Kooperationen
Was tun mit den frei werdenden Räumen im Kunstmuseum, insbesondere im Untergeschoss?
Gar nicht so einfach, angesichts dessen, dass mit der Ausstellung von Mark Dion schon ein Künstler gefunden wurde, der mit seinem Schaffen eine spannende Brücke zum Naturmuseum baut, das ehemals diese Räume bespielte und das Programm weitere interessante Ausstellungen erwarten lässt.
Die Architektur im Untergeschoss ist durch ihre Schwerfälligkeit schwierig zu bespielen. Die Räume eignen sich am ehesten für installative, ortspezifische Arbeitsweisen. Das erfordert von den Künstler/innen im Allgemeinen grosse Erfahrung. Da sich das Ganze jedoch um eine – bis zum Umbau hoffentlich nicht allzu lange – Übergangsphase handelt, würde ich in diesen Räumen teil- oder zeitweise den musealen Anspruch zugunsten von Experimentierfreude und Offenheit und Gastfreundschaft etwas weniger gewichten. Man könnte in einem Teil der Räume eine Art «Labor» einrichten, Kunstschaffende einladen, die noch am Anfang ihrer Arbeit stehen, Projekte mit einer Kunsthochschule ermöglichen, oder in Zusammenarbeit mit dem Sitterwerk und Projekten, die dort in den Gastateliers oder an Workshops entstehen. Auch andere Kooperationen wären denkbar, bei- spielweise mit der visarte und dem nextex ein Fenster zur aktuellen Ostschweizer Kunst öffnen, sozusagen als «Zwischenspiel» zum Heimspiel. Oder mit einem Performance-Programm die Räume bespielen, vielleicht die Rotunde mit ihrem Sichtkontakt zum Stadtpark – allenfalls mit dem Theater und dessen kaum genutzter, kleiner «Freiluftbühne»?
Man denke nur, wie fruchtbar es damals für Roman Signer war, als er einige Zeit im baufälligen Museum arbeiten konnte, lange bevor er seinen internationalen Durchbruch hatte.
Corinne Schatz, 1958, ist Kunsthistorikerin in St.Gallen.
Josef Felix Müller, 1955, ist Künstler und Verleger in St.Gallen.
Michael Bodenmann, 1978, ist Künstler in St.Gallen.
Rhythmische Archivkunstvernichtung – Kunstgrabmal
Erstens würde ich die neue Ausstellung umbenennen: «Endlich ausmisten!»
Als Idee für den Keller des Kunstmuseums St.Gallen schlage ich vor: das Museumsarchiv räumen und die unbekannten Werke vor 1980, pro Künstler/in nur ein Werk, auf einem Mikrofilm archivieren. Anschliessend werden die Original- werke in einem «ehrenvollen Kunsthappening» verbrannt, zerhackt und entsorgt, immer im Fünf-Jahres-Rhythmus.
Aus der Asche wird ein Gemeinschaftskunstgrab im Keller des Museums von Kunststudenten errichtet. Die «toten Kunstwerke» sind endlos auf Grab- Bildschirmen zu sehen. So wird nur noch ein «getötetes Werk mit Namen des Kunstschaffenden» wieder sichtbar, und der Museumskeller ist um eine Attraktion reicher.
Damit das Gemeinschaftskunstgrab errichtet werden kann, muss sofort ein Zusatzkredit bei der Stadt beantragt werden. Kein Problem – mit dem extrem kleiner werdenden Kunstarchiv spart die Stadt Lager-, Platz- und Archivkosten in Millionenhöhe!
Das Kellergeschoss wird zusätzlich für eine «Nur-Archiv-Kunstausstellung» genutzt – damit auch das Kunstarchiv ständig in Bewegung bleibt und neue Ankäufe Platz finden.
KUSPI 017, 1962, ist Künstler und lebt in Widnau.
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg