Peter Liechti wusste, dass er schwer krank war, als er die Arbeit für sein letztes Filmprojekt begann. Geplant war eine Trilogie, die den beiden grossen künstlerischen Aussenseitern Robert Walser und Vincent van Gogh sowie einem Häuptling des sudanesischen Dinka-Volks gewidmet sein würde. Doch als die Krebserkrankung rascher voranschritt, änderte Liechti sein Konzept: Aus drei Teilen sollte nun ein einziger Film namens Dedications werden, der Liechtis eigenes Sterben thematisiert und doch eine Widmung an die Schönheit des Lebens ist.
«Gegenwart und Vergangenheit, Krankheit und Erinnerung vermischen sich zu einem fliessenden Bildund Klangrausch, der eher dem Traum als der Wirklichkeit entspricht … voll von wildestem Leben und selbstvergessener Melancholie» – so beschrieb Liechti den Inhalt von Dedications.
Liechtis Witz schimmert durch
Als Peter Liechti im April 2014 starb, hinterliess er als Resultat von rund einem Jahr Arbeit die Skizze eines Filmanfangs. 15 Minuten, deren Ausgang noch ungesichert und offen daliegt – ganz wie es Liechtis experimenteller Arbeitsweise entsprach. Er war ein Filmemacher, der mit grosser Hingabe an sein Fach am Werk war: Bis zwei Wochen vor seinem Tod sass er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung noch regelmässig am Schnittpult. «Dass Dedications erscheint, war Peter ein grosses Anliegen, das wir ihm unbedingt erfüllen wollten», sagt seine Partnerin Jolanda Gsponer. Das «Wir» sind Gsponer, der Kameramann Peter Guyer und die Cutterin Annette Brütsch, mit denen Liechti eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft verband.
Solothurner Filmtage: 24. Januar, 12 Uhr: Vorführung der verfilmten Spitaltagebuch-Lesung 16 Uhr: Vernissage Installation und Buch im Rötisaal der Jugendherberge.
Nun wird Dedications an den 51. Solothurner Filmtagen Ende Januar gezeigt. Um das unvollendete Werk greifbarer zu machen, wurde es in ein dreiteiliges Konzept überführt: In dessen Zentrum steht eine filmische Installation des Künstlers Yves Netzhammer, ebenfalls ein Weggefährte Liechtis. Auf drei hängenden Leinwänden wird das Rohmaterial des Films gezeigt, überlagert von Klangwelten, die der St.Galler Experimentalmusiker Norbert Möslang entworfen hat. Der zweite Teil ist ein 50-minütiger Film, der Liechti in seinem Ausserrhoder Atelier beim Lesen seines Spitaltagebuchs zeigt. Es umfasst Beobachtungen und Gedanken, die er während der immer längeren Spitalaufenthalte festgehalten hatte. Trotz aller Nachdenklichkeit und Schwere, die diesen Texten naturgemäss innewohnt, «schimmert Peters Witz immer durch», sagt Gsponer.
Liechti im Kulturraum am Klosterplatz
Als dritter Dedications-Teil wird im Januar schliesslich ein Buch erscheinen. Dieses verbindet das Spitaltagebuch mit Auszügen aus Liechtis Reisenotizen (seine sogenannten Log-Bücher) sowie 165 ausgewählte Filmstills. Dem Buch liegt zudem eine DVD mit der 15-minütigen Rohfassung des Films bei.
Dedications im Kulturraum am Klosterplatz St.Gallen: 31. März bis 22. Mai
Netzhammers Installation wird an den Filmtagen im Rötisaal der Jugendherberge Solothurn vom 23. bis 25. Januar gezeigt. Danach wird sie weiterreisen, zuerst ans Internationale Filmfestival Rotterdam, und schliesslich kommt es zu einem eigentlichen Heimspiel: Die Installation wird ab Ende März im Kulturraum am Klosterplatz St.Gallen gezeigt, im Rahmen einer Ausstellung über Peter Liechti, die momentan vom Amt für Kultur erarbeitet wird.
Dieser Text erschien im Januar-Heft von Saiten.
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