Aus 40 Minuten am Lautsprecher werden zwei Stunden auf der Bühne: Angereichert durch locker assoziierte neue Songs, kommt Sgt. Pepper mit dem Secondhand Orchestra jetzt nach St.Gallen. Roman Riklin und Daniel Schaub von Heinz de Specht, Adrian Stern und Frölein Da Capo sind von einer langen Vorstellungsserie im Zürcher Theater am Hechtplatz und im Kleintheater Luzern gut eingespielt für die vier Aufführungen (oder muss man sagen: Konzerte?) auf der Kellerbühne.
Eingehaltene und aufgebrochene Tracklist
Das Wimmelbild des Covers ist längst ikonisch, die Songs (fast) alle berühmt. Das Beatles-Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ist ein Meilenstein der Rock-/Pop-Geschichte und laut dem Rolling Stone Magazine das beste Album überhaupt. Oder wie es der charmante «Mundart-Abend auf den Spuren des besten Albums aller Zeiten» in seinem Geschichts-Schnellkurs am Anfang postuliert: Die bleierne Schwarzweisswelt wurde farbig, die Musikwelt für immer auf den Kopf gestellt.
Das ist 2017 genau 50 Jahre her. Auf der Bühne stehen bei diesem Gang in die Pop-Geschichte Roman Riklin und Daniel Schaub, deren Stimmen und Stil man von Heinz de Specht kennt; von ihnen kommen die Idee und die Übersetzungen.
Dazu holten sie sich Adrian Stern und das Frölein Da Capo, die sicher auch etwas Fernsehprominenz einbringen, aber als Multiinstrumentalisten sehr gut passen. Und offensichtlich auch im Geist, wie sie sich den Beatles nähern wollen. Zusammen haben die vier alle 13 Nummern neu arrangiert.
Gitarren sind immer dabei, oft auch Ukulelen. Frölein Da Capo, deren Entstehung auch mit den Beatles zusammenhängt, bringt Blechfarben ein. Und statt einem grossen Schlagzeug wechseln sich die vier an verschieden Trommeln und auch am Klavier ab, durchaus auch während eines Songs. Nur die Blockflöten … doch lassen wir das. Die Instrumentation inklusive ein paar Überraschungen überzeugt gerade durch die vielen Varianten.
Radiolegende ordnet ein
Zur Musik sorgt Radiolegende François Mürner, FM, für distanzierende Einordnung. Den Sound erkennt sofort wieder, wer in den 80ern und 90ern das sich damals noch als subversiv verstehende DRS3 hörte. Er kommt als Beatles-Zeitzeuge und Pop-Historiker zu Wort und Bild: Aus dem Off kommentiert er meist ironisch, erklärt und setzt den Kontext. Er nimmt die Gerüchte über John Lennons Tod auf, weiss sogar, wer der sagenumwobene Sgt. Pepper war (Stichwort: Skilehrer!) und mischt sich «ab Konserve» in den Live-Abend ein.
Ähnlich hybrid sind auch seine halb gezeichneten, halb gefilmten Hintergrundvideos – die kaum notwendig wären. Die Songreihenfolge bleibt unangetastet, schliesslich ist Sgt. Pepper ein Konzeptalbum, auch wenn sich das Konzept nicht so ganz fassen lässt und darum hier auch gut Einschübe neuer Lieder erträgt.
Secondhand Orchestra – Sgt. Pepper: 1., 2., 3. und 4. November, 20 Uhr, Kellerbühne St.Gallen kellerbuehne.ch
Aus den knapp 40 Minuten der Original-Platte werden so lockere zwei Stunden, wenn Erfahrungen rund um die Beatles zum Zug kommen: Die Freundin, die zwar bei Fragen wie «Rotwii oder Ingwertee / Auto oder Velo / zu mir oder zu dir?» immer die richtig Antwort gibt, aber ausgerechnet beim entscheidenden «Beatles oder Stones» das Falsche sagt. Oder wenn das Fade-out eines Songs gleich in einem neuen Song auf die Schippe genommen wird. Da werden die Handschriften der vier Musiker hörbar, bei den Beatles stellen sie sich wieder mehr zurück.
Und hier sind auch die wirklichen Ohrwürmer wiederzufinden, auch wenn die eigenen Texte insgesamt treffender daherkommen als die Beatles-Übersetzungen – Franz Hohlers Wenn i mol alt bi von anno dazumal prägt sich mehr ein als die jetzt von Adrian Stern gesungene anzüglichere Version.
Die Beatles haben 1967 eine starke Marke gesetzt. Die neue Version nimmt diese Bedeutung charmant auf, erweist dem Original nicht zu viel und nicht zu wenig Ehre. Sie stellt die Musikwelt nicht auf den Kopf – das ist auch nicht ihr Anspruch. Aber sie macht unbeschwerten Spass.
Dieser Text erschien im Novemberheft von Saiten.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.