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Olma: Wo die Rückschweiz stickt

Die IG Volkskultur ist Ehrengast an der diesjährigen Olma. Spitzensticken und Schelleschötte in Ehren – aber mit dem Volk und der Kultur der real existierenden Schweiz hat das nichts zu tun.
Von  Peter Surber , 

Am 15. Oktober 1989 schmurgelt im St.Galler Gaiserbahnhof ein letztes Mal die Zündschnur. 35 Tage vorher, am 11. September um 16 Uhr hatte sie der Künstler Roman Signer im Bahnhof Appenzell feierlich in Brand gesetzt. Mit provokativer Langsamkeit hatte sie sich von dort entlang dem Trassee der Appenzeller Bahn nach St.Gallen gezüngelt, zweieinhalb Minuten brauchte sie für einen Meter.

Es war eine Initial-Zündung, auch inhaltlich: «Auf ihrem Weg, der zwei Kantonsgrenzen querte, löste die Zündschnur teilweise heftige Reaktionen und Irritation aus und wurde so auch zum Gesprächsfaden; gleichgültig liess sie niemanden», kann man auf der Plattform «Zeitzeugnisse» nachlesen.

Die Zündschnur war eine von mehreren Aktionen im Kulturprogramm der beiden Appenzell als Gastkantone der Olma – ein Programm abseits der Sennenklischees, das einschlug. Die Olma und ihr Kulturprogramm: Das gehörte Jahr für Jahr zusammen und hatte (meistens) Profil.

30 Jahre später: Gastkantone sind immer schwerer zu mobilisieren; Ehrengast der diesjährigen Olma ist die IG Volkskultur. Auf an die Olma also! wieder einmal und exakt am 15. Oktober, 30 Jahre nach Signer.

In Halle 9.2. ist die Sonderschau «Dresscode» zur Trachtenkultur zu sehen, von weitem tönen Kuhglocken. Am Eingang will man am «Familia»-Stand wissen, welcher Müesli-Typ ich sei. Weiter, zum Crashkurs Schelleschötte. Ein paar Mutige sind am Üben. Rechts eine gestickte Schweiz, das Werk des VSS, des Vereins Schweizer Spitzenmacherinnen. 1000 Arbeitsstunden seien für die Spitzenschweiz aufgewendet worden, steht in Handschrift geschrieben. Und daneben: Bitte nicht berühren.

Im Hintergrund der Halle ist das Trachtenvolk aus allen Landesteilen zu bewundern. Eine Besucherin erklärt vor einer der Schaufiguren den Unterschied der Frauentrachten vom rechten und vom linken Zürichseeufer, beobachtet von einem Appenzeller Senn mit Lindauerli.

Die Zeit steht still. So still wie die (im übrigen prächtigen) historischen Figurinen. Frauen und Männer in Tracht sind am Weben, Strohschnüren, Sticken, Scherenschneiden. Hackbrettbauer Alder erklärt Besuchern sein Instrument. Das Restaurant serviert Ghackets und Hörnli.

Olma. Schweizer Volkskultur, wie sie die gleichnamige IG versteht, die als Ehrengast für die Sonderschau zuständig ist. Rund 400’000 Aktive vertritt die IG, von der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Volkstanzkreise über die Hornusser-, Schwinger-, Drehorgel- und Jodlerverbände, «Radio Tell» und «Goldenem Violinschlüssel» bis zur Trachtenvereinigung und dem Zupfmusik-Verband.

Schweizer Volkskultur? Nicht vertreten sind in der IG die Basler Fasnacht, der Bündner Chalandamarz oder die Genfer Escalade, das Innerrhoder Gebetsheilen, das Jassen und Köhlern, Kegeln, Platzgen, Stadtgärtnern oder Sternsingen, die Schweizer Typografie, die Zürcher Seidenindustrie, die Bieler Zweisprachigkeit, die Zürcher Wohnbaugenossenschaften, Raclette und Fondue, die Kultur der Sinti und Roma, die Kunst des Dachdeckens im Tessin, die Saatguterhaltung, das Autonome Jugendzentrum in Biel, die direkte Demokratie oder der Umgang mit der Lawinengefahr. All diese und Dutzende weiterer helvetischer Besonderheiten finden sich auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz.

Acht dieser Traditionen bewerben sich zudem für die Unesco-Welterbeliste, drei davon sind inzwischen aufgenommen: das Winzerfest von Vevey, die Basler Fasnacht und der Umgang mit der Lawinengefahr. Andere, darunter die Alpsaison oder die Schweizer Typografie, sind auf der Warteliste.

Vom Alpsegen bis zur Street Parade stehen diese Traditionen für ein Land der Vielfalt, für eine Schweiz der Bewahrung ebenso wie der Erneuerung, für Stadt und Land. In Halle 9.2 sucht man sie vergeblich, an der Olma gibt es nur die Retroschweiz.

Nebenan in Halle 9.1. schwebt über dem Stand der Eierproduzenten ein riesiges Ei, rundherum riecht es nach Gruyère, Appenzeller, Vacherin, wird Kambly und Kägi und Emmi und Goba und Zwicky und Bschüssig degustiert. Die Äpfel sind suisse garantie, die Neue Schweiz ist nicht einmal kulinarisch existent, kein Thaicurry, kein Falafel, keine Cevapcici weit und breit.

Draussen in der Arena bläst das Militärspiel der Log Br 1, ein Arbeiter schaufelt zwischen den Soldaten Pferdeäpfel zusammen. Vor dem Ausgang drei Alphörner. Auf dem Jahrmarkt verkauft einer hölzerne Wursthobel. Keine Zündschnur in Sicht, weit und breit.

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

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Jock Kobels zweiter Fall

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Der Hai­fisch beisst wie­der zu

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Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

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Von Liliia Matviiv,