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Vom Eier-Ausbrüten: Teil IV

Was erwarten
 Sie vom «neuen» Kunstmuseum St.Gallen? Und was würden
 Sie mit den neuen Räumen im Untergeschoss machen? Diese Fragen hat Saiten einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstvermittlern gestellt. Teil IV: Anita Zimmermann, Francesco Bonanno, eruk t. soñschein und Agathe Nisple.
Von  Redaktion Saiten
Im unterirdischen Depot des Kunstmuseums fotografierte Jan Thoma.

ICH BIN DIE LEILA BOCK

Der Geile Block hat vor anderthalb Jahren einen grossen Erfolg gefeiert. Die Leila Bock auch.
Es war das Richtige zur richtigen Zeit. Und alle sind gekommen, um zu schauen. Die Leila Bock hat seither viele Fans. Für diese – und den ganzen Rest – zeichne ich dieses Bild. Ich wünsche mir in unserer Stadt mehr und grosse Ausstellungsflächen für unsere Künstlerinnen und Künstler, die hier
in der Gegend arbeiten. Nicht nur eine, oder aber eine richtig gute.

Jeder Künstler ist anders, aber jeder verfügt über viel Besonderheit, über sehr viel Kraft in sich – mit seiner Arbeit. Ein Künstler ist nicht nur ein Interpret oder Techniker, sondern der Ingenieur und Autor seiner Idee. Reiche Welten, für die
Stadt und für die Welt. Es braucht Ausstellungsflächen, damit diese Welten in unseren Ateliers
nicht nur vor sich hindümpeln.

Ein kleines Spiel: Nennen sie mir 10 Künstler und Künstlerinnen ……. Und jetzt noch mal
10 ……. Weil es so viele sind. Und grad noch mal
10 …… Fast bin ich gemein 🙂 … und nochmal 10 …….

Und wir haben noch viiiel mehr! Eine Stadt mit vielen Künstlern. Wo sind sie zu sehen? Wenn nicht hier: wo denn? Es gibt hier in der Gegend wenig Auftritte. Sagen wir: keine? Zu wenig? In der schönen Stadt wäre es schön, wenn wir alle stolz darauf sind, dass wir Künstler haben, und schauen, dass sie gut leben können. Man müsste sie zeigen, man müsste Aufträge riskieren, weil: Kunst ist ein Beruf und dessen fehlende Einschätzbarkeit öffnet oft festgefahrene Sichtweisen, wie eine Medizin. Etwas mehr Mut – nein: Grösse. Bizzeli mehr Risiko. Bizzeli mehr lebendiges Leben. Das wünsche ich St.Gallen. Das Einschätzbare finden wir genug.

MIT DEM GEILEN ROCK

Mich interessiert es sehr, was in unserer schönen Stadt an Kunst passiert.

Die hiesige Kunstszene geht vom Bodensee zum Rheintal, hinauf über das Appenzellerland bis hinter die Berge zum Walen- und Zürichsee.
Bis in den Hinterthurgau. Alle professionell. Die gehören alle zur hiesigen Szene. Mehr und Weniger. «Alle» möchte ich hier in die Stadt einladen können. Einen lebendigen Kunstbetrieb wünsche ich mir. Nicht nur an Weihnachten. Oder vielleicht an Weihnachten sowieso nicht. Warum es das noch nicht gibt? Weil Kunstvermittler sich behaupten müssen in der internationalen Szene – und mit ihrem Tätigkeitsprofil. Jeder möchte es möglichst gut machen. Oft spüre ich, dass ich spannender scheine, wenn ich Wind von aussen mitbringe. Die grossen Häuser glauben, wer nie fortgegangen ist,
sei nicht gut genug. Bis jetzt wurden oft die Weggezogenen gefeiert.

Wir Künstler hätten gerne Einzelausstellungen in riesigen und sehr schönen Räumen.

Ich möchte als Künstlerin bei meinen Themen sein und nicht auf Themen von Gruppenausstellungen reagieren müssen. Meine Arbeiten wollen selbst reden. Ich möchte nicht mal eine intellektuelle Erklärung suchen, um zu rechtfertigen, warum ich gerade nur Erde in der Hand halte …

Wie sagt man dem? Mehr Akzeptanz und Vertrauen.

Jetzt, wo das Kunstmuseum das ganze Haus ganz alleine hat, jetzt könnte doch der Kunstsektor in der LOK in eine andere Hand gehen.

UND MÖCHTE GERN DIE LOK

Wir haben keine Hochschule für Kunst, so dass junge Leute weggehen müssen, wenn sie ein gestalterisches Talent entdecken. Unsere Aufgabe wäre aber, dass wir die Qualitäten der hiesigen Kunstszene schätzen und schützen. Wir leben sehr am Rand eines Landes und brauchen auf jeden Fall mehr Wirbel (unseren Wirbel) und mehr Selbstvertrauen. Kunst ist wichtig und tut gut. Allem Wirtschaftlichen und Berechenbaren entgegen. Kunst soll auftreten können. Gute und schlechte.

Dass die grossen Häuser ganz tolle Ausstellungen machen, ist unbestritten. Aber dass die Kunst einen Boden hat und die Stadtkünstler gesehen werden – und nicht trostpreis-artig –, finde ich ganz wichtig. Ich schaffe viele Foren in der Off-Szene. Oft habe ich ein komisches Gefühl dabei … Nehme ich dem Kunstmuseum und der Kunsthalle «die Aufgabe zur Stärkung der Stadtkünstler» und damit ihre Verantwortung ab? Das
ist meine zentrale Frage.

Machen Sie Werbung – und reden Sie über uns in der Stadt, und von den vielen Künstlern,
die Raum brauchen, damit Sie dies alles selber sehen können. Dass die LOK eine schöne Möglichkeit wäre und dass auch Sie schon lange darauf warten.

Das haben wir alle verdient.

Anita Zimmermann, 1956, ist Stadtkünstlerin. Sie lebt in St.Gallen.

 

Kreartiv-Festival im Museum

«Endlich! Mehr Platz!» mehr Kunst! schreibt das Kunstmuseum St. Gallen in seinem neuen Flyer. Nach 30 Jahren Macelleria d’Arte kann ich behaupten: Es liegt nicht nur an der Grösse der Räumlichkeiten, sondern auch daran, was man mit dem Raum und der Kunst macht… Jetzt, wo das Naturmuseum umgezogen ist, gibt es Platz für eine neue und noch nie dagewesene Idee: ein Kreartiv-Festival als Kultursprachrohr
für die Öffentlichkeit.

Realisiert wird
es durch die Interventionen von kreativen und schöpferischen Leuten. Es gibt in der Region St.Gallen genügend Architekten, Designer, Fotografinnen, Künstler, Literatinnen, Musiker, Filmerinnen. Miteinander – und nicht gegeneinander – können sie an einem bestimmten Thema arbeiten, den Raum gemeinsam bespielen. Am Ende präsentieren sie die Resultate ihrer Zusammenarbeit in einer Ausstellung – dem Kreartiv-Festival. Kunst gibt nicht Sichtbares wieder, sondern macht sichtbar.

Francesco Bonanno, 1956, ist Künstler und Leiter der Galerie Macelleria d’Arte in St.Gallen.

 

eruk t. soñschein, 1977, ist Künstlerin in St.Gallen.

 

Maulwurfaktionen

Das St.Galler Kunstmuseum macht gute Ausstellungen, mit internationaler Ausstrahlung und mit Aufmerksamkeit auch für die Schweizer Szene. Und es ist, nebenbei,
auch der urbane Kulturort für Appenzell – ich wäre deshalb sehr dafür, dass die Appenzeller Kantone nicht nur Konzert und Theater unterstützen, sondern auch das Museum und andere städtische Kulturinstitutionen. Denn sie leisten das, was die Landkantone nicht zu leisten imstande sind. Im «neuen» Untergeschoss böte sich jetzt darüber hinaus die Chance, der regionalen Szene mehr Platz zu geben in dem Sinn: zu zeigen, was künstlerisch passiert, auch wenn es nicht unbedingt «museal» herauskommt.

St.Gallen und die Ostschweiz haben eine unglaublich lebendige
und gut vernetzte Szene. Das Vorgehen könnte ich mir so vorstellen, dass man eine Anzahl Kunstschaffende einlädt, je ihre Ausstellung zu realisieren im Dialog mit ihrem Freundeskreis. Das Museum könnte damit seine Rolle als «Oberkurator» abgeben – mit allem Risiko. Es wäre ein offenes Feld. Ein Museum darf auch mal unterwühlt werden, mit dem, was in der Region läuft. Ich stelle es mir spannend vor, solche Maulwurfaktionen im «Untergrund» zu erleben.

Agathe Nisple, 1955, ist Kunsthistorikerin und Galeristin in Appenzell.

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
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Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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