In Klein-Venedig wird es stehen, das Zelt, in dem die drei Zirkusgeschichten Footitt und Chocolat, Sagt der Walfisch zum Thunfisch sowie das vor einigen Jahren auch in St.Gallen gespielte Seiltänzerstück Katharina Knie von Carl Zuckmayr aufgeführt werden. Hierfür ist eine Kooperation mit einem Zirkus angedacht, der auch in theaterpädagogische Workshops mit eingebunden werden könnte. Vorhang auf! Manage frei! Die Zirkuswelt und ihre Ästhetik ist Intendant Christoph Nix vertraut – er ist unter anderem ausgebildeter Clown. Er führt selbst Regie in Warten auf Godot und in Footit und Chocolat, zusammen mit dem Clown Olli Hauenstein.
Abseits vom Zirkuszelt wird ein facettenreiches Programm rund um das Stolpern geboten. Von international bis regional, von der griechischen Antike bis in die norwegische Postmoderne, Liederabende, Puppentheater, Uraufführungen und Klassiker, von Frauen, von Männern, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – darunter ist manches aus den 1920er Jahren, der Zeit der Freiheiten vor dem Stolpern in den nächsten Weltkrieg.
International
Neil LaBute, der mit Onkel Wanja für deutschlandweites Aufsehen gesorgt hat, kommt zurück nach Konstanz, um Betrogen von Harold Pinter zu inszenieren sowie sein Stück Eine Art Liebeserklärung auf die Bühne zu bringen. Zudem präsentiert das Theater die israelische Regisseurin Sapir Heller mit dem Stück Der brave Soldat Schwejk nach dem Roman von Jaroslav Hašek. Dann gibt es aus Norwegen Meer von Jon Fosse sowie Ich verschwinde von Arne Lygre als deutsche Erstaufführung.
Regional und musikalisch
Mit Die Reis‘ von Gerd Zahner (in der Scheffelhalle in Singen) wird eine Geschichte des fahrenden Volkes der Jenischen erzählt, die bis heute das Zentrum ihrer Kultur in Singen haben. Auch Der Reichsbürger von Annalena und Konstantin Küspert weist sowohl regionalen als auch aktuellen Bezug auf.
Heute Nacht oder nie heisst der Liederabend mit Schlagern aus den 1920er Jahren unter der Regie von Mark Zurmühle, und mit Männer und andere Verbrechen kündigt das Theater ein Knallbonbon zum Jahreswechsel an. Für Freunde des Musicals inszeniert Rosamunde Gilmore Cabaret.
Politisch
Traditionell stark ist auch in der kommenden Spielzeit die politische «Schiene» in Konstanz: Your Very Own Double Crisis Club ist ein Stück über die Sprachlosigkeit des Krieges von Sivan Ben Yishai unter Regie von Nicola Bremer. Mit Momentum von Lot Vekemans inszeniert Katrin Hentschel eine Art House of Cards für Theatergänger. In Die Hauptstadt lässt Robert Menasse ein Schwein durch Brüssel rennen (Regie Mark Zurmühle). Mit Draussen vor der Tür ruft das Theater das grossartige Nachkriegsdrama von Wolfgang Borchert in Erinnerung, Regie führt Mareike Mikat. Und Gerron erzählt die Geschichte des gleichnamigen Künstlers, der durch einen Film die Deportation der jüdischen Darsteller zu verhindern sucht, inszeniert von Annette Gleichmann.
Heimattheater in einer abstrahierten Form kommt mit Wer hat Angst vorm weissen Mann von Dominik Lorenz in die Spiegelhalle, Regie in dem Stück zwischen Weisswürsten und Schwarzarbeit führt Daniel Grünauer. Und in Das finstere Tal von Thomas Willmann lädt Regisseurin Antje Thoms ein zum Trip durch einen wilden Italo-Western, der eine wunderbare verfilmte Vorlage irgendwo zwischen Tarantino und den Coen-Brüdern hat.
Junges Theater
Für Kinder gibt es unter anderem Die Brüder Löwenherz von Astrid Lingdren. Wer Ritter mag, wird bei King A von Inez Derksen glücklich werden. Jugendliche gehen mit oder ohne theaterpädagogische Begleitung der Schulen in Erschiesst die Apfelsine von Michael Niemi oder Die Vögel von Aristophanes. Patricks Trick von Kristo Sagor schliesslich erzählt von einem kleinen Jungen, der erfährt, dass sein ungeborener Bruder behindert zur Welt kommen wird.
Und ein persönlicher Favorit: Hundeherz von Michail Bulgakow unter Regie von Andrej Woron.
theaterkonstanz.de
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.