Gut Ding will Weile haben – aber nun soll es klappen: Die Stadt St.Gallen soll ein Veloverleihsystem bekommen, wie es bereits viele andere Städte eingeführt haben. Der Stadtrat hat eben den Postulatsbericht zu einem fast zehn Jahre alten Vorstoss der Stadtparlamentarierinnen Doris Königer (SP), Thomas Brunner (GLP) und Stefan Rosenblum (CVP) veröffentlicht.
Nägel mit Köpfen
In einer ersten Etappe sollen in St.Gallen ab Frühling 2020 rund 150 E-Bikes für den Verleih bereit stehen – in der hügeligen Stadt sollen alle Leihvelos motorisiert sein. Weil der Stadtrat keine fixen Stationen will und höchstens an neuralgischen Punkten wie am Bahnhof, an der Universität, beim Kantonsspital oder bei grossen Unternehmen speziell bezeichnete Abstellplätze markieren will, gibt es ein klar favorisiertes System: Die in Zürich bereits fahrenden Smide-E-Bikes.
Der Stadtrat will aber auch Dinge, die Smide nicht anbietet: Man solle die Velos auch ohne vorherige Registrierung spontan nutzen können, via Smartphone-App und Kreditkarte. Bei Smide ist eine Registrierung nötig, denn dabei handelt es sich um schnelle E-Bikes der Firma Stromer, deren Motoren bis zum Tempo von 40 km/h unterstützen. Deshalb sind Fahrausweis und Helm obligatorisch. Den herkömmlichen Velos gleichgestellt sind nur E-Bikes, die bis zu 25 km/h schnell sind.
Der Stadtrat hat auch schon weiteres abgeklärt. Er plädiert in einer ersten Phase für 150 Velos. Die Zahl könnte sich bei guter Nutzung verdoppeln. Namentlich dann, wenn sich die Region Appenzell AR / St.Gallen / Bodensee mit insgesamt 43 Gemeinden für das gleiche System entscheiden würde. Die Stadt will aber die Velos nicht selbst beschaffen und setzt auch beim Betrieb auf Drittanbieter. Erst die Submission wird zeigen, ob Smide all diese Anforderungen erfüllen kann. Bei der Gründung dieses Anbieters war die Mobiliar-Versicherung Geburtshelferin – inzwischen hat das Management die Firma übernommen.
Enkeltauglich und konzepttreu
Der Stadtrat plädiert ganz grundsätzlich für ein Veloverleihsystem. Zwar können schon heute in der Velostation unter der Fachhochschule Fahrräder ausgeliehen werden, die Nutzung werde aber deutlich besser, wenn Velos überall in der Stadt bereit stehen und abgestellt werden können. Das sei dann auch eine Massnahme zur Umsetzung des Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung.
Diese Reglement wurde erst im März in der Volksabstimmung indirekt bestätigt: Die Stimmberechtigten haben die «Mobilitätsinitiative» der bürgerlichen Parteien, die dieses Reglement aufheben wollte, mit 68 Prozent deutlich abgelehnt. Mehr Velo- und weniger motorisierter Verkehr entspreche auch dem Mobilitätskonzept 2040 und dem Energiekonzept 2050 der Stadt, argumentiert der Stadtrat.
Ausserdem werde ein Veloverleih das Image der Stadt als fortschrittliches Zentrum der Ostschweiz untermauern – selbst dann, wenn sich am sogenannten Modalsplit (der Aufteilung der Fahrten auf die verschiedenen Verkehrsträger) nur marginal etwas ändern werde. Im nationalen Vergleich ist gemäss Studien (Infos hier oder hier) St.Gallen weiterhin eine Autostadt.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.