Kategorie
Autor:innen
Jahr

Tanz mit dem Teufel

Das neue Album der Velvet Two Stripes, «Devil Dance», lebt von harten Blues-Riffs. Am Sound der drei St.Gallerinnen ist nichts Revolutionäres, aber er ist definitiv gereift.
Von  Roman Hertler , 
Velvet Two Stripes im Berliner Aufnahmestudio: Sara Diggelmann, Franca Mock und Sophie Diggelmann (v.l.). (Bild: Thomas Neukum)

Sich neu zu erfinden war definitiv nicht das Ziel der Velvet Two Stripes. Unbeweglich bleiben die drei St.Galler Blues-Rockerinnen deswegen noch lange nicht, wie sie auf ihrem zweiten Album Devil Dance unter Beweis stellen. Das Writing und die Arrangements sind seit der EP Got Me Good (2017) – und seit ihrem Erstling VTS (2014) sowieso – gereift.

Das Rezept bleibt dasselbe: eine klassisch-minimalistische Rockbesetzung (Gitarre-Bass-Schlagzeug-Gesang), eine schnoddrige Attitüde und harte Bluesriffs mit viel Fuzz, die hörbar in ausufernden Jam-Sessions entstanden sind, und nicht im stillen Kämmerlein erdacht und mühsam zusammenkomponiert wurden.

Velvet Two Stripes: Devil Dance, erschien als self-release am 8. Februar und ist auf diversen Online-Plattformen erhältlich.

velvettwostripes.com

Velvet Two Stripes machen bis heute
 keinen Hehl daraus, woher ihre musikalische Inspiration kommt. Noch immer haben
sie ihre Wurzeln in den Rolling Sixties
 und Seventies, und deren Wiedergeburt in 
der Indie-Welle der Nullerjahre. Da klin
gen Janis Joplin und Velvet Underground 
ebenso mit wie Jack White oder Wolfmother. Musikalisch dreht sich alles um 
Sara Diggelmanns Leadgitarre, kraftvoll sekundiert von ihrer Schwester Sophie (Gesang und Rhythmusgitarre) und Franca Mock (Bass und Backing Vocals).

Immer geradeaus

Der Song Devil Dance erschien zwar schon auf der EP vor zwei Jahren. Da er aber auf den Punkt bringt, was die Band seit jeher ausmacht, sollte der Song jetzt wieder mit aufs Album und ihm gleich auch seinen Namen geben. Darin geht es um den Ausbruch aus der inneren und äusseren Enge. Es ist ein wütender Schrei nach Freiheit.

Velvet Two Stripes live:
6. April, 22:30 Uhr, EXREX St.Gallen, am Saiten-Jubiläumsfest.

Devil Dance ist weit entfernt auch eine Reminiszenz an 
den legendären Ur-Bluesgitarristen Robert Johnson, den King of the Delta Blues, der seine Seele dem Teufel verkauft haben 
soll, um besser Gitarre spielen zu können. Mit dieser Leder-, Teufel- und Whiskey-Ästhetik kokettieren die drei St.Gallerinnen noch immer, ohne sich dabei irgendwo anzubiedern. Dieser Lack blättert nicht. Sie gehen aufrecht weiter, ohne nach links und rechts 
zu blicken.

Auch textlich bleiben sich die Velvet Two Stripes treu: 
Sie verzichten auf politische Statements oder tiefenphilosophische Abhandlungen. Die Texte, die immer erst nach der Musik entstehen, behandeln Themen und Gefühle, die die meisten kennen: Rausch, Kater, Liebe, Schmerz. Für einige mag das abgedroschen klingen. Das dürfte den Stripes aber herzlich egal sein. Sie haben sich in dem, was sie tun, gefestigt, und das hört man. Es sind zwar immer noch dieselben Riffs, wie man sie schon vor 20 und 50 Jahren gehört hat. Aber sie machen eben noch immer Spass.

 

Die Velvet Two Stripes haben ihren Sound gefunden, und der kommt sehr gut ohne Schnickschnack und viel Instrumentengeplänkel aus. Gitarre einstöpseln und ab die Post. Da und dort hat sich Produzent Tim Tautorat (Manic Street Preachers, Annenmaykantereit, Turbostaat, The Hirsch Effekt) aus den Berliner Hansa Studios zwar zu der einen oder anderen Orgeleinlage hinreissen lassen – beispielsweise im pompigen Intro des Openers Gypsy oder dem psychedelisch-schwelgenden Zwischenteil
 von Madeline. Das kommt zwar gut daher, unterstützt aber letztlich nur und wird nie zum tragenden Element. Auch hierbei bleiben sich die St.Gallerinnen treu: Was live nicht mit Gitarre, Bass und Drums umsetzbar ist, bleibt weg.

Vielschichtiger als die Vorgänger

Ein wichtiges neues Stilelement auf Devil Dance sind die öfters zum Einsatz kommenden Percussion-Elemente. Eggs, Shakers und vor allem die Cow Bells bringen dem Sound zusätzliche Dynamik. Zum Groove trägt wesentlich der Bündner Drummer Carlo Caduff bei, der die Velvet Two Stripes einige Zeit auf Tour begleitete, sich dann aber fix in Berlin niedergelassen hat. Devil Dance und Got Me Good hat er im Studio eingespielt. Live trommelt seit gut eineinhalb Jahren aber Dave Flütsch, ebenfalls ein Bündner. Zeichnet sich da ein Drummer-Beuteschema ab?

Das Album ist bei aller Geradlinigkeit vielschichtiger als die Vorgänger. Da sind durchaus Schlenzer möglich in leicht verlangsamtere Stonerrock-Gefilde wie in Lizard Queen oder im hallgeschwängerten Refrain von Somebody’s Fool. Gefällig ist etwa auch das arabeske Solo abseits des gängigen Bluesschemas in Sister Mercy.

Die Velvet Two Stripes experimentieren da und dort, ohne sich einem avantgardistischen Anspruch anzubiedern. Synthie und Drum-Machine dürfen getrost in der Mottenkiste bleiben. Devil Dance ist ehrlich, direkt und rau – und macht Lust auf Liveauftritte. Einer der nächsten ist beispielsweise am Saitenjubiläum am 6. April im ehemaligen Kino Rex. Kommt vorbei!

Dieser Beitrag erschien im Märzheft von Saiten.

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,