Kategorie
Autor:innen
Jahr

Rastlos engagiert für eine fairere Welt

2018 legte die St.Galler Historikerin Marianne Jehle-Wildberger eine Biografie über Dora Rittmeyer-Iselin vor. Jetzt folgt ein Buch über Susanne Steiner-Rost. Auch sie war eine unendlich engagierte Frau, und auch sie hatte einen seelenverwandten Mann, mit dem sie eine partnerschaftliche Beziehung verband. Von Peter Müller
Von  Gastbeitrag , 

An einem Festakt im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen referierten im Juni drei St.Galler Politikerinnen: Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin Laura Bucher und Stadtpräsidentin Maria Pappa. Susanne Steiner-Rost hätte sich ebenfalls für eine Politkarriere geeignet – wenn sie später geboren worden wäre.

Mit Jahrgang 1908 konnte sie sich nur für die Anliegen der Frauen engagieren – vielfach ehrenamtlich. Sie machte das mit Beharrlichkeit und Engagement, erzielte Erfolge, erlitt aber auch Niederlagen.

«Susanne Steiner-Rost gehörte zur kleinen Gruppe von Schweizer Frauen, die rund um den Ersten Weltkrieg geboren wurden, zumeist über universitäre Bildung verfügten (…) und sich von den späten zwanziger Jahren bis 1971, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, unermüdlich für die politischen und sozialen Rechte der Frauen einsetzten», schreibt Marianne Jehle-Wildberger in ihrer Biografie über diese ungewöhnliche Frau. «Sie waren es, diese vielleicht einige Hundert Frauen, die in Führungsstellen von Frauenorganisationen und von Sozialwerken und in anspruchsvollen Berufen die Knochenarbeit leisteten, die es brauchte, um die Männer und die vielfach zögernden Frauen von ihren Anliegen zu überzeugen.»

Das Reich Gottes auf Erden

Susanne Steiner-Rost, Tochter eines Grafikers und einer Hebamme, wuchs in einem stark religiös geprägten Umfeld in Zürich auf. Ihre eigentliche geistige Heimat fand sie später im religiösen Sozialismus. Das Reich Gottes, so dessen Grundgedanke, sollte möglichst schon auf dieser Erde ein stückweit realisiert werden – mit einem tätigen Engagement für gerechtere, sozialere und menschlichere Welt.

Susanne Rost als Oberin der Pflegerinnenschule. (Bild: pd)

Dass es hier allenthalben Handlungsbedarf gab, ob in der Gesetzgebung, in der Arbeitswelt oder in der Bildung, wusste sie auch aus ihrem eigenen Erleben. Sie hatte als promovierte Juristin Schwierigkeiten, ein Berufsleben aufzubauen, und ihr kranker Vater hatte im Alter mit einer schmalen Rente auszukommen. Und als sie 1945 heiratete, musste sie ihre Stelle als Leiterin der Schweizerischen Pflegeschule in Zürich nach fünf Jahren aufgeben. Eine verheiratete Oberin – das konnten sich ihre Vorgesetzten offenbar nicht vorstellen.

Einblick in viele Baustellen

So zog sie 1945 mit ihrem Mann Paul Steiner nach St.Gallen und gründete eine Familie. Bald kamen zwei Söhne auf die Welt. Was sie dann alles machte – die Biografie von Marianne Jehle-Wilderberger kann es nur in geraffter Form erzählen. Gelegentlich wirkt das etwas knapp, vor allem bei den juristischen Themen.

Und doch liest man diese Biographie mit Gewinn. Zum einen bietet sie ganz konkrete Einblicke in die vielen politischen und sozialen «Baustellen», die es in der Schweiz nach 1945 gab: Warum sind den Frauen so viele Berufe verwehrt? Warum gibt so viele pensionierte Pflegefachfrauen in prekären Verhältnissen? Warum gibt es im Lehrpersonal der Kantonsschule St.Gallen nur eine einzige Hauptlehrerin?

Marianne Jehle-Wildberger: Du bist wirklich souverän, Die religiös-soziale Anwältin Susanne Steiner-Rost (1908-1991). Theologischer Verlag Zürich und Verlagsgenossenschaft St.Gallen, 2021. 30.-

Fesselnd ist aber auch die Person. Susanne Steiner-Rost war eine Intellektuelle, hoch gebildet, vielseitig interessiert, blitzgescheit und weise. Juristin, SP-Mitglied, Feministin und feministische Theologin. Sie war charakterfest und pflichtbewusst, beharrte auf ihren Überzeugungen und konnte etwas missionarisch wirken. Umgekehrt hatte sie aber auch liebenswerte und mütterliche Züge. Ihr Auftreten war schlicht, aber elegant. Und fast ein ganzes Leben lang engagierte sie sich gegen Alkohol- und Tabakkonsum.

Als Feministin setzte sie sich für Rechtsgleichheit ein, für die Verbesserung der Lebensrealitäten und Lebenschancen von Frauen. So vertrat sie die Auffassung, dass sich Männer und Frauen in ihrem Wesen unterscheiden und beide Wichtiges in eine Beziehung einbringen. Ihre Beziehung soll partnerschaftlich sein, auf Augenhöhe. Besonders betont wurde von ihr die «Mütterlichkeit» – eine Gabe, die auch kinderlosen Frauen gegeben sei. Die Frauen seien verpflichtet, sie einzusetzen, zum Wohl der ganzen Gesellschaft.

Ein «Anwalt des kleines Mannes»

Der wohl wichtigste Mensch in ihrer Leben war ihr Mann Paul Steiner (1904-1979), Pfarrerssohn und ebenfalls Jurist, mit dem sie eine kongeniale, partnerschaftliche Beziehung verband. Paul Steiner entwickelte sich nach 1945 zu einem der bekanntesten und angesehensten SP-Politiker des Kantons St.Gallen. Ein unermüdlicher Schaffer, gründlich, brillant und temperamentvoll, engagierter Parlamentarier und «Anwalt des kleinen Mannes». Bei seinem ganzen Tun war er bestrebt, den sozialdemokratischen Idealen nachzuleben und sie gleichzeitig mit den christlichen Geboten der Nächstenliebe, der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit in Erfüllung zu bringen.

Sein Unfalltod auf einer Wanderung traf Susanne Steiner-Rost tief. Ausgerechnet auf einer Wanderung in der freien Natur. Sie und ihr Mann hatten früh erkannt, zu welchen ökologischen Problemen die Hochkonjunktur nach 1945 führen würde. In aller Schärfe hatten sie die herrschende Wachstumseuphorie kritisiert und sich selber bemüht, möglich ökologisch zu leben.

Susanne Steiner-Rost (stehend) mit ihrer betagten Mutter und ihrer Schwester Elisabeth. (Bild: pd)

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof