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Vom Eier-Ausbrüten: Teil I

Was erwarten
 Sie vom «neuen» Kunstmuseum St.Gallen? Und was würden
 Sie mit den neuen Räumen im Untergeschoss machen? Diese Fragen hat Saiten im Februarheft einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstvermittlern gestellt. Teil I: Karin Bühler, H.R. Fricker, Georg Gatsas und Elisabeth Nembrini.
Von  Redaktion Saiten , 
Bild: Jan Thoma

Interessante Bündnisse

Ein neuer Kurator also. Das verspricht neuen Wind. Einen Tornado wird es kaum geben. Lorenzo Benedetti trifft auf ein eingespieltes Team und eine Programmgruppe, die die Ausstellungsideen absegnet. Man darf gespannt sein, wie sich der international agierende Neuling mit dem Regionalen verbündet. Das ist die grosse Chance und Herausforderung «unseres» Hauses. Man darf hoffen und erwarten, dass es immer wieder zu interessanten Bündnissen kommt.

Und ein neuer Raum.

Der 1981 erstellte Beton-Unterbau des neoklassizistischen Gebäudes, der wie eine Beinprothese anmutet, entfaltet mit der aktuellen Ausstellung von Mark Dion plötzlich auch nette Aspekte. Der mögliche Ausblick zum Park zum Beispiel. Man kann sich sehr gut ein «Park-Café» vorstellen. Eine Theke mit Sitzgelegenheiten und direktem Zugang zur Terrasse und zum Park. Das schöne Stück städtischen Grüns lechzt seit Jahren nach solcher Belebung. Spannend ist auf jeden Fall die Situation des Provisoriums – der Einladung zum Experiment. Bleibt zu wünschen, dass diese vielversprechende Gelegenheit wahrgenommen wird.

Karin Karinna Bühler, 1974, ist Künstlerin und lebt in Trogen.

 

Mehr Platz und ein eigener Ansatz

So war es also lediglich eine Platzfrage und keine bewusste, schamhafte Ausklammerung des einheimischen Schaffens, weshalb bis anhin im Kunstmuseum St.Gallen nur selten Ostschweizer Positionen zu sehen waren? Zwischen Deutschland, Österreich und Zürich eingeklemmt, müsste doch Eigenes, sogar Widerspenstiges entstehen. Nicht nur Touristen sollten sich ein Bild über das hiesige Kunstschaffen machen dürfen. Auch die KünstlerInnen profitieren von einer tiefgründigen Orientierung: Welche Bereiche und Themen wurden schon beackert, wo wäre es lohnenswert, dem Bestehenden die eigene Sicht hinzuzufügen? Es macht für die gesamte Bevölkerung der Region
Sinn, umfassend zu dokumentieren, was hier kulturell geschah und weiterhin geschieht. Allerdings muss die Dokumentation über effekthascherisches Standortmarketing hinausgreifen und gemeinsame kulturelle Wurzeln aufzeigen.

Wenn nun im ehemaligen Natur-
und Kunstmuseum mehr Raum für die Auseinandersetzung mit regionalen kulturellen Wurzeln zur Verfügung steht, freut mich das sehr. Zugleich werde ich aber im unteren Stockwerk das Anschauungsmaterial zu den tektonischen Schüben, welche diese Landschaft prägten, den Nagelfluh-Schüttungen, den Sandsteinbänken und den aufgetürmten Kalkfelsen des Alpsteins mit ihren Fossilien und Höhlen vermissen. Von den Erkenntnissen der Archäologie kann ich gleich nebenan im Völkerkunde-Museum profitieren. Dort wird von den Steinzeitjägern im Wildkirchli über die Pfahlbauer am Bodensee bis zu den unmittelbaren Vorläuferkulturen
der heutigen Ostschweiz Bericht erstattet.

Zufällig schwebt über meinem Wohnort Trogen der dadaistische Geist der hier aufgewachsenen Sophie Taeuber-Arp. In ihrem Werk gibt es Ansätze, welche
auf die damals im Appenzellerland gebräuchliche textile Heimindustrie verweisen, während sie sich mit ihrem künstlerischen Schaffen in der europäischen Avantgarde bewegte. Ein herausforderndes Vorbild?

Mit der ganzen Welt vernetzt zu sein, bringt die Gefahr mit sich, im mainstreamigen Einheitsbrei zu versinken. Nützlich ist die Vernetzung nur dann, wenn ich dabei
aus einer fundierten, ureigenen Position heraus agieren und mich austauschen kann. Kommunikation funktioniert nur dann, wenn man selbst etwas Eindrückliches mitzuteilen hat, sonst droht die Entmündigung.

