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Mordsskandal als Oper

Das Theater St.Gallen wagt eine Rarität: Es gibt eine Oper in Auftrag, und dies bei einem St.Galler Komponisten. David Philip Heftis Werk Annas Maske wird im Mai 2017 uraufgeführt.
Von  Peter Surber

Ihre «Carmen» faszinierte die Massen. Anna Sutter war der umjubelte Star der Oper Stuttgart, und entsprechend Schlagzeilen machte am 29. Juni 1910 ihre Ermordung: Aloys Obrist, Dirigent und einer von Annas früheren Liebhabern, erschoss sie in ihrem Zimmer und richtete sich danach selber. In einem zeitgenössischen Zeitungsbericht stand am Tag danach: «…sie hat es als Künstlerin verstanden, was ewig das Ziel in den Beziehungen von Mensch zu Mensch bleiben muss, Glück und Freude zu verbreiten: Darum soll auch ihre blutige Bahre nicht umzischelt sein von dem Fragen und Sagen sensationslüsterner Neugier, und der Lorbeer, den Stuttgart auf ihren Sarg legt, sei frei von Schmutz und Staub niedrigen Klatsches».

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Anna Sutter als Carmen, zeitgenössische Postkarte

Jetzt holt das Theater St.Gallen die «blutige Bahre» der Diva ans Tageslicht: Das Eifersuchtsdrama (Details dazu hier) steht im Zentrum der Oper Annas Maske. Das Libretto schrieb Alain Claude Sulzer, Autor der gleichnamigen, im Jahr 2001 erschienenen Novelle. Sulzer war auf den Stoff in einer Ausstellung über Totenmasken gestossen und hatte die Geschichte recherchiert. Regie führt Mirella Weingarten. Am Dienstag informierte das Theater vor den Medien über das Projekt.

«Fassbare und imaginative Musik»

David Philip Hefti ist 1975 in St.Gallen geboren, lebt in Deutschland und ist einer der gefragtesten Schweizer Komponisten der jüngeren Generation, viel gespielt mit Kammer- und Orchesterwerken und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Siemens- und dem Hindemith-Preis. Eine Oper gibt es von ihm bislang aber nicht. St.Gallens Operndirektor Peter Heilker lobt die «sinnliche, fassbare und imaginative» Musik des 40-jährigen Komponisten. Man habe sich verstanden und danach «triebhaft auf die Suche nach dem richtigen Stoff» für das geplante Auftragswerk gemacht. Den fand man schliesslich in Sulzers Buch.

Die Mordsgeschichte der Anna Sutter habe nicht nur alle Ingredienzen einer «ganz altmodischen Oper für das 21. Jahrhundert», sondern auch eine Portion «subtiler Swissness», sagt Heilker: Die Stuttgarter Diva stammte ursprünglich aus dem st.gallischen Wil, ihr Mörder war ebenfalls Schweizer. Regisseurin Weingarten fasziniert in Anna Sutter die Frau jenseits aller Konventionen, «ein lebenshungriges Weib», erfolgreich als Musikerin und modern in ihrer Unabhängigkeit – ein Lebensentwurf, den sie mit ihrem Leben bezahlte, darin der Figur der Carmen verwandt. Die Solopartie singt Riccarda Maria Wesseling.

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Anna Sutter als Salome, zeitgenössische Postkarte

«Bekenntnis zum Kulturauftrag»

St.Gallen leistet sich mit Annas Maske eine Oper in grosser, nicht bloss kammerspielmässiger Besetzung. Das Orchester habe allerdings ausdrücklich «keine Elektra-Dimensionen», sondern sei so dimensioniert, dass das Werk nachspielbar sei: für Direktor Werner Signer ein klares Signal, dass es bei Annas Maske nicht bei einer Eintagsfliege bleiben soll wie bei zahlreichen anderen zeitgenössischen Musiktheater-Projekten.

Letztmals hatte St.Gallen 1998 mit Stichtag von Thomas Hürlimann/Daniel Fueter eine Opernuraufführung «gestemmt». Seither waren Schweizer Erstaufführungen dazu gekommen, darunter Alfons Karl Zwickers Der Tod und das Mädchen oder in der letzten Spielzeit Written on Skin.

Letzteres war ein Publikumserfolg und wird demnächst in Bozen im Südtirol nachgespielt – Signer will sich davon aber nicht zu stark leiten lassen. Annas Maske in Auftrag zu geben und zu produzieren sei ein künstlerischer Entscheid frei von Publikumsdruck, ein Bekenntnis zum zeitgenössischen Musiktheater und zum Kulturauftrag, den das Theater habe. «Jetzt liegt es an uns, das Publikum zu verführen».

Titelbild von links: Autor Alain Claude Sulzer, Komponist David Philip Heft, Regisseurin Mirella Weingarten und Operndirektor Peter Heilker im Theaterfoyer. (Bild: Theater St.Gallen)

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

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Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
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Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

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Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
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Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
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Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
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Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
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