Da hat der urige Horst-Klub in Kreuzlingen wieder mal eine wahre Perle ausgegraben. Mit Pile kommt am Donnerstag eine der spannendsten US-Underground-Entdeckungen der letzten Jahre in den Thurgau. Die Band gehört zu jener Sorte Musikern, denen es gelingt, als Lieblingsband deiner Lieblingsband genannt zu werden. Ihr Sound brachte zwei Freunde sogar dazu, ein Label zu gründen.
Der Vier-Mann-Haufen aus Boston tingelt stilistisch irgendwo zwischen klassischem Country und atonalem Noise-Rock, darunter mischt sich Post-Punk und Post-Hardcore. Alles zusammen kommt mal energetisch, mal als Ballade daher. Die Verzerrer werden in der Regel eher dezent eingesetzt, ebenso das Stimmgerät, was dem Sound nie schadet, sondern seine Schrulligkeit angenehm unterstreicht.
Pile live: 3. Oktober, 22 Uhr, Horst Klub, Kreuzlingen
horstklub.ch
Die Selbsteinschätzung des Leaders Rick Maguire, als «four-duded rock band» bespiele man im Grunde das langweiligste aller Genres, stimmt nur auf den ersten Blick. Denn langweilig wird die Angelegenheit selten. In den schrummligen Pile-Tracks schwingt viel Fugazi, Melvins, Jesus Lizard oder auch Handsome Family mit. Und wenn die Kadenzen einmal traditioneller werden, kippt es doch nie ins Kitschige. Ein paar Dissonanzen hier, ein paar Taktschläge abseits des gängigen Vierviertels dort.
Die Songs sind aber immer nur so schräg, dass sie gerade nicht mehr zu sehr ins Avantgardistische abdriften. Im Prom Song lässt sich Maguire sogar zu einem in diesen szenigen Gefilden eher verpönten Gitarrensolo hinreissen, das Fans dazu bewog, sich selber T-Shirts mit «Prom Song Solo :)» zu beschriften.
Unangenehmer Kultstatus
Maguire rief das Projekt mit der Solo-Akustik-Platte Demonstration 2007 ins Leben, auf der auch einige Pianoparts zu hören sind. Nach und nach stiessen Drummer Kris Kuss, Bassist Matt Connery und Gitarrist Matt Becker dazu. 2009 veröffentlichten sie Jerk Routine – das zweite von mittlerweile sieben Alben.
Spätestens seit dem Nachfolgealbum Magic Isn’t Real (2010) begann Piles Legendenstatus im amerikanischen Nordosten erste Züge anzunehmen. Diese Aufnahme bewog etwa die beiden Freunde Dan Golding und Dave Spak dazu, das Alternative- und Outsider-Label Exploding in Sound zu gründen, unter dem die Band seither unter Vertrag steht. Und die Post-Hardcore-Band Krill hat sogar eine Konzept-EP über einen Pile–Song eingespielt.
Irgendwann wurde es Pile dann aber zu bunt mit dem Kult, der ungewollt um die Band und insbesondere um Bandleader Rick Maguire entstanden ist. Mit You’re Better Than This (2015) entsagten sie dem Kommerz, so weit man in ihrem Fall überhaupt je davon sprechen konnte, radikal. Es klingt aggressiver und schräger als die Vorgänger.
Cover des aktuellen Albums Green and Gray, erschienen am 3. Mai 2019 bei Exploding in Sound.
Mittlerweile haben sich Matt Connery und Matt Becker aus der Band verabschiedet. Maguire ist nach Nashville in ein Haus gezogen, in dem er mit Chappy Hull und Alex Molini wohnt, die seither Gitarre und Bass spielen. Die Promo-Tour für das aktuelle Album Green and Gray, das erste, das Meguire laut eigener Aussage nüchtern geschrieben hat, ist den Abstecher nach Kreuzlingen mehr als wert.
Der Horst Klub in Kreuzlingen ist noch jung, hat aber bereits Kultstatus. Bekannt ist er für seine Live-Konzerte, vor allem für Garagen-Punk. Dieses Wochenende wird das zweijährige Bestehen mit einem Festival gefeiert.
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