Die Ausstellung «Ricordi e Stima» (bis Ende Mai im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen zu sehen) war eine Einladung zum Nach- und Zurückdenken. Sie würdigte die Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Italien, die man zwar so nannte, aber deswegen nicht unbedingt auch gastlich aufnahm, obwohl sie seit dem ZweitenWeltkrieg entscheidend zum Wirtschaftswunder beitrugen: Sie schufteten auf Baustellen und in der Maschinenindustrie, nähten Akkord in den Textilfabriken, bedienten in Restaurants und putzten die Schweiz sauber. Ausstellung und Buch zeigen in dichten Kapiteln Bilder der Arbeit, der politischen Mobilisierung, daneben die Freizeit, Ausflüge zu Fuss und per Vespa, Kultur, Calcio und Boccia, das Vereinsleben, Kirche, Schulen.
Eine Parallelgesellschaft
Eine Parallelgesellschaft – die den helvetischen Alltag so einschneidend verändert hat, dass man heute kaum noch nachvollziehen kann, wieviel Diskriminierung und Misstrauen den «Tschinggen» lange entgegenschlug.
Heute abend wird das Buch zur Ausstellung präsentiert. «Grazie a voi»: 16. Dezember, 18 Uhr, Raum für Literatur in der Hauptpost St.Gallen
Politisch manifest wurde das in den fremdenfeindlichen Schwarzenbach-Initiativen der frühen 70er – mit beklemmenden Parallelen zur heutigen Politik. Persönlich erlebt hat solche Diskriminierung der in Heiden lebende Grafiker Fausto Tisato, einer der Mitinitianten derAusstellung. Als Sohn italienischer Einwanderer hatte er erst im Kindergarten angefangen, Deutsch zu lernen, und wurde als Primarschüler vom Lehrer und von älteren Schülern gedemütigt, erzählte er in einem Videobeitrag in der Ausstellung.
Die «guten» Ausländer – und die andern?
Lange her – oder doch nicht? Ein Ziel wäre es, sagt Tisato, den Blick vom Damals aufs Heute schärfen. Dazu gehört für ihn etwa die fragwürdige Unterscheidung zwischen «guten» und «weniger guten» Ausländern – hier die Italiener, dort die Einwanderer aus neuen Migrationsländern. Dazu gehöre die Fremdenfeindlichkeit, die es auch und gerade unter Immigranten gibt. Oder dazu gehöre die Überhöhung des Nationalen; für ihn könne es auf dieser Welt «je länger je weniger eine nationale Identität geben». Alles heikleThemen, sagt Tisato – doch ihm ist es ein Anliegen, dass Ausstellung und Buch, neben der Wertschätzungfür die Italienerinnen und Italiener, eine Brücke genau zu solchen akuten Diskussionen um Ausländer und Flüchtlinge bauen.
Die Geschichte der italienischen Immigration zeigt: Es hat lange gedauert, bis man sich aneinander gewöhnt und voneinander gelernt hat – aber es hat funktioniert. Das könnte ein gutes Omen sein für den Umgang mit den Zuwanderern von heute und morgen.
Dieser Beitrag erschien zuerst im Aprilheft von Saiten.
Bild: Bauarbeiter in der Baracke der Firma Max Pfister AG, 1961 (Bild: pd)
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Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
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Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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