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Nationalsozialistische Verstrickungen

«Täter, Helfer, Trittbrettfahrer» heisst eine Bücherreihe, über NS-Belastete in Baden-Württemberg. Der jüngste Band erinnert an 20 Männer aus dem Bodenseeraum; zwei davon, Walther Flaig und Otto Raggenbass, sind aus Schweizer Sicht besonders interessant. von Richard Butz
Von  Gastbeitrag
Die umstrittene Strasse in Konstanz (Bild: Urs-Oskar Keller)

Jürg Frischknecht ist als Journalist und Buchautor ein Experte für Rechtsextremismus, Faschismus, Antifaschismus und Emigration in der Schweiz. Er geht dem Auf- und Abstieg des leidenschaftlichen und umtriebigen Alpinpublizisten und überzeugten Nationalsozialisten Walt(h)er Flaig nach.

Mit Passname Walter kommt er 1893 in Aalen (Baden-Württemberg) zur Welt und tritt 1912 in die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins ein. Im Ersten Weltkrieg wird er schwer verwundet und traumatisiert. 1921 erwirbt er das Diplom als Landwirt. Seine Leidenschaft aber, geteilt von seiner Gattin Hermine, gehört den Bergen, die er möglichst «judenfrei» haben möchte.

Tourismus und Spionage

So ist Flaig aktiv mit dabei, als die Hauptversammlung des Alpenvereins 1924 in München die mehrheitlich jüdische Alpenvereinssektion Donauland ausschliesst. Im gleichen Jahr wird er Mitglied der Sektion St.Gallen des SAC und schreibt wiederholt für deren Club-Nachrichten. Bei Kriegsbeginn gibt er den Austritt.

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Walther Flaig (1893 – 1972)

Flaigs Lieblingsberggebiete sind Silvretta, Rätikon, Engadin und Bergell. 1962 erscheint sein heute noch gelesenes und hoch gelobtes Buch Bernina – Festsaal der Alpen. Während mehreren Jahren arbeitet Flaig in der Tourismuswerbung in Graubünden. Nach dem Mord an Wilhelm Gustloff, dem Leiter der NSDAP-Landesgruppe Schweiz, 1936 in Davos verliert er die meisten Aufträge und verlässt mit seiner Familie das Prättigau. Noch schwerer trifft ihn eine 1944 lebenslängliche Einreisesperre in die Schweiz, verhängt als Strafe für den von ihm von Salzburg aus dirigierten Einsatz von Spionageagenten.

Walther Flaig: Ein Nazi im St.Galler Alpenclub – Vortrag von Jürg Frischknecht und Gespräch mit Stefan Keller: 9. März, 19.30 Uhr, Buchhandlung Comedia St.Gallen

Als Flaig 1972 im vorarlbergischen Bludenz stirbt, erscheinen zahlreiche Nachrufe. Diese würdigen rund 50 Erstbegehungen, seine Bergbücher und Dutzende von Gebiets- und Skitourenführer, erwähnen aber – bis auf eine Ausnahme – nicht sein aktives Eintreten für den Nationalsozialismus und seine Spionagetätigkeit. Die Ausnahme schliesst mit der Bitte an «liebe Schweizer Freunde»: «Lasst doch unserem Walt(h)er Flaig Gerechtigkeit widerfahren. Er hat für euer schönes Vaterland mehr getan und mehr an Liebe geopfert als die meisten anderen.»

Raggenbass’ «heilige Pflicht»

Über Otto Raggenbass, 1905 in Sirnach geboren und 1965 in Orselina gestorben, und seine Verwicklungen mit dem Nationalsozialismus berichtet der deutsche Historiker Arnulf Moser. Er weist dem von 1938 bis zu seinem Tode amtierenden Bezirksstatthalter in Kreuzlingen nach, dass er jüdische Flüchtlinge zurückgeschickt, jüdische Schulkinder aus Konstanz zurückgewiesen, Fluchthelfer bestraft und Entlassung von deutschen Grenzgängern empfohlen hat.

Wolfgang Proske (Hg.): Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. Band 5: NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Kugelberg Verlag, Gerstetten 2016. ns-belastete.de

Die harte Linie von Raggenbass entspricht der damaligen offiziellen Haltung des Kantons Thurgau, der keine Flüchtlinge zu- lassen will. Raggenbass schreibt 1938 dazu: «Es ist oft schwer, angesichts der bestehenden Tatsachen Leute auszuweisen und über die Grenze zu stellen, doch ist es die heilige Pflicht der Behörden, Land und Volk vor den ernsthaften Gefahren der Überfremdung und der antisemitischen Bewegung zu schützen.»

Gemeint ist damit, dass jüdische Flüchtlinge den Antisemitismus in der Schweiz schüren könnten. «Oder mit anderen Worten», kommentiert Moser, «die Juden sind selbst schuld am Antisemitismus.»

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Otto Raggenbass (1905 – 1965)

In seinem 1964 erschienenen Erinnerungsbuch Trotz Stacheldraht, 1939–1945 geht Raggenbass nur bezogen auf des Kriegsende auf Flüchtlinge ein. Viel mehr dagegen ist von ihm über seine Beziehungen zur Stadt Konstanz zu dieser Zeit zu erfahren. Er nimmt für sich in Anspruch, die Deutschen zur kampflosen Übergabe von Konstanz und insbesondere der Rheinbrücke bewogen zu haben. 1968 wird er dafür von Konstanz, die ihn bereits 1947 gewürdigt hat, mit der Umbenennung der Schwedenstrasse in Otto-Raggenbass-Strasse direkt an der Grenze geehrt.

Seither sind viele neue Fakten über und zu Raggenbass bekannt geworden, die ein düsteres Bild von seinem damaligen und späteren Wirken zeichnen. «Raggenbass und Haudenschild (ehemaliger Thurgauer Polizeikommandant) sind», schreibt der Historiker Reto Wissmann, «das Kontrastprogramm zum St.Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger.»

Seit einigen Jahren wird in Konstanz über eine erneute Umbenennung der Raggenbass-Strasse diskutiert und gestritten. Bis jetzt ist sie nicht erfolgt.

Mehr zu Otto Raggenbass in unserem aktuellen Heft auf Seite 55 im Interview mit Historiker Arnulf Moser. Dieser Text erschien ebenfalls im Märzeheft von Saiten.

 

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
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Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
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Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah