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Mit Mama im Textilmuseum

Die Ausstellung «App'n'cell now» in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell zeigt Arbeiten von rund 70 Künstlerinnen und Künstlern in wechselnder Anordnung. Aktuell mit dabei ist die in Teufen aufgewachsene Anna Diehl – hier in der Blackbox gibt sie einen Einblick.
Von  Gastbeitrag

Für die Ausstellung «App’n’cell now» in der Kunsthalle Ziegelhütte zeichnet Anna Diehl eine weibliche Biografie der 1980er Jahre. Die sechsteilige Serie mit dem Titel Mit Mama im Textilmuseum besteht aus gerahmten Videostills. Die Aufnahmen sind während eines Besuchs der Künstlerin mit ihrer Mutter im Textilmuseum St. Gallen entstanden.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell dauert bis zum 24. Mai.

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Kurz nach ihrer Ausbildung zur Textilentwerferin tauschte Diehls Mutter den Beruf gegen die Arbeit als Hausfrau und Mutter. Neben der Reflexion über weibliche Lebensentwürfe interessiert Diehl auch der persönliche Bezug zur Heimat. Ist die Heimat eine Region, eine Landschaft, eine Mutter oder die Mutter die Heimat?

Mit Mama im Textilmuseum (Entwurf einer Bordüre), Videostill 2020, Digitaldruck gerahmt

Mit Mama im Textilmuseum (Rapidograph), Videostill 2020, Digitaldruck gerahmt

 

Du gehst voraus.

Die Schritte stets ein bisschen weiter gedacht, als die Beine sie zu verrichten vermögen.
Die Hände tanzen und deuten. Das Wissen in den Fingerspitzen.
Ich freue mich, dass du dich freust. Dass wir zusammen schauen, auf die Heimat. Bevor sie mein Zuhause wurde. Und sie noch deine Zukunft war.
Dazwischen nachdenklich. Als hättest du seit damals gar nie mehr an damals gedacht.

Deine Hände streichen über den Stoff, als du erzählst. Plötzlich reissen mich deine Sätze von aussen mitten hinein. Meine Geburt verbindet deine Geschichte mit meiner.
Ich werde an etwas angehängt, was mir wie ein Paralleluniversum erscheint.
Und irgendwie tut es mir leid. Ich hätte dir gerne weiter zugeschaut.

Die Kamera auf dich gerichtet, verwandelt sie dich von einer Mutter in eine Frau. Wie ein Mikroskop oder ein Fernglas.
Umgekehrt, ein Schutzschild. Nicht auf direktem Wege deine Tochter. Als stünden zwischen uns zum ersten Mal nicht wir.

Deine Hände mochte ich schon immer. Knochig mit schlanken Fingern. Elegant.

 

Anna Diehl (*1986 in Teufen AR) lebt und arbeitet in Basel. In ihrer Arbeit interessiert sie sich für die Verschränkung von Gesellschaft und Psyche und die daraus resultierenden Ambivalenzen, Sehnsüchte und Abgründe. Sie studierte Soziologie an den Universitäten Basel und Wien und Bildende Kunst am Institut Kunst in Basel und an der Athens School of Fine Arts.

Die Rubrik Blackbox ist im März 2020 als Antwort auf die Corona-Krise entstanden, als der Kulturbetrieb stillgelegt worden ist. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs, Debatten und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sind hier zu sehen und zu hören, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so.

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