Natürlich finde ich die Wurzeln zu eigenständigem Denken und Handeln nicht nur innerhalb einer überschaubaren Landschaft. Ohne zusätzliches globales Denken wird Regionales zur verantwortungslosen Rechthaberei. Bei meiner Suche nach geeigneten, letztlich individuellen Ansätzen orientiere ich mich nicht nur innerhalb ostschweizerischer Grenzen, der Blick über den Bodensee und den Rhein hinaus kann sehr ergiebig sein.

Ein Kunstmuseum, das Auskunft
über regionale kulturelle Wurzeln gibt,
sollte sich auch mit den jedermann zugänglichen sozialen Medien beschäftigen. Wenn heute in den Medien durch Angebote, die zu «stundenlangen Museumsaufenthalten» animieren, die «Wohnzimmerisierung» der Museen verkündet wird, müsste doch
auch der Austausch über das Wohnzimmer hinaus, mit Hilfe der sozialen Medien, thematisiert werden. SMS, Fototransfer und Facebook u.a. wären Themen, die mittels Ausstellungen und Workshops einem aktiven und mündigen Museumsbesucher gerecht würden.

H.R. Fricker, 1947, ist Künstler und u.a. Erfinder des Museums für Lebensgeschichten Speicher und des Alpstein-Museums. Er lebt in Trogen.

 

Begeistert euch

Vom neuen Kunstmuseum «erwarte» ich eine ausgezeichnete Zusammenarbeit für meine Einzelausstellung im kommenden Herbst. Ansonsten erwarte ich nichts vom Kunstmuseum St.Gallen – aber dafür viel mehr von den BesucherInnen, KunstfreundInnen, privaten SponsorInnen, SammlerInnen, den Stiftungen und den öffentlichen Ämtern: Begeistert euch! Denkt in Gemeinschaften! Fördert eure Leute! Sprecht mehr Geld! Sonst wandern die kreativen Köpfe aus dem Hochpreis-Land Schweiz aus!!

Georg Gatsas, 1978, ist Künstler und Manor- Preisträger 2017. Er pendelt zwischen Zürich, Ostschweiz und Johannesburg.

 

Viel Raum im Kunstmuseum

Jahrelang waren Kunst und Natur in St.Gallen schon beim Start einer Ausstellung spürbar: Um die Vernissagenrede zu hören, wanderte man abwärts – an Fuchs und Dachs vorbei. Und waren alle Sitzplätze im Saal besetzt, lauschte man draussen der
Rede mit halbem Ohr und studierte gleichzeitig Präparate der regionalen Singvögel. Jetzt sind plötzlich alle Räume für die Kunst da. «Endlich», möchte man sagen. Denn man hat sich das schon immer stimmig vorgestellt. Oder vielleicht doch «Hoppla»? Steht doch plötzlich zusätzlich zur LOK viel Platz zur Verfügung, und – vor allem im Untergrund – kein für Ausstellungen architektonisch geeigneter.

Räume der Zwischennutzung sind immer unpassend und widerständig. Man lässt sich
für sie etwas einfallen, was sonst gar nicht stattfinden würde.
Trotz der Räume oder gar gegen die Räume zu arbeiten ist für Kunstschaffende eine interessante Herausforderung. Eine Zwischennutzung mit Gästen gäbe dem Kunstmuseum die Möglichkeit für andersartige Kooperationen. Warum nicht mit
dem Nachwuchs aus den Kunstlehrgängen in St.Gallen, z.B.
aus dem HF Bildende Kunst zusammenspannen? Man wäre gespannt darauf, wie sie mit ortsspezifischen Projekten diese Räume erobern oder einfach ihre Diplomausstellung zeigen.

Ganz neu aber wäre ein «Labor» für Gäste und Gastkurationen, die explizit aus der Ostschweizer Kunstszene stammen. In zeitlich kurzen Abständen wären wieder aktuelle Arbeiten sichtbar, die nur alle drei Jahre anlässlich des Heimspiels oder länger gar nicht zu verfolgen waren. Die kabinetthaften, dunklen Räume eignen sich grundsätzlich gut für digitale und analoge Projektionen aller Art. Vielleicht würde sich daraus mit der Zeit ein medialer Schwerpunkt entwickeln.

Dies alles geht nicht ganz ohne Budget, auch im Untergrund muss professionell gearbeitet werden. Aber man könnte dann eher sagen: endlich!

Elisabeth Nembrini, 1960, ist Künstlerin und Dozentin an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen. Sie lebt in Berg SG.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
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Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

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Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

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01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz