In der Romandie sagt man «faire du lèche-vitrines», in der Ostschweiz «lädälä». Gemeint ist dasselbe: der Einkaufsbummel. Dabei geht es vor allem darum, gemeinsam durch die Gassen zu schlendern, weniger ums Geldausgeben. Der Englische Begriff dafür trifft es ganz gut: Window Shopping.
Dies ist nur eine kleine Auswahl von Kulturveranstaltungen, die im Rahmen der Aktionstage Behindertenrechte in der ganzen Ostschweiz und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartner:innen stattfinden. Dazu gehören Vorträge, Matineen, Ausstellungen, Workshops Führungen, Vernetzungstreffen, ein Schreibwettbewerb und diverse kulturelle Veranstaltungen. Hier das ganze Programm: zukunft-inklusion.ch/sg-ar-ai
Um Schaufenster dreht sich auch die Ausstellung «Ein-Blick in meinen Autismus», die bis 10. Juni in der St. Galler Innenstadt zu sehen ist. Verschiedene Künstler:innen im Autismus-Spektrum zeigen hier ihre Sicht auf die Welt. Sie laden das Publikum ein, in ihre etwas andere, bunte, geordnete, vielschichtige Welt des Autismus einzutauchen. Dieser Bummel durch die St. Galler Innenstadt wird definitiv eine Bereicherung, selbst wenn die Einkaufstaschen dabei leer bleiben. Zu finden sind die Werke in den Schaufenstern von Credit Suisse, Hotel Dom, Klosterbarbier, Blaues Haus, Denk Bar und Shop Ahoi. Entstanden ist die Ausstellung als Zusammenarbeit von Autismushilfe Ostschweiz und Förderraum.
bis 10 Juni: «Ein-Blick in meinen Autismus» – Kunstausstellung in diversen Schaufenstern in der St.Galler Innenstadt.
Kreisen, steppen, wippen, shaken oder den Roboter machen: Dancemoves sind gefragt! In der Kulturfabrik Industrie36 in Rorschach veranstaltet «mensch-zuerst schweiz» am ersten Juniwochenende eine barrierefreie Party. Der Verein von Menschen mit Lernschwierigkeiten macht sich für eine Teilhabe ohne Barrieren an der Gesellschaft und am Gemeinwesen stark. Ganz im Sinne des Artikels 30 der BRK: Menschen mit Behinderungen sollen in der Freizeit überall dabei sein können. Dort sollen sie ihre kreativen und künstlerischen Fähigkeiten nutzen können. Nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft. Für tanzbare Musik sorgt DJ Gunter: Seine Tanz-Tracks der 70er- bis 90er-Jahre lassen niemanden kalt.
7. Juni: Tanz dich INKLUSIV, ab 19 Uhr, Kulturfabrik Industrie36, Rorschach
Der Verein Latzhose lädt auch dieses Jahr zum Latzhosen Air im Garten des Schwarzen Engels ein. Auf der Bühne sorgen verschiedene Menschen für ein abwechslungsreiches Programm: Der Tänzer, Schauspieler und Behindertenaktivist Damian Bright macht sich seit vielen Jahren für Inklusion stark und ist auf internationalen Bühnen unterwegs. Ausserdem liefern die Band Kaufmann Ostschweizer Mundartrock, der Zürcher Künstler Immer Wieder Wirsing nostalgischen Wave Sound, Mäty aus St. Gallen modernen R&B, die Zürcherin Nina Valotti verträumte Melodien und der BandXOst-Gewinner Paul Palud softe Indie-Songs. Hinterm DJ-Pult werden DJ Ladytiger Turnup 7000 und DJ V.L.G.G. für gute Stimmung im grünen Innenhof sorgen. Bei Regen wird die Bühne im Restaurant eingerichtet.
8. Juni: Latzhosen Air X Engel, ab 13 Uhr, Schwarzer Engel St. Gallen
Kreuzlingen, Walenstadt oder Tägerwilen: Die Protagonist:innen des Films Die 5 Selbst-bestimmten kommen alle aus der Ostschweiz und leben mit verschiedenen Beeinträchtigungen. Für dieses Filmprojekt von Pro Infirmis haben sie ihre Scheu abgelegt und sind vor die Kamera getreten. Sie berichten von den Herausforderungen in ihrem Alltag und leisten ein eindrückliches Plädoyer für mehr Selbstbestimmung.
Am 8. Juni treffen sich die Porträtierten im Toggenburg, wo sie auf Grossleinwand zu sehen sind. Das Kino Passerelle in Wattwil lädt zur Matineevorstellung mit anschliessender Podiumsdiskussion. Das Foyer ist vollständig zugänglich und der Kinosaal verfügt über einen Rollstuhlplatz. Beim Transfer in einen Kinosessel wird gerne unterstützt. Bei allfälligen Fragen steht Anita Eichmann zur Verfügung: 058 775 22 13.
8. Juni: Matineevorstellung «Vielfalt auf der Leinwand, Vielfalt auf der Bühne – gemeinsam für Inklusion», 10:30 Uhr, Kino Passerelle Wattwil
Yolanda «Yoli» Zingg, 1949, hat die Illustrationen für den Inklusions-Schwerpunkt im Juniheft beigesteuert. Auf den Bildern zu sehen sind unter anderem Roboter, die wie sie selbst gerne tanzen. Es finden sich aber auch verschiedenste weitere Figuren und Symbole, die ihr wichtig sind. Yoli Zingg lebt seit über 30 Jahren in Rehetobel in der Stiftung Waldheim. Zeichnen ist seit jeher ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie zeichne alles, wie sie sagt, Schmetterlinge, Regenbogen, Urwald, Sonnenschein. Inspiriert haben sie dabei auch die vielen Reisen, die sie früher mit ihren Eltern unternommen hat.
Schwerhörigkeit ist ein Thema, das sogar innerhalb barrierefreier Räume oft vernachlässigt wird. Hörbedingungen können in eine soziale Isolation führen und gelten nicht selten als Tabu. Konzert und Theater St. Gallen lädt gemeinsam mit Pro Audito ein, um darüber zu reden und daraus zu lernen. Auf dem Programm steht etwa ein «Talk im Studio» mit Dramaturgin Anja Horst und den Expert:innen und Betroffenen Evelyne Sägesser, Robert Hutter, Rahel Schlegel, und Nicole Lehmann-Payern. Abgerundet wird der Nachmittag mit dem Theaterstück Hedda Gabler von Henrik Ibsen. Im Liebesdrama ringen die Figuren mit den Mustern und Rollen, die ihnen die Gesellschaft vorgibt. Hedda Gabler und ihr Mann gelangen immer wieder an die Grenze der Sprache – Taten sind also gefragt. Die Vorstellung wird in Gebärdensprache übersetzt.
9. Juni: Dazu-geHÖREN, 15 bis 19 Uhr, Theater St. Gallen
Die Valida lädt zusammen mit Pro Senectute, dem Verein tiRumpel, der IG Reifes Lachen und den HEKS Gärten zu einem geselligen Grillabend im Gemeinschaftsgarten ein. Alle können ihre eigene Grillade mitbringen und diese gemeinsam an den verschiedenen Grillstellen zu einem Abendessen zubereiten. Eine schöne Gelegenheit, um neue Menschen kennenzulernen und einen langen Abend im Freien zu geniessen.
Die Brache Lachen ist seit ihrer Gründung ein Freiraum im Lachen-Quartier in St. Gallen und wird durch eben solche Veranstaltungen und viele andere Initiativen belebt. Hier können alle Generationen und Kulturen spielen, bauen, lernen, gärtnern, lachen – oder eben gemeinsam grillieren und in den hoffentlich sonnigen Sommer starten.
13. Juni: Begegnung im Gemeinschaftsgarten, 17 bis 21 Uhr, Brache Lachen, St. Gallen
Das Diogenes Theater in Altstätten zu einer ausser-gewöhnlichen 60-minütigen Aufführung ein: Menschen mit und ohne Behinderung erobern die Bühne und sprengen die Grenzen der Theater-Kunst. Klient:innen der Stiftung Waldheim gehen mit Theaterschauspieler:innen der Frage nach: «Was bedeutet Glück?» Dabei setzen sie Inklusion nicht nur in Szene, sondern erinnern gleichzeitig daran, dass es doch immer wieder die gleichen Themen sind, die uns alle etwas angehen. Im Theater – diesem Ort der Begegnung und des Miteinanders – dreht sich an diesem Abend alles um das Streben nach innerer Zufriedenheit, Erfüllung und Wohlbefinden. Damit werden sie leichtes Spiel haben, schliesslich kann niemand der Magie des Theaters ernsthaft widerstehen.
14. Juni: Was für ein Theater, 17 Uhr, Diogenes Theater Atstätten
Der Verein «Kultur für Alle» fordert und fördert den Zugang zu Kultur in der Ostschweiz für Kulturinteressierte und Kulturschaffende mit Behinderung. Er setzt sich ein für Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und Anerkennung. Zum krönenden Abschluss der Aktionstage Behindertenrechte läft «Kultur für alle» in die Grabenhalle zu einem bunten Kulturabend. BING&ZAPP wärmen die Bühne musikalisch vor, danach sind die Lachmuskeln dran. Der COMEDYexpress erwischt sie alle. Anschliessend tragen Joel Toggenburger und Gian Reto Janki Poetry Slam in Gebärdensprache vor. Und dann gehts auch schon rein ins grosse Tanzfinale: Bernarda feat. Eddy Delaluz groovt das Publikum ein und DJ V:L:G:G: liefert den schweisstreibenden Abschluss. Die inklusive Kulturveranstaltung lädt alle ein, gemeinsam Barrieren abzubauen, zu staunen – und die grossartige solidarische Community zu feiern!
15. Juni: Kultur für alle, ab 19 Uhr, Grabenhalle St. Gallen
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».