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Teresa, Maria und Nemo

In ihrem Stimmrechts-Auftakt schreibt Saiten-Kolumnistin Liliia Matviiv über den Eurovision-Songcontest und das Bauen sprachlicher Brücken.
Von  Liliia Matviiv , 
Liliia Matviiv, 1988, stammt aus Lviv in der Ukraine und ist Journalistin, Essayistin und Sozialaktivistin. (Bild: Ueli Steingruber)

Die Schweiz hat zum ersten Mal seit vielen Jahren den Eurovision Song Contest gewonnen. Und der nächste Wettbewerb könnte sogar in St. Gallen stattfinden. Wow.

Ich bin überhaupt kein Fan des ESC. Ich habe ihn einmal in meiner Kindheit gesehen, als die Ukraine gewonnen hat (2004). Ich bin mit Guns N’ Roses und all dem Heavy Metal aufgewachsen. Höchstens noch Peter Gabriel. Na gut, Glam Rock auch noch, Def Leppard. Jazz, Klassik … Was hat es auf sich mit diesem poppigen Contest?

Zum zweiten Mal sah ich den ESC hier in St. Gallen. Und wieder war die Ukraine dabei. Ich wachte an diesem Mai-Morgen auf, und das ganze Internet explodierte im Applaus. Und auch ich hatte eine Träne im Auge. Es war Magie.

Dieses Jahr traten für die Ukraine Rapperin Alyona Alyona und Sängerin Jerry Heil an. In ihrem Lied geht es um die Stärke ukrainischer Frauen, darum, wie sie sich gegenseitig unterstützen und um den Bruch mit Stereotypen. Die Lichtshow auf der Bühne erinnerte daran, was täglich in der Ukraine passiert. Es war so eine coole Performance – echte Kunst. Sie wurde von der weltbekannten Regisseurin Tanu Muino inszeniert. Damit erreichte die Ukraine den 3. Platz.

Aber den ersten Platz holte die Schweiz! Man jubelte auf der Strasse, als hätte der FC St.Gallen den Cup gewonnen. Die Schweiz hat seit 1988 mit Céline Dion nicht mehr gewonnen. Und sie richtete den ersten Wettbewerb 1956 in Lugano aus – und siegte. Dieses Jahr gewann die nicht-binäre Persönlichkeit Nemo mit dem Lied über das Recht, sich selbst zu sein. Und Nemo sang grossartig, wie ein junger Freddie Mercury im Pop-Stil.

Das war schon interessant. Aber dann stiess ich auf ein Video, in dem Nemo mit dem ukrainischen Duo ein Cover ihres Liedes singt. Und es war so gut, dass die Frauen ihm gleich einen ukrainischen Pass anboten. So ein kleines Detail – und es steckte so viel Wärme und Rührung darin. Das ist das Wichtigste – nicht blosses Networking, sondern echte menschliche Freundschaft. Die kann so entstehen und jahrelang bestehen. Austausch von Erfahrungen findet nicht bei offiziellen Anlässen statt, sondern irgendwo in den Fluren, auf der Strasse, wenn man einfach den anderen Menschen gegenübersteht und miteinander scherzt. So entdecken wir ganze Welten für uns.

Ein weiteres berührendes Video von hinter den Kulissen zeigte, wie Nemo sagte, dass die Ukrainer:innen einfach unglaublich sind und es toll wäre, sie mal zu besuchen. Im Deutschen gibt es das Wort «Brückenbauer». Interkulturelle Diplomat:innenen, Menschen, die Brücken schlagen. Der Begriff drückt wunderbar das aus, worum es uns allen geht: Wie man eine gemeinsame Sprache findet, etwas zusammen erschafft.

Zu den Städten, in denen der nächste ESC stattfinden könnte, gehört auch St.Gallen. Wunderbar! Die Welt sollte diese schöne Stadt sehen. Auch wenn die Menschenmassen das Olma-Gelände überrennen würden 🙂

Herzlichen Glückwunsch an die Schweiz zum Sieg! Ich freue mich auf den schweizerisch-ukrainischen Track.

Liliia Matviiv, 1988, stammt aus Lviv in der Ukraine. Die Journalistin, Essayistin und Sozialaktivistin ist im Frühling 2022 in die Schweiz gekommen und lebt derzeit in St.Gallen. Dies ist ihr erster Beitrag für die Stimmrecht-Kolumne. Ol’ha Gneupel hat den Text übersetzt.

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Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

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Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover