Museen und Altersresidenzen
Eines vorneweg: Werde den Bartgeier im Untergeschoss des Museumsgebäudes vermissen.
Als Liebhaberin von Wunderkammern, universitären Sammlungen und Heimatmuseen schätze ich das krude Nebeneinander von Exponaten wie zum Beispiel der Mumie in der Stiftsbibliothek und bedaure den Auszug des Naturmuseums. Die Simultaneität von heterogenen Artefakten – unterschiedlicher Herkunft und Wertigkeiten – inspiriert als bunte Mischung heutige Kunstschaffende.
Die Tendenz läuft seit Jahren in die Gegenrichtung: Es werden landauf, landab eifrig Museen neu gebaut und bestehende erweitert. Museen und Altersresidenzen.
Die Synchronizität, so zumindest lehren uns Betrachtungsmodelle, legt einen Indizienteppich, der zum Verdacht führt, dass gleichzeitig Auftretendes miteinander zu tun hat. Wir leben in einem ordentlichen Land.
Das Museum erhält neue Räume, die es mit Inhalt zu füllen gilt. Erhält es auch mehr Mittel für den Betrieb? Ich wünsche dem Museum, dass nicht nur Millionen in Bauten gesteckt werden, sondern auch in Menschen und Zeit; Zeit zum besonnenen Forschen, Konzipieren, Nachdenken, Austauschen und Ankaufen.
Vera Marke, 1972, ist Künstlerin und lebt in Herisau.
Sugar Mirko, 1991, ist Künstler in St.Gallen.
Audience developing
Die Sammlung eines Kunstmuseums zu besuchen, heisst für mich alte Bekannte wieder zu treffen und sich darüber zu freuen, dass sie immer noch da sind.
Es ist die Konstante eines Museums, die es einem ermöglicht, aus der Eventhektik auszubrechen und einer gewissen Zeitlosigkeit zu frönen. So verstehe ich auch das «Endlich» als ein Ankommen, ein Zur-Ruhe-Kommen, das die etwas belanglose Monotonie der immer wieder neugeordneten Themenausstellungen aus der Sammlung durchbrechen kann.
Ein Kunstmuseum kann gar nicht gross genug sein, und dass das Kunstmuseum St.Gallen jetzt mehr Platz zur Verfügung hat, ist ein Grund zu feiern. Gleichzeitig stehen auch Museen immer mehr unter Leistungs- und Legitimationsdruck und sehen sich gefordert zu beweisen, dass sie notwendig sind. Audience developing ist das Schlagwort für die Kultur auf der europäischen Ebene, und es bedeutet, dass Institutionen gefordert sind, aufzuzeigen, dass sie ein Publikum haben, dass sie auf ihr Publikum eingehen können und neue Publikumssegmente entwickeln können.
Ein solches Publikumssegment ist sicherlich die regionale Kunstszene, und vielleicht wäre die Übergangszeit der perfekte Moment, sich mit dieser ein wenig mehr auseinanderzusetzen.
Alex Meszmer, 1969, ist Künstler, Kurator und zusammen mit seinem Partner Reto Müller Erfinder des Transitorischen Museums zu Pfyn.
Vom Eier-Ausbrüten
ENDLICH alleine, endlich keine Energie mehr an das Gemeinsame aufwenden müssen, endlich selber schuld und eigenverantwortlich sein für die Resonanz des Hauses.
Endlich können interdisziplinäre Projekte gezeigt werden, wie jetzt von Mark Dion, bei dem die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft verwischt sind.
Endlich dem Phänomen nachleben, dass Dialoge mit anderen erst möglich scheinen, wenn diese weg sind. Man kann gespannt sein, wie fruchtbar sich das Gleichgewicht zum nun nächsten musealen Nachbar, dem Historischen und Völkerkundemuseum entwickelt.
Endlich kann die Sammlung dauerhaft gezeigt werden, aber hoffentlich weiterhin so erfrischend wie bis anhin, Raumnot macht eben auch erfinderisch, in diesem Fall für das Format der thematischen Sammlungsausstellung (wie die Korona des Hauses sehr selbstbewusst zu berichten weiss).
Endlich verfügt das Kunstmuseum über wenig definierte und nicht für Ausstellungen entwickelte Räume; interessanterweise verfügen die postmodernistischen Räume im Untergeschoss des Kunklerbaus über eine runde Aussenwand, wie auch in der LOK. Vielleicht werden hier bald kleinere Eier ausgebrütet, um die dann dort weiter zu kultivieren.
Schlussendlich ist den bald auch noch neu zusammengesetzten Leuten im Kunstmuseum zu wünschen, dass sie den Schwung weiterführen und die nicht ganz einfachen Räume des ehemaligen Naturmuseums nutzen, so dass Wellen entstehen, die dann weit über die Kunstzone in der LOK hinausschwappen und uns wundern lassen …
Ueli Vogt, 1965, ist Leiter des Zeughauses Teufen und wohnt in St.Gallen.
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.