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Vom Eier-Ausbrüten: Teil II

Was erwarten
 Sie vom «neuen» Kunstmuseum St.Gallen? Und was würden
 Sie mit den neuen Räumen im Untergeschoss machen? Diese Fragen hat Saiten einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstvermittlern gestellt. Teil II: Corinne Schatz, Josef Felix Müller, Michael Bodenmann und KUSPI 017.
Von  Redaktion Saiten
Im unterirdischen Depot des Kunstmuseums fotografierte Jan Thoma.

Kooperationen

Was tun mit den frei werdenden Räumen im Kunstmuseum, insbesondere im Untergeschoss?

Gar nicht so einfach, angesichts dessen, dass mit der Ausstellung von Mark 
Dion schon ein Künstler gefunden wurde, der mit seinem Schaffen eine spannende Brücke zum Naturmuseum baut, das ehemals diese Räume bespielte und das Programm weitere interessante Ausstellungen erwarten lässt.

Die Architektur im Untergeschoss ist durch ihre Schwerfälligkeit schwierig zu bespielen. Die Räume eignen sich am ehesten für installative, ortspezifische Arbeitsweisen. Das erfordert von den Künstler/innen im Allgemeinen grosse Erfahrung. Da sich das Ganze jedoch um eine – bis zum Umbau hoffentlich nicht allzu lange – Übergangsphase handelt, würde ich in diesen Räumen teil- oder zeitweise den musealen Anspruch zugunsten von Experimentierfreude und Offenheit und Gastfreundschaft etwas weniger gewichten. Man könnte in einem Teil der Räume eine Art «Labor» einrichten, Kunstschaffende einladen, die noch am Anfang ihrer Arbeit stehen, Projekte mit einer Kunsthochschule ermöglichen, oder in Zusammenarbeit mit dem Sitterwerk und Projekten, die dort in den Gastateliers oder an Workshops entstehen. Auch andere Kooperationen wären denkbar, bei- spielweise mit der visarte
und dem nextex ein Fenster zur aktuellen Ostschweizer Kunst öffnen, sozusagen als «Zwischenspiel» zum Heimspiel. Oder mit einem Performance-Programm die Räume bespielen, vielleicht die Rotunde mit ihrem Sichtkontakt zum Stadtpark – allenfalls mit dem Theater und dessen kaum genutzter, kleiner «Freiluftbühne»?

Man denke nur, wie fruchtbar es damals für Roman Signer war, als er einige Zeit im baufälligen Museum arbeiten konnte, lange bevor er seinen internationalen Durchbruch hatte.

Corinne Schatz, 1958, ist Kunsthistorikerin in St.Gallen.

 

Labor für aktuelle Kunst

Es ist ein guter Moment für die Museumslandschaft von St.Gallen. Das erklärte Ziel der Politik – «drei Museen, drei Häuser» – ist erreicht. Wir haben in St.Gallen aber seit langer Zeit schon fünf Museen mit sehr grossem Potential. Interessanterweise werden die Stiftsbibliothek und das Textilmuseum in der Kulturdiskussion oft vergessen.

Ich finde es grossartig, dass das Kunstmuseum nun mehr Raum zur Verfügung hat und permanent kostbare Bestände aus der Sammlung präsentieren kann. Die ehemaligen Räume vom Naturmuseum im Untergeschoss sind für klassische Kunstausstellungen sicher sehr schwierig. Der Amerikaner Mark Dion hat mit seinem erstaunlichen Museum der Natur aber den Beweis erbracht, dass es möglich ist, in diesen Räumen zu agieren. Künstlerische Interventionen müssen in Zukunft ja nicht immer so ironisch angelegt sein. Ich wünschte mir, dass die Räume im Untergeschoss in der Zeit vor dem Umbau als Labor für aktuelle Kunst genutzt werden.

Josef Felix Müller, 1955, ist Künstler und Verleger in St.Gallen.

 

Michael Bodenmann, 1978, ist Künstler in St.Gallen.

 

Rhythmische Archivkunstvernichtung – Kunstgrabmal

Erstens würde ich die neue Ausstellung umbenennen: «Endlich ausmisten!»

Als Idee für den Keller des Kunstmuseums St.Gallen schlage ich
vor: das Museumsarchiv räumen und die unbekannten Werke vor 1980, pro Künstler/in nur ein Werk, auf einem Mikrofilm archivieren. Anschliessend werden die Original- werke in einem «ehrenvollen Kunsthappening» verbrannt, zerhackt und entsorgt, immer im Fünf-Jahres-Rhythmus.

Aus der Asche wird ein Gemeinschaftskunstgrab im Keller des Museums von Kunststudenten errichtet. Die «toten Kunstwerke» sind endlos auf Grab- Bildschirmen zu sehen. So wird nur noch ein «getötetes Werk mit Namen des Kunstschaffenden»
wieder sichtbar, und der Museumskeller ist um
eine Attraktion reicher.

Damit das Gemeinschaftskunstgrab errichtet werden kann, muss sofort ein Zusatzkredit bei der Stadt beantragt werden. Kein Problem – mit dem extrem kleiner werdenden Kunstarchiv spart die Stadt Lager-, Platz- und Archivkosten in Millionenhöhe!

Das Kellergeschoss wird zusätzlich für eine «Nur-Archiv-Kunstausstellung» genutzt – damit
auch das Kunstarchiv ständig in Bewegung bleibt
und neue Ankäufe Platz finden.

KUSPI 017, 1962, ist Künstler und lebt in Widnau.

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