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Sag einfach Ja, Hm, Ja.

Dem grossen Neinsager Charles Pfahlbauer jr. ist etwas bewusst geworden: Er kannst so nicht weitermachen, nicht in der Welt, wie sie geworden ist.
Von  Charles Pfahlbauer jr. , 

Zack, eins auf den Hinterkopf, verbunden mit der Frage: Heute schon genickt? Ei war das lustig an unserer Schule, und manchmal auch weniger. Ob die schlagende Frage auf heutigen Pausenplätzen noch der Brauch ist? Wäre allenfalls eine kleine soziologische Studie wert: zu erheben die gesellschaftlich fabrizierten oder eben provozierten Abnicker-Rituale in Relation zum Anteil der notorischen Neinsager. Was für ein Hafenkäse! dachte ich und haute mir eins auf den nassen Hinterkopf, angesäuselte Trübtassenexistenz am Rand einer Jahresend-Vereinsvöllerei in der parfümierten Toilette eines schäbig ambitionierten Lokals.

Es gab in unserer Tischgemeinschaft manche Ausfälle zu beklagen, passend zu den Tiefschlägen einer niederschmetternden Zeit wurden die Nächsten und die Liebsten von Magendarm- und anderen Viren sowie allerhand Seelenleiden niedergestreckt. Doch die, die noch konnten, machen jetzt allen Viechern in ihren Eingeweiden und überdies den sowieso vorherrschenden schwarzen Gedanken mit Quittenschnaps den Garaus.

Nein, nicht schon wieder! Das Getöse des Händetrockners riss mich in Windeseile aus dem intimen Verweilmoment. Welcher Teufel hat nur alle Beizen und Betriebe geritten, darunter sogar sympathische und solche, die man einst alternativ nannte, dass die meisten von ihnen plötzlich einen sogenannten Dyson-Airblade-Apparat installiert haben? Es sei der schnellste und hygienischste und günstigste, heisst es, aber vor allem ist er garantiert der weltweit lauteste. Nichts anderes als ein Hassgenerator am Ort friedlichen Verdauens, und häufiger schon habe ich dem Nebenblödmann, der seine Hände in den Schlitz steckte, gewünscht, dass da statt Heissluft scharfe Messerklingen ihren Dienst täten, oh je, welch schreckliche Fantasie.

Kaum draussen, stolperte ich in die nette Gisela, lange nicht gesehen, ausgerechnet sie, ein Ausbund gutmütiger Besorgtheit; die Giselkröte, wie wir sie fies genannt hatten, damals im Jugendtreff unserer Siedlung am Grossen See, als sie uns als vermutliche Problemjugendliche immer allerliebst überbetreut hatte, Giselkröte, weil sie, also vor allem ihr Hals, an eine Erdkröte erinnerte. Die nette Gisela, im Alter noch genau die gleiche Allmenschenfreundin, sprach mir nach einem kurzen Wortgeplänkel sofort ins Gewissen: Oh Charlie, du bist ja immer noch ein grosser Neinsager, das geht irgendwann auf die Pumpe, du musst häufiger Ja sagen. Oder die Dinge, wie sie meinte, einfach einmal so stehen lassen. Und zwischendurch, wenn immer du kannst, einen Wildfremden umarmen. Sonst bleibst du ein nichtiger Nein-Nichtsnutz … Und so weiter.

Ich war baff. Ja sagen, ja genau, Ja, Ja, Ja, puh, Ja oder wenigstens Hm sagen zum Dyson-Händetrockner und all den sonstigen Sachen, die mir ständig natürlich auf den Nerv gehen, fangen wir gar nicht an, die Liste ist endlos. Ich schnaubte vor Wut und ging mit jeder Pore auf Ablehnung. Die Gisela-Hippietanten und Konsorten können einem noch genau so gestohlen bleiben wie damals. Doch irgendwie hatte ihr Zureden einen Nerv getroffen: Schon in der Nacht kamen mir ihre Worte hoch, wie Schwaden eines grundlegenden Gutgüterumschlags, und am Morgen, im wackligen Rumpelbus in grimmiger Fahrzweckgemeinschaft auf dem Weg durch die verarmte Vorstadt, eingelullt vom gräulichen Gallenwinter vorbei an der Blaukreuz-Brockenstube und dem gebleichten Schweizerkreuz am Balkon in der Kreuzbleiche, da wurde mir schlagartig bewusst: Du kannst so nicht weitermachen, nicht in der Welt, wie sie geworden ist.

Ich blätterte in meinen Notizen und fand einen Satz aus einer Fernsehkrimiserie: Verurteile nie die Last, die ein anderer trägt. Ich nahm mir vor, der netten Gisela eine nette Karte zu schreiben. Danke, der depperte Charliewüterich wird nicht mehr wüten, und schon gar wegen ihresgleichen und gegen seinesgleichen, er wird gute Energien haben und sie nötigenfalls dort einsetzen, wo andere zurecht noch wüten. Natürlich auch mal dagegen. Und schon haute ich mir wieder eine auf den Hinterkopf.

 

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

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Es kratzt, knallt und schep­pert

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Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

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Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

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Mehr als Jazz im Kult­bau

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«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

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Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

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Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd