Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kilimandscharo auf dem Balkon

Das «Herbarium» aus unserem Sommerheft, Teil 1: Urs Fitze über «African Green», «Red Rubin» und andere geliebte Basilikum-Sorten.
Von  Gastbeitrag , 

Die erste Begegnung war in der Stadt Genua, die ja nicht nur die über Jahrzehnte vernachlässigte, grösste Altstadt Europas beherbergt, sondern mit dem Pesto Genovese auch eines der prägenden Gerichte Italiens. Der wichtigste Bestandteil: Basilikum. Dann die vielen betopften Simse und Balkone mit dem wichtigsten Küchenkraut Italiens: Basilikum.

Hierzulande gehört es noch nicht allzu lange zum guten Küchenton, ein Basilikumtöpfchen zu hegen, um den Mozzarella mit Tomaten-Teller damit zu schmücken. Das Pesto selbst zuzubereiten ist schon weit weniger verbreitet, auch wenn es kinderleicht ist und zum Experimentieren geradezu einlädt.

Bei mir fing es mit dem Bärlauch an, in der Genossenschaftsbeiz «Löwen» in Sommeri, wo im Kollektiv damals jeder und jede auch mal den Kochlöffel schwang, was einer kreativen Küche einigen Vorschub leistete. So gab es in der Bärlauchzeit im März hausgemachtes Bärlauch-Pesto, eine Köstlichkeit, und das Rezept hielt niemand geheim. Es war nichts anderes als Pesto Genovese, aber mit Bärlauch und Baumnüssen statt Basilikum und Pinienkernen, mit gutem Olivenöl und einer Prise Salz vermischt und fein gemahlen, so dass eine Paste entsteht. Beim Basilikum-Pesto kommt noch Knoblauch dazu, aber das ist beim Bärlauch nun wirklich nicht nötig.

Dieses Pesto hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen, im Tiefkühler auch ein ganzes Jahr. Manche geben geriebenen Parmesan und Pecorino dazu. Das kann man machen, aber darunter leidet die Haltbarkeit, der Käse wird nach und nach richtig käsig, und das schmeckt nicht besonders gut. Das Pesto lässt sich vielfältig verwenden, klassisch zusammen mit reichlich Parmesan und, wenn man mag, Pecorino unter die Pasta gemischt oder zum Verfeinern vieler Gerichte, etwa als Kräuterbutter-Ersatz, als Brotaufstrich oder unter die Salatsauce gerührt.

Ocimum Basilikum.

Seither, und das ist zwei Jahrzehnte her, schmückt ein Basilikum-Töpfchen auch meinen Balkon. Vom Bürokollegen, einem passionierten Gärtner, der auf seinem Bürotisch sommers und winters Chili und Basilikum gedeihen lässt, gibt es ab und zu ein Blatt. Allerdings: Basilikum ist zum Modekraut geworden. In jedem Supermarkt werden die Pflanzen im Plastiktopf feilgeboten, im Winter stehen sie, in Plastik verpackt, im Wasser im Verkaufsregal, nach langer Reise aus Südspanien im Verladeraum eines Lastwagens. Mit der Herrlichkeit ist es damit vorbei. Dabei ist Basilikum ganz und gar nicht gleich Basilikum. Was im Supermarkt feilgeboten wird, ist in aller Regel die aromatische Sorte «Grüner Genoveser», gut an seinen grossen, leicht gewölbten Blättern zu erkennen.

Doch der Basilikum ist ein Weltkraut. Ihn gibt es in über 40 Sorten in einer geschmacklich weiten Varietät. Auf diesen Basilikum gekommen bin ich am St.Galler Wochenmarkt am Stand des Biogärtners Markus Neubauer aus Erlen. Er hatte den Grünen Genoveser im Angebot, aber auch die herbe Sorte «African Green», den rotblättrigen «Red Rubin» oder den in Indien als heilige Pflanze verehrten «Tulsi».

Neubauer trägt die Welt im Herzen, er war Landschaftsgärtner an der Elfenbeinküste, reiste quer durch Westafrika ans Mittelmeer, begeisterte sich für die Revolution in Nicaragua und übernahm vor 30 Jahren die Gärtnerei seines Vaters, unter der Bedingung, den Betrieb biologisch zu führen. Das machte er mit einiger Konsequenz und stellte das Sortiment auf Küchen-, Tee- und Heilkräuter sowie einheimische Wildpflanzen um. Es ist heute das grösste Bio-Sortiment der Schweiz.

Und so bereicherte zwei Sommer lang der ursprünglich aus Ruanda stammende Basilikumstrauch «African Blue», auch als «Kilimandscharo-Basilikum» bekannt, meinen getopften Kräutergarten. Ich hatte ihn im Treibhaus der Gärtnerei Neubauer entdeckt, ein halbmeterhohes Stämmchen, das sich zu einem kugelförmigen Busch weitete, herrlich duftend. «African Blue» gehört zu den wenigen mehrjährigen Basilikum-Sorten. Er verzauberte alle, und in seiner weissen Blütenpracht wurde er bis in den Herbst hinein zur Bienenweide. Den ersten Winter überstand er mit einigen Blessuren, den zweiten sollte er nicht mehr überleben. Ohne ersichtlichen Grund ging die Pflanze ein, warf nach und nach alle Blätter ab und vertrocknete, alles Wässern half nichts.

«Der Basilikum liebt die Wärme und das Licht, auch im Winter, und je wärmer er gehalten wird, desto mehr braucht er davon», erklärt Markus Neubauer. Bei 20 Grad Zimmertemperatur brauche es schon zwei grosse, helle Fenster. Hält man die Pflanze kühler, aber nicht tiefer als zehn Grad, darf es auch etwas weniger sein. Noch beim Verbrennen des Holzes im Schwedenofen zog sein herrlicher Duft durch den Raum. Ich werde es wieder versuchen.

Urs Fitze, 1962, ist Journalist beim Pressebüro Seegrund in St.Gallen. Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57