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Ladenlokale und Waschbären

Charles Pfahlbauer jr. über die Operation Strukturwandel im Zentrum der Ostrandzone, den alten Chinesen, geschmuggelte Oliven und ganz wichtig: die Pflege der Siebenschläfer in der Gallenstadt.
Von  Charles Pfahlbauer jr.

Hey hey, mei mei, war das ein Ideenbasar! Allein der Name sorgte für Kreativitätsschübe, wie wir sie lange nicht erlebt hatten: Hipfahllaria! Pfahlster! Pfanalog! Vintagepfahladies! Retropia! Ruprechts Rache! Pfahlhalla! Sankt Phallbau! Und so weiter. Freifröhlichste Assoziationsströme. Sie flossen am Tag, als der Grosse Regen kam und wir im grösseren Kreis mit Miesmuscheln-Spaghetti, Grillsalami, Stangenbohnensalat und üppig Weisswein den Herbstanfang feierten. Und dass die Wahlen bald vorbei wären, die uns wie immer, ob National-, Kantons-, Stadt- oder Gemeinderatswahlen, in unseren christlichsozial verwalteten Genossenschaftshäusern am Steilhang die sonnigen Köpfe der Ceevaupee vor die Eingänge beschert hatten. Wobei uns die gruslige Wahlchose um den alten Chinesen und seine Mannschaft ziemlich kalt liess. Addams Family oder Munsters? Darüber hätte unsereiner vielleicht vor fünfzig Jahren noch streiten können.

Aber eben, ein Reizbegriff hatte alle auf den Plan gerufen: Freie Ladenlokale St.Gallen. So hiess nicht wie erwartet eine brandneue Gähnband aus der Gallenstadt, die es wieder einmal mit deutschen Texten versuchen wollte. Sondern ein Gefäss auf dem Wurmfortsatz der Nichtigkeiten, das Kranich, unser Fachbeauftragter für sonderbare Medien, entdeckt hatte. Der schlaksige Wuschelkopf checkte für uns, wie man so sagt, all die frischen Locations und partizipativen Bewegungen; neuerdings verkehrte er zum Beispiel im Lattich und im Museum der Leere, was er beides nur halbherzig empfahl. Freie Ladenlokale St.Gallen, rief Kranich, das ist die kommende Bewegung, das ist die neue Expo! Wenn die Krämer erst verschwunden sind, kommen die Kleinpfähler. Und wenn der Jumbo die Gallenstadt liquidiert, bauen wir sie nigelnagelneu auf! Wie immer übertrieb er ein bisschen, doch wir sahen sofort seinen Punkt: Operation Strukturwandel im Zentrum der Ostrandzone! Was den einen ihr Leid, ist den unsern eine Freud!

Pfahlbauer-Läden an jeder Ecke, Schmalhansens Furzflohmarkt, Sumpfbibers Steinsammlung, Rotbackes Segeltuchlabyrinth, Henriettes Gummikleintierzoo! Und ernsthafter: Pickelpavels tschechische Alkoholkollektion, waghalsige Direktlieferung garantiert. Harry Grimms geschmuggelte Merguez, Salamis und Oliven, für einmal für alle offiziell ausgelegt. Wir würden endlich zeigen, wieviel wir der gebeutelten Gallenstadt in all den Jahren an Lebenszuschüssen gebracht hatten. Allein unsere Pflege des Tierlebens verdiente einen ständigen Schaukasten! Die vielen Quartierkatzen, denen wir gut zugeredet und mit denen wir – ach der verschwundene rote Läufer! – so manche Geländermeter zurückgelegt hatten. Die jungen Füchse, die wir am Hang betreut hatten. Die beiden Dachse, die wir gefüttert hatten. Die Mäuse, Hühner, Krähen, die Waschbären und die Siebenschläfer, die wir ausgesetzt hatten. Vor allem die Siebenschläfer. Wie die für Belebung sorgten in der sterbenden Innengallstadt.

So blitzartig der Ideensprühregen gekommen war und so hell die Visionen funkelten, so schnell machte sich auch eine gewisse Ermattung breit. Und dann trat Pavels Kumpel, ein bleicher Italiener, vehement auf die Spassbremse: Ihr habt keine Chance, lallte er, erstens sind noch die randständigsten freien Ladenlokale jenseits all eurer Budgets, und zweitens werden auch die wieselflink von den vorherrschenden Interessensgruppen eingenommen sein, als da kommen Nagelstudios, Hipsternippeslädeli, Autogaragen, Yogastudios, Tätowierschuppen, Digitalgalerien, Flexibastelräume, was halt so läuft. Prompt war der Stecker draussen, die Stimmung am Boden. Kurz bevor die ganze Miesmuschelrunde angesäuert kippte, machte Sumpfbiber einen Vorschlag zur Güte: Lasst uns wieder einmal Melancholia schauen, schöner Sterben in Hunter-Stiefeln, morgen sieht die Welt ganz anders aus. Wir liessen es uns gefallen. Aber die Faszination blieb: Freie Ladenlokale St.Gallen, ein Zauberwort für eine Zukunft, die nicht in Zureich enden muss.

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

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Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

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Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

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Offener Brief an die Bundespolitik

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In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

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Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

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03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

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Von  Judith Schuck
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St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

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Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv