ICH BIN DIE LEILA BOCK
Der Geile Block hat vor anderthalb Jahren einen grossen Erfolg gefeiert. Die Leila Bock auch. Es war das Richtige zur richtigen Zeit. Und alle sind gekommen, um zu schauen. Die Leila Bock hat seither viele Fans. Für diese – und den ganzen Rest – zeichne ich dieses Bild. Ich wünsche mir in unserer Stadt mehr und grosse Ausstellungsflächen für unsere Künstlerinnen und Künstler, die hier in der Gegend arbeiten. Nicht nur eine, oder aber eine richtig gute.
Jeder Künstler ist anders, aber jeder verfügt über viel Besonderheit, über sehr viel Kraft in sich – mit seiner Arbeit. Ein Künstler ist nicht nur ein Interpret oder Techniker, sondern der Ingenieur und Autor seiner Idee. Reiche Welten, für die Stadt und für die Welt. Es braucht Ausstellungsflächen, damit diese Welten in unseren Ateliers nicht nur vor sich hindümpeln.
Ein kleines Spiel: Nennen sie mir 10 Künstler und Künstlerinnen ……. Und jetzt noch mal 10 ……. Weil es so viele sind. Und grad noch mal 10 …… Fast bin ich gemein 🙂 … und nochmal 10 …….
Und wir haben noch viiiel mehr! Eine Stadt mit vielen Künstlern. Wo sind sie zu sehen? Wenn nicht hier: wo denn? Es gibt hier in der Gegend wenig Auftritte. Sagen wir: keine? Zu wenig? In der schönen Stadt wäre es schön, wenn wir alle stolz darauf sind, dass wir Künstler haben, und schauen, dass sie gut leben können. Man müsste sie zeigen, man müsste Aufträge riskieren, weil: Kunst ist ein Beruf und dessen fehlende Einschätzbarkeit öffnet oft festgefahrene Sichtweisen, wie eine Medizin. Etwas mehr Mut – nein: Grösse. Bizzeli mehr Risiko. Bizzeli mehr lebendiges Leben. Das wünsche ich St.Gallen. Das Einschätzbare finden wir genug.
MIT DEM GEILEN ROCK
Mich interessiert es sehr, was in unserer schönen Stadt an Kunst passiert.
Die hiesige Kunstszene geht vom Bodensee zum Rheintal, hinauf über das Appenzellerland bis hinter die Berge zum Walen- und Zürichsee. Bis in den Hinterthurgau. Alle professionell. Die gehören alle zur hiesigen Szene. Mehr und Weniger. «Alle» möchte ich hier in die Stadt einladen können. Einen lebendigen Kunstbetrieb wünsche ich mir. Nicht nur an Weihnachten. Oder vielleicht an Weihnachten sowieso nicht. Warum es das noch nicht gibt? Weil Kunstvermittler sich behaupten müssen in der internationalen Szene – und mit ihrem Tätigkeitsprofil. Jeder möchte es möglichst gut machen. Oft spüre ich, dass ich spannender scheine, wenn ich Wind von aussen mitbringe. Die grossen Häuser glauben, wer nie fortgegangen ist, sei nicht gut genug. Bis jetzt wurden oft die Weggezogenen gefeiert.
Wir Künstler hätten gerne Einzelausstellungen in riesigen und sehr schönen Räumen.
Ich möchte als Künstlerin bei meinen Themen sein und nicht auf Themen von Gruppenausstellungen reagieren müssen. Meine Arbeiten wollen selbst reden. Ich möchte nicht mal eine intellektuelle Erklärung suchen, um zu rechtfertigen, warum ich gerade nur Erde in der Hand halte …
Wie sagt man dem? Mehr Akzeptanz und Vertrauen.
Jetzt, wo das Kunstmuseum das ganze Haus ganz alleine hat, jetzt könnte doch der Kunstsektor in der LOK in eine andere Hand gehen.
UND MÖCHTE GERN DIE LOK
Wir haben keine Hochschule für Kunst, so dass junge Leute weggehen müssen, wenn sie ein gestalterisches Talent entdecken. Unsere Aufgabe wäre aber, dass wir die Qualitäten der hiesigen Kunstszene schätzen und schützen. Wir leben sehr am Rand eines Landes und brauchen auf jeden Fall mehr Wirbel (unseren Wirbel) und mehr Selbstvertrauen. Kunst ist wichtig und tut gut. Allem Wirtschaftlichen und Berechenbaren entgegen. Kunst soll auftreten können. Gute und schlechte.
Dass die grossen Häuser ganz tolle Ausstellungen machen, ist unbestritten. Aber dass die Kunst einen Boden hat und die Stadtkünstler gesehen werden – und nicht trostpreis-artig –, finde ich ganz wichtig. Ich schaffe viele Foren in der Off-Szene. Oft habe ich ein komisches Gefühl dabei … Nehme ich dem Kunstmuseum und der Kunsthalle «die Aufgabe zur Stärkung der Stadtkünstler» und damit ihre Verantwortung ab? Das ist meine zentrale Frage.
Machen Sie Werbung – und reden Sie über uns in der Stadt, und von den vielen Künstlern, die Raum brauchen, damit Sie dies alles selber sehen können. Dass die LOK eine schöne Möglichkeit wäre und dass auch Sie schon lange darauf warten.
Das haben wir alle verdient.
Anita Zimmermann, 1956, ist Stadtkünstlerin. Sie lebt in St.Gallen.
Francesco Bonanno, 1956, ist Künstler und Leiter der Galerie Macelleria d’Arte in St.Gallen.
eruk t. soñschein, 1977, ist Künstlerin in St.Gallen.
Maulwurfaktionen
Das St.Galler Kunstmuseum macht gute Ausstellungen, mit internationaler Ausstrahlung und mit Aufmerksamkeit auch für die Schweizer Szene. Und es ist, nebenbei, auch der urbane Kulturort für Appenzell – ich wäre deshalb sehr dafür, dass die Appenzeller Kantone nicht nur Konzert und Theater unterstützen, sondern auch das Museum und andere städtische Kulturinstitutionen. Denn sie leisten das, was die Landkantone nicht zu leisten imstande sind. Im «neuen» Untergeschoss böte sich jetzt darüber hinaus die Chance, der regionalen Szene mehr Platz zu geben in dem Sinn: zu zeigen, was künstlerisch passiert, auch wenn es nicht unbedingt «museal» herauskommt.
St.Gallen und die Ostschweiz haben eine unglaublich lebendige und gut vernetzte Szene. Das Vorgehen könnte ich mir so vorstellen, dass man eine Anzahl Kunstschaffende einlädt, je ihre Ausstellung zu realisieren im Dialog mit ihrem Freundeskreis. Das Museum könnte damit seine Rolle als «Oberkurator» abgeben – mit allem Risiko. Es wäre ein offenes Feld. Ein Museum darf auch mal unterwühlt werden, mit dem, was in der Region läuft. Ich stelle es mir spannend vor, solche Maulwurfaktionen im «Untergrund» zu erleben.
Agathe Nisple, 1955, ist Kunsthistorikerin und Galeristin in Appenzell.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.