Zack, eins auf den Hinterkopf, verbunden mit der Frage: Heute schon genickt? Ei war das lustig an unserer Schule, und manchmal auch weniger. Ob die schlagende Frage auf heutigen Pausenplätzen noch der Brauch ist? Wäre allenfalls eine kleine soziologische Studie wert: zu erheben die gesellschaftlich fabrizierten oder eben provozierten Abnicker-Rituale in Relation zum Anteil der notorischen Neinsager. Was für ein Hafenkäse! dachte ich und haute mir eins auf den nassen Hinterkopf, angesäuselte Trübtassenexistenz am Rand einer Jahresend-Vereinsvöllerei in der parfümierten Toilette eines schäbig ambitionierten Lokals.
Es gab in unserer Tischgemeinschaft manche Ausfälle zu beklagen, passend zu den Tiefschlägen einer niederschmetternden Zeit wurden die Nächsten und die Liebsten von Magendarm- und anderen Viren sowie allerhand Seelenleiden niedergestreckt. Doch die, die noch konnten, machen jetzt allen Viechern in ihren Eingeweiden und überdies den sowieso vorherrschenden schwarzen Gedanken mit Quittenschnaps den Garaus.
Nein, nicht schon wieder! Das Getöse des Händetrockners riss mich in Windeseile aus dem intimen Verweilmoment. Welcher Teufel hat nur alle Beizen und Betriebe geritten, darunter sogar sympathische und solche, die man einst alternativ nannte, dass die meisten von ihnen plötzlich einen sogenannten Dyson-Airblade-Apparat installiert haben? Es sei der schnellste und hygienischste und günstigste, heisst es, aber vor allem ist er garantiert der weltweit lauteste. Nichts anderes als ein Hassgenerator am Ort friedlichen Verdauens, und häufiger schon habe ich dem Nebenblödmann, der seine Hände in den Schlitz steckte, gewünscht, dass da statt Heissluft scharfe Messerklingen ihren Dienst täten, oh je, welch schreckliche Fantasie.
Kaum draussen, stolperte ich in die nette Gisela, lange nicht gesehen, ausgerechnet sie, ein Ausbund gutmütiger Besorgtheit; die Giselkröte, wie wir sie fies genannt hatten, damals im Jugendtreff unserer Siedlung am Grossen See, als sie uns als vermutliche Problemjugendliche immer allerliebst überbetreut hatte, Giselkröte, weil sie, also vor allem ihr Hals, an eine Erdkröte erinnerte. Die nette Gisela, im Alter noch genau die gleiche Allmenschenfreundin, sprach mir nach einem kurzen Wortgeplänkel sofort ins Gewissen: Oh Charlie, du bist ja immer noch ein grosser Neinsager, das geht irgendwann auf die Pumpe, du musst häufiger Ja sagen. Oder die Dinge, wie sie meinte, einfach einmal so stehen lassen. Und zwischendurch, wenn immer du kannst, einen Wildfremden umarmen. Sonst bleibst du ein nichtiger Nein-Nichtsnutz … Und so weiter.
Ich war baff. Ja sagen, ja genau, Ja, Ja, Ja, puh, Ja oder wenigstens Hm sagen zum Dyson-Händetrockner und all den sonstigen Sachen, die mir ständig natürlich auf den Nerv gehen, fangen wir gar nicht an, die Liste ist endlos. Ich schnaubte vor Wut und ging mit jeder Pore auf Ablehnung. Die Gisela-Hippietanten und Konsorten können einem noch genau so gestohlen bleiben wie damals. Doch irgendwie hatte ihr Zureden einen Nerv getroffen: Schon in der Nacht kamen mir ihre Worte hoch, wie Schwaden eines grundlegenden Gutgüterumschlags, und am Morgen, im wackligen Rumpelbus in grimmiger Fahrzweckgemeinschaft auf dem Weg durch die verarmte Vorstadt, eingelullt vom gräulichen Gallenwinter vorbei an der Blaukreuz-Brockenstube und dem gebleichten Schweizerkreuz am Balkon in der Kreuzbleiche, da wurde mir schlagartig bewusst: Du kannst so nicht weitermachen, nicht in der Welt, wie sie geworden ist.
Ich blätterte in meinen Notizen und fand einen Satz aus einer Fernsehkrimiserie: Verurteile nie die Last, die ein anderer trägt. Ich nahm mir vor, der netten Gisela eine nette Karte zu schreiben. Danke, der depperte Charliewüterich wird nicht mehr wüten, und schon gar wegen ihresgleichen und gegen seinesgleichen, er wird gute Energien haben und sie nötigenfalls dort einsetzen, wo andere zurecht noch wüten. Natürlich auch mal dagegen. Und schon haute ich mir wieder eine auf den Hinterkopf.
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.