kantone. Es gibt zwar die IFFG, eine Kommission für Luzern, Nidwalden, Obwalden, Uri, Schwyz und Zug, die Filmeingaben beurteilt. Wir setzen uns aber darüber hinaus dafür ein, dass die sechs Kantone eine Filmstiftung aufbauen. Und wir behaupten: Mit zwei Millionen Franken jährlich könnte man zehn Millionen retour holen in die Kantone.

Dank Bundesgeldern?

Einerseits ja. So machen es auch die Bauern, alle machen es so, aber in der Zentralschweiz hat man diesen Sachverhalt noch nicht richtig realisiert. Andrerseits geht es darum, dass vor Ort eine Industrie entstehen kann, dass die Leute hier bleiben, hier arbeiten und hier auch wieder Geld ausgeben. Rundherum gibt es solche Initiativen, in der Romandie, in Zürich, Bern, Basel, überall wird regional gefördert.

Trotz Ihrer Klage, dass zuwenig Geld vorhanden sei: Das Luzerner Kino-Gastspiel an der Olma ist sehr reichhaltig. Was soll man nicht verpassen?

Was ich als ein poetisches Highlight empfehlen würde: «Halbdichtheiten», ein kurzer Film von Ralf Kühne. Oder den humorvollen Diplomfilm «Eigenbrand» des Ex-St.Gallers Jan Buchholz. Der erste Programmblock widerspiegelt auch die Leistung der Hochschule, die ihr Angebot über die Jahre stark ausgebaut hat. Das ist ein Herz, das pulsiert und ausstrahlt in die ganze Schweizer Filmszene.

A propos pulsierend: Aus Distanz gesehen ist Luzern nicht Slam- oder Filmstadt, sondern in erster Linie Touristenstadt und in zweiter Linie Klassikmetropole. Sind das zwei Welten, zwei Städte quasi?

Es käme mir nie in den Sinn, Kulturbereiche gegeneinander auszuspielen. Sie bereichern sich gegenseitig extrem. Natürlich: Luzern ist eine unglaubliche Kulisse. Die Inder haben sie schon vor Jahren fürs Kino entdeckt. Für uns, die wir hier arbeiten und produzieren, ist das zu wenig. Wir wollen nicht für Bollywood oder für den «Tatort» herhalten, sondern Geschichten aus dieser Gegend selber erzählen. Gerade der «Tatort» ist aber auch ein positives Beispiel. Zodiac, die grösste Produktionsfirma der Region, hat schon zwei Folgen produzieren können. Das vernetzt Kräfte und führt auch zu einer Öffnung.

Im Saitenheft mit dem Titelthema «Luzern retour», Januar 2012, stand unter anderem: In der Innenstadt von Luzern gebe es keine einzige Metzgerei mehr. Nur noch Touristenläden.

Das stimmt nicht ganz, es gibt noch zwei Metzgereien, aber zum Beispiel keinen Blumenladen mehr, was ich sehr bedaure. Und es gibt eine grosse Diskussion über die Touristenströme, die die Stadt mit Cars verstopfen.

In der Subkultur herrsche ein Gefühl von Ohnmacht, viele würden abwandern, stand damals ebenfalls im Heft. Wie würden Sie das Kulturklima heute auf den Punkt bringen?

Es wird immer besser. Die Jungen rücken nach. Der Südpol ist ein Beispiel dafür: ein guter Ort. Aber es gibt schon auch Stimmen, die dort die «Subkultur» vermissen. Nach meiner Meinung ist das ein veralteter Begriff. Basiskultur finde ich treffender – man kann nicht einfach von oben fördern, Kultur muss immer wieder neu entstehen, muss Forderungen stellen, Platz beanspruchen, Räume besetzen. Das passiert zum Teil auch im halb-legalen Bereich, wie mit der «Aktion Freiraum», die in leerstehenden Häusern Parties veranstaltet. Kritische Stimmen sagen dann: bloss Konsum … – aber das ist es nicht. Da wird produziert, daraus wachsen neue Trends und Vernetzungen mit anderen Städten. Da legt eine neue Generation die Basis für die Leitkulturen von morgen.

Welches ist die bessere Stadt? Luzern oder St.Gallen?

Berlin.
Andreas Stäuble, aufgewachsen in St.Gallen, ist seit siebzehn Jahren in Luzern tätig, u.a. mit der Film-Produktionsfirma Filmonauten und als Mitinitiant von Film Zentralschweiz. Er koordiniert das kulturelle Programm des Olma-Gastkantons Luzern.

Luzern in St.Gallen:
Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Oktober, Lokremise.
Infos: kinok.ch; lokremise.ch, menschenversand.ch

Bild: Tine Edel.
Der Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten. 

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

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Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Sands Murray Wassink 1996

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights