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Jenisches Palace

Heute beginnt im Palace St.Gallen eine Themenreihe zu den Jenischen in der Schweiz. Bei den Lesungen, Gesprächen und einer Filmvorführung geht es aber nicht nur um rassistische Verfolgung und Familientrennungen durch das Hilfswerk «Kinder der Landstrasse», sondern auch um «die Musik mit dem gewissen Zwick».
Von  Roman Hertler
Die jenische Familie Franz und Frida Huser-Storrer 1929 auf der Axenstrasse bei ihrer Flucht ins Tessin. (Bild: Privatarchiv Isabella Huser)

Es ist eines der grössten sozialen Verbrechen der Schweiz im 20. Jahrhundert: Das sogenannte «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse». Die Pro Juventute hatte während eines halben Jahrhunderts jenische Kinder verfolgt, ausgebeutet und ihren Eltern weggenommen.

Jenische in der Schweiz – Veranstaltungsreihe der Erfreulichen Universität und der Bildungsgemeinschaft St.Gallen im Palace. Beginn jeweils 20:15 Uhr:

5. April: Zigeuner – eine packende Recherche. Lesung und Gespräch mit Isabella Huser, Musik: Toni Huser

12. April: Entwurzelt und zwangsversorgt. Gespräch zur rassistischen Verfolgung der Jenischen durch Pro Juventute

19. April: Jenische Reise. Lesung und Gespräch mit Willi Wottreng

26. April: Unerhört Jenisch. Filmvorführung der Dokumentation der Regisseurinnen Martina Rieder und Karoline Arn

Vor 50 Jahren hat Reporter Hans Caprez den Skandal im «Beobachter» öffentlich gemacht. Die Pro Juventute war damals von rassenhygienischen Motiven getrieben. Sie hat jenische Kinder ihren Familien entrissen, um sie vor dem «asozialen Lebenswandel» zu schützen, dem sie angeblich ausgesetzt waren. Die Fremdplatzierungen, Zwangsadoptionen und Ausbeutungen hatten ungeheuerliche Auswirkungen für die Betroffenen.

Am 12. April diskutieren darüber im Palace Historikerin Sara Galle, Uschi Waser, Präsidentin der Stiftung «Naschet Jenische» und «Beobachter»-Chefredaktor Dominique Strebel. Mit dabei ist auch Journalist Hans Caprez, der den Skandal 1972 aufdeckte. SP-Sekretär und Historiker Marco Dal Molin moderiert das Gespräch.

Auf der Spur der eigenen Familiengeschichte

In ihrem Buch Zigeuner spürt Autorin Isabella Huser ihrer Familiengeschichte bis ins 18. Jahrhundert nach. Als Handelsreisende mussten ihre Vorfahr:innen schon immer gegen den gesellschaftlichen Ausschluss kämpfen. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet auch ihre Familie ins Visier der Pro Juventute und entkam dieser nur knapp.

Isabella Huser

«Fahrende» seien sie nur gewesen, weil sie vor dem «Hilfswerk» fliehen mussten. Huser spricht daher lieber von «Zigeunern», «Reisenden» oder einfach von «unseren Leuten». Ihre Familiengeschichte ist aber nicht nur eine der Verfolgung, sondern auch eine der Musik. Ihre Grosseltern gründeten die «Huserbuebe», die den Schweizer Ländler entscheidend mitgeprägt haben. Heute Abend liest Huser aus ihrer beeindruckenden Recherche, die sie unter anderem auch in den Kanton St.Gallen führte. Weil dabei auch die Musik nicht fehlen darf, spielt ihr Bruder Toni Huser einige Stücke auf dem Akkordeon.

Romanlesung und Filmvorführung

Am 19. April liest Willi Wottreng aus seinem Buch Jenische Reise, das die Geschichte von Anna, einer Jenischen auf ihrer Reise durch die Jahrhunderte, erzählt. Eine Geschichte im Zwielicht zwischen Fantasie und Wirklichkeit, die von Lothringen nach Ungarn, von Antwerpen nach Thessaloniki und in die Schweizer Alpentäler führt.

Klaus-Michael Bogdal, der deutsche Literaturwissenschaftler und Autor von Europa findet die Zigeuner, schrieb über Wottrengs Buch, er bringe den Leser:innen die Lebensweise der Jenischen näher, ohne sie zu romantisieren oder zu Opfern zu verkleinern. Mit Wottreng spricht im Palace Pius Frey.

Am 26. April schliesslich wird das Palace wieder einmal, was es einst war: ein Kinosaal. Zum Abschluss der Themenreihe wird die feinfühlige Dokumentation Unerhört Jenisch gezeigt. Darin spüren die Regisseurinnen Martina Rieder und Karoline Arn den Geschichten Jenischer Familien in der Schweiz nach. Zum Beispiel jene der einst zugewanderte Familien Moser, Waser und Kollegger. Der Film handelt von der Musik mit dem besonderen «Zwick», von Familientradition, aber auch von den Zeiten, als die Jenischen behördlich registriert und diffamiert wurden.

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2