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Was sind schon 15 Mückenstiche?

Charles Pfahlbauer jr. über heitere Sommergeschichten, die gymnasial-literarischen Ausfälle des Überm-See-Festivals und den guten alten Heute-schon-genickt?-Schlag auf den Hintertotz.
Von  Charles Pfahlbauer jr.

Wer klopft jeden Herbst als erster an? Nein, euer Charlie spricht hier nicht vom Herrliberger Schwabbelmonster und seiner unahnsehnlichen Brut. Und auch nicht von den Landeierhorden, die sich zwecks ihrem alljährlichen Jammerlebenshöhepunkt über die Ostquartiere der Gallenstadt ergossen haben. Sondern ganz banal vom üblen Schleimsack, der sich mit den Regenstürmen und Nebelmeeren immer schön pünktlich in unseren Körpern einnistet. Bei vielen Pfahlgenossen fand er prompt willige Öffnungen, in meinem Fall waren es die Ohren, die dem Saukerl Unterschlupf boten und mich zum Gang zum Spezialisten am Grossen See nötigten, ältere Leser mögen sich erinnern: Der Tscheche mit ungefähr acht Konsonanten im Namen hatte mir einst einen Schleimpropfen aus der Nase geholt, der eine frappante Ähnlichkeit mit einem gewissen Jaegerfranz hatte. Was ihn extrem erheiterte, den schrulligen Konsonantendoktor, aber so ist er, der Tscheche und sein Hang zur Groteske.

So zehrten wir in unserer Pfahlbande von den letzten Kräften, als wir zur Herbstbegrüssung in der jurassischen Knelle hinter dem Bahnhof hockten und uns von Falballa heissen Schnapstee verabreichen liessen. Weil alle darniederlagen, teils bereits infektiös delirierten, heiterten wir uns mit einem Reihumwettbewerb auf: Jeder sollte eine heitere Geschichte aus dem endlos heissen Sommer erzählen. Ich eröffnete den Reigen mit einer denkwürdigen Bilanz: der Stichzahl in unserer Lieblingsgartenbeiz unter der Riesenlinde im Insektensumpfseegelände. Daran mass die kecke Austriaserviertochter ihre Saison: In diesem Jahr habe sie gesamthaft erst 15 Mückenstiche gezählt, wogegen es 2014 an einem einzigen Abend 35 Stiche gewesen seien. Das ist mal eine Sommerrechnung!

Der Rest war auch nicht schlecht: Schmalhans schilderte mit seiner besonderen Vorliebe für Cliffhangermomente, wie er im August zum ersten Mal in eine Höhle kletterte, aber schon nach fünf Metern panisch zurückkrabbelte, weil ihn angeblich eine Riesenkröte bedroht habe. Und Harry Grimm erzählte ohne Rücksicht auf Respektsverlust von einem Hafenmanöver in Langenargen: Weil er sich, das eine Bein schon auf der Jolle und das andere aber noch an Land, nicht entscheiden konnte, welches Bein er nach- respektive zurückziehen sollte, landete er im öligdreckigen Hafenwasser. Immerhin lernte er als begossenes Showäffchen eine schwäbische Blondine kennen, die ihn bald besuchen will – wer’s glaubt, bleibt trocken.

Sumpfbiber hatte wie erwartet keinen Bock auf Persönliches, schoss mit seiner Rezitation von Programmtexten des Überm-See-Festivals aber den Vogel ab. Dort oben wurden Musikanten himmelschreiend in die Höhe geschrieben, bis die Lachtränendrüsen platzten. (An dieser Stelle wieder einmal mein Lieblingstitel aus der Saiten-Geschichte, den Pfahlfreund Fisch einst über die gallenstädtische Musikszene gesetzt hatte: Trommeln bis der Doktor kommt.)

Aber zurück zu diesem gymnasial-literarisch ambitionierten Festival, geben Sie sich diesem Beispiel hin: «Artifizielle Töne aus den abyssischen Tiefen des Maschinenraums, katalytische Vehikel der Entschleunigung prägen das industrielle Klanguniversum auf der Suche nach einer dezidierten, unerbittlich pulsierenden Langsamkeit. Der verlorene Sohn spielt mit dem Spannungsverhältnis zwischen kontinuierlich grollenden, maschinellen Klangstrukturen und emotivem Crooning, wodurch eine extraterrestrisch anmutende Geräuschkulisse entsteht, die sich der Klimax versagt…» Oder dies gefällig? «Reduzierte, filigrane Arrangements, bittersüsse Melodien und das fragile, elegische Timbre stehen paradigmatisch für den auditiven Minimalismus. Puristische, spärlich, aber virtuos eingesetzte elektronische Finessen vermengen sich mit dem als Antipode fungierenden Piano zu einer Emulsion aus organischen Elementen und Elektronik. Als Fundament sekundiert sie der hymnischen Stimme, den vertonten Poemen, die stets mit der aristotelischen Katharsis kokettieren…».

Sind Sie noch da? Oder längst auditiv-abyssisch-aristotelisch weggetaucht? Oh je. Jedenfalls hoffen wir, dass es in Ihren wie auch immer infizierten Runden ebenfalls heiter zu und her geht. Und wenn gegen die Schleimdepression nichts mehr hilft, hätten wir noch einen Geheimtip: Schlagen Sie einem Studentenverbindungsgrosskotz die Kappe vom Kopf – mit einem kräftigen Heute-schon-genickt?-Schlag auf den Hintertotz. Das tut gut und freut die restliche Bevölkerung. Okay, die sind meistens mehrere. Dann müssen Sie halt auch mehrere sein. Es wird zum Scharmützel kommen, aber das ist nichts gegen die Kriege, die derzeit toben. Und von wegen Wahlbrut: Nein, ich gebe meinen Welcome-Türvorleger nicht her. Und verrate auch nicht, wo ich den erstanden habe. Nicht jeder darf ein Welcome vor seiner Hütte haben.

Charles Pfahlbauer jr.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len zur Pau­se im Rück­stand

Kann St. Gal­len das 0:2-Pau­sen­re­sul­tat noch dre­hen? Im SENF-Ti­cker er­fährt ihr es.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

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Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

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Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

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Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

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Von  Vera Zatti
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